Eigene Geschichten 7
Eine Reise mit Hindernissen
Die Geschichte vom Basstölpel ist nur zum Teil unsere Geschichte. Wir hatten zu jener Zeit einen Kollegen an der Realschule, der sehr viel von Vögeln versteht, viel mehr als wir eigentlich. Dem wurde dieses Tier gebracht. Es wurde von Spaziergängern am Strand aufgefunden, mit einem Strick um ein Bein. Der Strick wurde entfernt, aber der Vogel ging nicht wieder ins Wasser zurück. Er war offensichtlich nicht verölt und wohl auch nicht krank, vielleicht etwas ermattet, sonst aber nichts.
Basstölpel
Basstölpel sind riesige Vögel , so groß wie ein mittlerer Pinguin. Sie haben furchtbare Schnäbel, ich glaube, noch schlimmer als die von Papageien. Diesem Basstölpel konnte sich unser Kollege auch nur mit Lederhandschuhen nähern. Er hackte gnadenlos um sich, wollte keine Hilfe annehmen, aber auch nicht ins Wasser zurück. Nach einiger Zeit stellte sich also heraus, dass der Vogel für die Freiheit verdorben war. Man nahm an, dass er auf einem Schiff als „Haustier" gehalten wurde und dann irgendwie über Bord gegangen war. Matrosen sollen ab und zu solche Sachen machen. Merkwürdige Sitten!!
Es blieb also nur noch der
Zoo am Meer in Bremerhaven übrig, und der Zoodirektor geriet ganz aus dem Häuschen, als er von dem Basstölpel hörte. Sie hatten zwar schon einige, doch je mehr sie haben, desto größer ist die Chance, dass sie sich im Zoo vermehren. Aber wie sollte der Transport vor sich gehen? Unser Kollege besaß kein Auto.
Und hier beginnt unser Teil der Geschichte. Wir hatten damals einen großen Kombi und fuhren bei jeder Gelegenheit zum Wohnwagen bei Oldenburg. Nun liegt Bremerhaven nicht gerade am Weg, aber den Umweg machten wir gern. Wir hatten schon mal eine Trottellumme, die wir vor der Ölpest gerettet hatten, dort abgegeben. Die Geschichte hatte ich schon ganz vergessen. Christine wusste sie noch. Wir haben so viele verölte Trottellummen gehabt, ich dachte, die wären alle gestorben.
Trottellummen
Doch nun zurück zum Basstölpel. Wir erhielten ihn eingesperrt und für uns unsichtbar in einem riesigen Karton. Der wurde hinten in den Kombi zu Derry, dem Hund, gestellt, und los ging die Fahrt, quer über die Dörfer. Wir wollten zur Weserfähre Blexen und von dort nach Bremerhaven. Kurz hinter Aurich rumorte es in dem Karton besonders heftig. Unsere Kinder bekamen Mitleid. „Papa, mach doch einmal kurz den Karton auf. Dem Vogel geht es nicht gut”, bettelten sie. Und Afred ließ sich erweichen. Was dann passierte, den Schreck kannst du dir kaum vorstellen!!!!
Kaum war der Deckel des Kartons geöffnet, schoß ein riesiger Vogelkopf mit einem entsetzlichen Schnabel und furchtbar grellen Augen wie ein Springteufel heraus, dazu kamen unheimlich krächzende Laute. Der Hund erschrak auch fast zu Tode, wir fürchteten um seine Augen und peng, knallte Alfred den Karton wieder zu, und bis Bremerhaven wurde er nicht mehr geöffnet.
Das Personal dort ging ganz routiniert mit dem Tölpel um, der seinen Namen daher hat, dass er sich an Land recht unbeholfen bewegt, aber sonst ein Flugkünstler ist. Schwingen wie ein Adler!! Diese Schwingen wurden ihm als erstes gestutzt, damit er nicht wegfliegen konnte. Vermutlich hätte er das gar nicht getan, aber sicher ist sicher. Und mit der Freiheit wusste er ja sowieso nichts anzufangen.
Christine bettelte um ein paar Federn vom Basstölpel. Sie sammelte damals wie heute, alles in der Richtung. Sie bekam sie auch, aber einen solchen Gestank kann man sich nicht vorstellen. Erst hatten wir die Federn nur in einer Plastiktüte, danach in einer Gefrierdose, aber trotzdem stank es durchdringend nach Tran oder so ähnlich, nicht auszuhalten!!! Wir mussten die Federn schließlich entsorgen. Sogar unser Töchterlein sah das ein.
Dem Basstölpel ging es prächtig im Zoo. Wir hatten zur Belohnung eine Menge Freikarten bekommen und haben ihn noch einmal besucht. Weil er ein so ausgesprochen hübsches Exemplar war, zierte er später den Zookatalog als Titelbild.