Geschichten 56
Graupapagei Coco: Meine geliebte Cocoline
(aufgeschrieben von Uschi)
Wenn ihr die Geschichte von Chico gelesen habt, wisst ihr, dass ich mich vor ca. 18 Jahren in Cocoline verliebt habe. Eine Freundin von meinen Pflegern brachte Cocoline zu uns in Urlaubspflege. Da war es um mich geschehen, ich habe mich verliebt. Auch Cocoline war nicht abgeneigt. Frauchen hatte das erkannt und uns zusammengesetzt. Wir fingen sofort an uns gegenseitig zu füttern. Ach war das schön, endlich einen Partner zu bekommen, der einen versteht.
Coco und Cocoline
Cocoline war, wie ich, ein Wildfang. Sie erzählte mir, dass sie schon mehrere Vorbesitzer hatte und keine gute Erfahrung mit ihren Pflegern hatte. Cocoline war den ganzen Tag alleine, da ihre Pfleger berufstätig waren. Sie habe oft nach ihren Pflegern gerufen, sie fühlte sich alleine und verlassen. Nach ca. 10 Jahren wurde Cocoline an eine Familie abgegeben, die 2 Sittiche und 2 Hunde hatten. Zum ersten Mal fühlte sie sich einigermaßen wohl. Tagsüber war sie nicht mehr so alleine, da waren ja die anderen Tiere, die sie ein wenig ablenkten. Das neue Frauchen kümmerte sich zwar um Cocoline, doch sie qualmte die arme Cocoline mit ihren Zigaretten ein. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit durfte Cocoline seit langer, langer Zeit endlich aus ihrem Käfig. Sie fühlte sich "frei". Doch irgend etwas schreckte sie auf, und sie flog mit aller Gewalt gegen die Wand. Sie war wie benommen, hatte sich leicht den Flügel angeknackst. Nach ein paar Stunden hatte sie sich wieder erholt. Seit diesem Geschehen, ist Cocoline nie mehr wieder geflogen!!!!
Nach einem guten halben Jahr verstarb das Sittichweibchen und man setzte Cocoline den artfremden Sittichmann in ihren Käfig. Na ja, so meinte Cocoline, ich hatte ja Gesellschaft, irgendwie haben wir uns angepasst.
Die Tierfamilie wurde immer kleiner, die Boxerhündin wurde schwer krank und musste eingeschläfert werden. Später folgte ihr auch der Langhaardackel.
Nun gab es nur noch Cocoline und Coci.....
Urlaub stand vor der Tür. Wohin mit den beiden Vögeln? Mein Frauchen, Uschi, erklärte sich bereit die beiden Tiere in Pflege zu nehmen.
Dann kam der Tag, wo ich Cocoline kennengelernt hatte. Ich freute mich riesig, endlich einen gleichartigen Papagei zu sehen. Neugierig und noch etwas unbeholfen, machte ich die ersten Annäherungsversuche. Es gelang mir, ihre Aufmerksamkeit für mich zu gewinnen. Es vergingen ein paar Tage und wir saßen immer näher zusammen, nur die Käfigstäbe trennten uns noch. Nach 2 Wochen war es dann soweit. Cocoline durfte zu mir in die Voliere. Wir konnten es kaum erwarten. Die Freude war riesengroß. Endlich hatte ich einen Partner....!!
Cocoline
Cocoline war eine Hübsche. Sie war sehr lieb, sie gefiel mir. Wir schnäbelten und fütterten uns gegenseitig, wir fanden einfach kein Ende. Frauchen war begeistert, was wird wohl Herrchen sagen, wenn er nach Hause kommt? Na ja, zuerst war er nicht so begeistert, dann sah er jedoch, wie gut wir uns verstanden und wie glücklich wir waren und stimmte zu.
Chico, der Molukkenkakadu, hatte sich mit Cocoline noch nicht so recht angefreundet. Es gab hin und wieder mit uns Auseinandersetzungen und Streitigkeiten. Nach und nach legte sich die Unruhe, und Chico akzeptierte Cocoline.
Chico beim Sonnenbad
Dann kam das Frauchen von Cocoline und Coci wieder aus dem Urlaub zurück. Sie wollte die beiden wieder abholen. Wie würde sie reagieren? Musste ich mich von meiner geliebten Cocoline wieder trennen? Meine Pfleger hatten sich entschlossen, uns nicht mehr zu trennen. Dann kam das Frauchen von Cocoline und hatte überraschender Weise nichts dagegen einzuwenden . Sie sah ja selbst, wie glücklich wir waren.
