Eigene Geschichten 23
Wassergeschichten
Alle Neufundländer sind ausgesprochene Wasserhunde. Das ist in Neufundland auch ihre Aufgabe gewesen, den Fischern bei der Arbeit zu helfen. Sie haben sogar so etwas Ähnliches wie Schwimmhäute zwischen ihren Zehen. Allerdings waren die ursprünglichen Neufundländer kurzhaarig. Das Langhaarige ist erst später von den Engländern reingezüchtet worden. Das Langhaarige plus Wasser bringt auch ganz schöne Scherereien mit sich.
Derry durfte man keine Sekunde am Strand freilaufen lassen, ohne dass er ins Wasser rannte. Selbst im eisigsten Winter nicht, dann kletterte er über die Eisschollen ins Wasser.
Einmal wollte mich eine Kurgastfrau anzeigen, weil der Hund im Winter im Wasser war. Sie meinte, ich hätte ihn reingeschickt. Ich rief ihn raus , hielt ihn am Halsband fest und versuchte, der aufgebrachten Frau zu erklären, dass das Neufundländerart sei. Sie regte sich entsetzlich auf, bis Derry die Sache zu dumm wurde. Ungeduldig riss er sich von meiner Hand los und raste ins geliebte Wasser zurück, freiwillig. Der Fau klappte der Unterkiefer runter, und sie sagte nichts mehr.
Eine ältere Frau aus der Nachbarschaft wollte uns anzeigen, weil der Hund unsere Kinder auf dem Schlitten zog. Alfred hatte ein Brustgeschirr gebastelt, und der Hund zog mühelos, so schnell konnte man kaum mitlaufen. Einziger Nachteil, er ließ sich nicht lenken, sondern rannte immer nur dahin, wo er gerade hinwollte. Die Kinder hatten trotzdem ihren Spaß, aber manche Leute regen sich wirklich über alles auf. Derry hätte wahrscheinlich auch 5 Kinder mühelos gezogen. So ein Neufundländerrüde ist ganz schön kräftig.
Sein Abenteuer mit dem Segelboot ist Alfred und mir unvergesslich geworden und ging gerade noch gut aus. Wir waren am Weststrand, das ist der Teil von Norderney zwischen Norderney und Juist. Dort ist die Fahrrinne sehr tief, die Strömung immer sehr stark, und es ist sehr gefährlich, in diese Strömung hineinzugeraten.
Unser Hund schwamm zunächst nur in Strandnähe. Dann erblickte er aus seiner Perspektive ein Segelboot. Und weil Neufundländer alles retten, was im Wasser ist und umzukommen scheint, schwamm er Richtung Segelboot, um es zu apportieren. Es war sehr weit weg , und aus seiner Perspektive sah es wahrscheinlich wie ein größerer Stock aus.
Er schwamm und schwamm, wir riefen und brüllten. Er gehorchte nicht. Das tat er im Wasser sowieso nicht. Dafür sind viele Neufundländer bekannt. Schwimm doch hinterher, wenn du was willst!
Ich sah ihn schon in die reißende Strömung geraten, sein Kopf war nur noch ein kleiner schwarzer Punkt, bis er endlich umdrehte und mühelos wieder an Land schwamm. Wir sind nie wieder mit ihm an den Weststrand zum Schwimmen gegangen. Am Nordstrand kann so etwas nicht so leicht passieren.
Lara schwimmt auch gerne, ist aber nicht so waghalsig, sondern bleibt in Ufernähe. Außerdem haben wir jetzt tatsächlich für den Notfall immer das Handy mit der einprogrammierten Rufnummer des Rettungsbootes dabei. Durch Schaden wird man klug.
Es soll Neufundländer geben, die jeden Schwimmer gegen seinen Willen retten, ins Wasser springen, ihn am Arm packen und dann mit sanfter Gewalt an Land befördern. Das haben unsere glücklicherweise nicht getan. Da hätten sie auf der Insel auch was zu tun gehabt!!
Derry, der mehr freilief als
Lara (heutzutage ist ja alles verboten), kam sowieso von fast jedem Spaziergang nass nach Hause. Irgendwo fand er immer eine Pfütze oder einen Graben oder ein stinkiges Schlammloch, wo er sich zumindestens den Bauch nass machen konnte. Oft musste er hinterher im Garten unter den Schlauch oder im Winter in die Badewanne, weil er von dem Dreckwasser so stank.
Aber er war immer ein glückliches Tier, nie erkältet und konnte richtig lachen!