Nun das nächste Problem: Sie wollte ins Ausland ziehen, konnte aber "Coci" nicht mitnehmen. Meine Pfleger kurz entschlossen: Coci kann selbstverständlich auch hier bleiben. Auf einen Vogel mehr oder weniger kommt es nicht mehr an.
Von nun an waren wir eine große Vogelfamilie und hatten viel Spaß.
1 oder sogar 2 mal im Jahr kam ein großer Ara namens "Pepe" zu uns in Urlaubspflege. Für ihn war das, da er alleine gehalten wurde, eine will- kommene Abwechslung. Wenn Pepe seine "5 Minuten" hatte, waren wir vor Schreck ganz ruhig, nur "Chico" mit seiner gewaltigen Stimme protestierte dagegen.
Nach etwa einem halben Jahr verließ uns "Coci". Es war an einem Sonntagmorgen, Coci hatte sein Futter ausgebrochen und war ganz unruhig durch den Käfig geklettert. Frauchen stellte an seinem Käfig eine Rotlichtlampe auf, die Wärme tat ihm gut. Nach und nach kletterte er jedoch nach unten auf den Käfigboden. Frauchen und Herrchen saßen ganz still bei ihm. Auch wir bemerkten das etwas nicht stimmte und waren absolut still. Dann ist Coci für immer eingeschlafen, ganz, ganz friedlich.
Es vergingen viele aufregende und schöne Jahre.
Wir zogen nach Forsbach, da kam unser Kater "Pumuckel" zu uns. Cocoline mochte Pumuckel sehr. Sie rief immer: "Pumuckel, komm, Pumuckel". Wir alle haben ihn als neues Familienmitglied akzeptiert.
Wieder vergingen viele Jahre ohne besondere Ereignisse, bis ja bis uns unser geliebter Pumuckel sehr krank wurde und uns auch verlassen musste.
Danach, oh Schreck, wurde meine geliebt Cocoline auch noch krank. Was war los, war sie traurig, da Pumuckel nicht mehr bei uns war? Unsere Pfleger waren mit den Nerven am Ende. Sie setzten Cocoline in einen separaten Käfig, damit sie ihre Ruhe hatte. Sie wollte einfach nichts mehr fressen. War es der lange Schnabel? Ab zum Tierarzt. Der hat ihr den Schnabel kräftig gekürzt. Cocoline hatte Schwierigkeiten sich an den Gitterstäben festzuhalten. Am nächsten Tag hat sie wieder etwas zu sich genommen. In der Nacht jedoch hat sie wieder alles ausgebrochen. War es Fütterungstrieb?
Wieder zum Arzt. Dieser stellte dann bei einem Rachen- und Kotabstrich vermehrte Bakterien fest. Nun bekam die arme Maus eine Antibiotika-Behandlung. Danach ging es ihr wieder etwas besser. Leider nicht lange, wieder fraß sie nur sehr wenig, kein Obst nahm sie an, alles was man ihr reichte verschmähte sie. Man fuhr Cocoline zu einem anderen Tierarzt. Er röntgte sie und nahm ihr Blut ab. Ergebnis: wieder die gleichen Bakterien und das Röntgenbild zeigte eine geringe Drüsenmagenerweiterung und eine leichte Aspergillose auf. Die arme Cocoline hatte nun 3 schreckliche Wochen vor sich. Jeden Tag 2 mal orale Einnahme von flüssigen Medikamenten, dazu musste sie jedes Mal gefangen werden, um ihr die Medikamente einzuflößen. Cocoline hat sich natürlich kräftig gewehrt. Wer war aufgeregter, "Cocoline" oder unsere "Pfleger"?
Wieder hatte sich Cocoline, trotz der Prozedur, ein wenig erholt. Sie kam auch wieder freiwillig aus ihrem Käfig, fraß mehr, auch ihr geliebtes Obst und wir spielten viele Stunden zusammen. Unsere Pfleger waren glücklich.
Es vergingen ein paar Wochen, mit Höhen und Tiefen. Cocoline hat es immer wieder gepackt. Sie hatte einen starken "Lebenswillen".
Unsere Pfleger sind, wie bei unserem Pumuckel, nicht mehr aus dem Haus gegangen. Einer war immer zu Hause, um nach dem Rechten zu schauen. Chico und ich haben es gespürt, dass mit Cocoline etwas nicht stimmte. Wir saßen immer in unmittelbarer Nähe bei ihr.
Dann kam eine für uns schreckliche Woche. Cocoline hatte sich doch so gut erholt. Sie pfiff und war wieder fröhlich. Warum ging es ihr plötzlich so schlecht? Sie bekam plötzlich Krämpfe und fiel von der Sitzstange, oh Schreck, Chico schrie vor lauter Aufregung, und Frauchen war sofort zur Stelle. Sie nahm Cocoline aus dem Käfig, sie war immer noch ganz steif und fing vor Angst an zu schreien. Behutsam legte Frauchen Cocoline in einen Transportkäfig und fuhr sofort zum Tierarzt.
Ich wusste immer noch nicht was los war. Ich saß da wie versteinert. Während der Fahrt zum TA hatte sich Cocoline wieder erholt. Der TA vermutete eine Kreislaufschwäche, da es an diesem Tag sehr warm war. Da eine Untersuchung bei einem so geschwächten Tier nicht möglich war, brachte man Cocoline wieder mit nach Hause. Ihr müsst wissen, Papageien sind sehr sensibel, wir werden, wenn wir beim TA sind, mit dem Handschuh oder einem Tuch gefangen, dass ist Stress für uns. Ein geschwächtes Tier kann dabei sterben.
Auch der nächste Tag brachte nichts Gutes. Cocoline hatte nichts zu sich genommen, weder Wasser noch Futter. Die Tierarztpraxen waren geschlossen. Unsere Pfleger mussten Cocoline zwangsfüttern mit Vitaminen, Brei und Flüssigkeit. Gott sei Dank hat sie etwas zu sich genommen. Da sie sehr stark abgenommen hatte, musste sie leider wieder zum Tierarzt und wurde stationär aufgenommen. Wir gaben uns zum allerletzten Mal ein Küsschen, und dann verließ Cocoline mich, ein paar Tage später, für immer.
Der TA hatte alles versucht, Cocoline das Leben zu schenken, leider ohne Erfolg. Cocoline war unheilbar krank, sie hatte eine Drüsenmagenerweiterung und konnte das Futter nicht mehr verwerten. Obwohl sie selbst bis zum Schluss gekämpft hat, ist sie ein paar Tage später, am 15.8.2004 , an einem Sonntag, so gegen 18.30 Uhr, gestorben.
Unsere Pfleger wurden sofort telefonisch verständigt. Wir saßen gerade so gemütlich auf dem Balkon als das Telefon klingelte. Frauchen wurde ganz weiß im Gesicht und weinte dann fürchterlich. In Windeseile mussten wir wieder in unser Zimmer, und fort waren unsere Lieben. Was war los? Sie waren lange fort. Als sie wieder zurück kamen, hörten wir, wie beide weinten und schluchzten. War was mit meiner geliebten Cocoline?
Frauchen erzählte mir am nächsten Tag unter Tränen, dass die kleine Maus es nicht mehr geschafft hat und nun im Papageienhimmel ist. Sie hat nun keine Schmerzen mehr, sie ist erlöst. Trotzdem, sie fehlt mir sehr, sie war soooo lieb, wer füttert mich denn jetzt? Wer putzt jetzt meine Federn? Wir waren ca. 18 Jahre zusammen, dass ist eine lange Zeit!!
Es sind nun einige Wochen vergangen. Der Schmerz sitzt immer noch tief, auch bei meinen Lieben. Chico gibt sich alle Mühe mich zu unterhalten, umgekehrt auch. Ich habe mich einigermaßen gefangen. Pfeife, singe und erzähle wieder viel.
Trost und liebe Worte haben meine Lieben von Helga erhalten, die uns seit der Krankheit von Pumuckel und Cocoline zur Seite steht. Dafür sind wir ihr unendlich dankbar.
Nun hoffe ich und meine Lieben, dass uns das restliche Jahr keinen Kummer mehr bereitet. In einem Jahr 2 Tierherzen zu verlieren, ist schon sehr hart und wir sind bestraft genug.
Cocoline, aufgenommen ca. 1 Woche vor ihrem Tod.
Ich und meine Lieben werden Cocoline und auch Pumuckel nie vergessen. Sie waren beide sehr brav und liebenswürdig.