Tiergeschichten - Überblick

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Mehr von Bonnie und Clyde
 
 
 
Dies sind weitere Geschichten von Bonnie, die uns mehrere Male in Atem hielt, weil sie draußen unauffindbar war, und von Clyde aus seinen gesunden Zeiten.
 
Beide Katzen sind Freigänger. Dazu muss ich sagen, dass ich, als ich die Katzen kriegte, ursprünglich gar nicht wollte, dass sie die Wohnung verließen. Sie waren 3,5 Jahre Wohnungskatzen gewesen, und alles, was die Welt an Gefährlichkeiten anzubieten hat wie Autos, Fahrradfahrer, böse Hunde und böse Menschen, war ihnen unbekannt.
 
Nach einem halben Jahr stellte sich jedoch heraus, dass es unmöglich war. Bonnie war richtig krank vom Eingesperrtsein. Das war wohl auch in Hamburg schon ihr Problem gewesen. Wir konnten nicht mehr lüften, ohne dass sie vor der Öffnung saß. Im Sommer wäre sie aus dem offenen Fenster gesprungen.
 
Eines Tages im Frühling hatte ich die Nase voll von dem ewigen Aufpassen, und meine Nachbarin redete mir auch noch zu. Wir nahmen beide Katzen mit auf unseren großen Hof. Clyde war auf der Stelle platt wie ein Pfannkuchen vor Angst. Um Himmelswillen, wo ist die Zimmerdecke? Bonnie ging sofort auf Abenteuer los und war nicht zu bremsen.
 
Beide waren anfangs sehr vorsichtig, sie gingen nicht weit weg. Doch das hielt nur kurze Zeit vor, dann schlugen beide über die Stränge, so wie manche Jugendliche, die von den Eltern immer kurz gehalten worden sind, und dann plötzlich die Freiheit ohne Kontrolle spüren.
Beide Katzen blieben bis tief in die Nacht draußen, es war ja auch Sommer und (damals) stand  das Fenster noch offen. Nun ist es geschlossen, warum, das erfährst du in Geschichte 2.
 
 
 
Dann fuhren wir längere Zeit zum Wohnwagen. Dort sollten sie anfangs eigentlich an der Leine laufen, aber es war technisch nicht machbar. Sie verhedderten sich dauernd irgendwo. Also ließen wir sie laufen, und sie blieben von der ersten Minute an immer in der Nähe des Wohnwagens und erweiterten nur allmählich ihre Kreise.
 
Ich sehe noch Bonnie, wie sie das erste Pferd ihres Lebens auf der Weide nebenan sah. Das Wort Angst ist (besser war) ihr fremd. Nichts wie hin zu dem Pferd und es am Maul beschnuppern! Das Pferd kannte Katzen und blieb gelassen. Mir aber war ganz schlecht, ich sah es schon nach der Katze treten.
 
Bonnie war 14 Tage lang vorbildlich, dann aber war sie eines Morgens um halb acht, wenn es das erste Essen gab, nicht da. Das war ungewöhnlich, denn sie frisst eigentlich den ganzen Tag, immer ein bisschen, und kommt reglmäßig nach Hause. Länger als 2 Stunden ist sie eigentlich nie weg.
 
Zuerst machten wir uns noch keine Sorgen, nach einiger Zeit fingen wir an zu rufen. Damals klappte das mit dem Kommen auf Pfiff noch nicht. Keine Bonnie weit und breit! Bis zum Abend war sie wie vom Erdboden verschluckt. Alle Leute auf dem Campingplatz wussten Bescheid und suchten mit. Ohne Ergebnis.
 
Nun gibt es aber immer auch Camper, die keine Katzen leiden können, schon gar nicht so neugierige wie Bonnie, die überall reingehen und überall ihre Nase reinstecken, z. B. an die Grillsachen gehen, die vielleicht im Vorzelt stehen. Da hat manch einer sicher den Spaten bereit und schlägt  eine Katze kurzerhand tot. Solche Fälle waren uns bekannt. Bonnie trug damals aber ein Halsband mit Adresse dran, so dass wir hofften, sie möge solch einem Schicksal entgehen.
 
Das Schlimmste war die Ungewissheit. Hatte sie sich verlaufen? War sie irgendwo eingesperrt? War sie verletzt? War sie in ein Auto gesprungen und mitgefahren?
 
Tausende solcher Gedanken schossen uns durch den Kopf, und mir ging es sehr schlecht. Bis kurz vor Mitternacht tauchte sie nicht auf.
 
Dann ging ich nochmals los, Richtung Sanitärgebäude, nicht weit weg von unserem Wohnwagen. Und auf dem Weg dahin traf ich plötzlich Bonnie, die orientierungslos rumlief!! Es war, als würde sie mich nicht erkennen. Sie kam nicht etwa freudig an, sondern war total verstört. Ich fing sie ein, und sie schlief die Nacht bei mir im Bett, überhaupt nicht ansprechbar. Ihre Adresse am Halsband war weg. Das Halsband selbst hatte sie noch um.
 
Wir haben nie erfahren, was sie den Tag für Schlimmes erlebt hat, vermuten jedoch, dass Kinder sie mitgenommen haben, weil sie so zutraulich ist. Dann hat sie wahrscheinlich nicht so ohne weiteres den Weg zurückgefunden. Oder sie war in irgendeinem Schuppen eingesperrt. Sie konnte es uns ja leider nicht erzählen.
 
Das zweite Mal war sie auf Norderney weg, an einem 1. Mai. Wir suchten auch hier überall, weil es immer komisch ist, wenn sie nicht zwischendurch mal kurz erscheint und uns etwas erzählt. Sie streicht dann um die Beine, gurrt wie eine Taube, frisst ein bisschen und geht wieder los.
 
An diesem Tag hatten wir keine Freude am freien Tag. Irgendwo war das Tier eingesperrt, aber wo? Ganz spät am Abend war ich noch mal im Keller. Wir sind ja 4 Parteien im Haus, alle haben ihre Kellerräume. Da hörte ich plötzlich ein heftiges Miauen aus dem Keller der Nachbarin. Diesen Keller liebt sie, wir hatten ihn sogar morgens schon abgesucht, aber da hatte sie wohl ihren totenähnlichen Schlaf gehalten und wollte sich nicht finden lassen.
 
Kurz vor Mitternacht ließ ich sie aus dem Keller raus. Halb verhungert raste sie in die Wohnung, pinkelte wie wild und fraß dann so viel, dass wir dachten, sie hört gar nicht wieder auf. Danach wollte sie sofort wieder nach draußen.
 
Das dritte Verschwinden war das Schlimmste. Da verschwand sie an einem Freitagmorgen, und wir hatten sie den Abend noch nicht wieder. Die halbe Nacht habe ich die Katze gesucht, mit Lara zusammen. Denn wenn die Katzen den großen, schwarzen Hund sehen, können sie uns besser identifizieren. Vergeblich, sie war verschwunden. Mein Mann Alfred, der sich nicht annähernd so schnell Sorgen macht wie ich, druckte am Samstag auf dem PC Plakate mit einem Bild und einer Beschreibung von Bonnie und hängte die Steckbriefe überall auf, an allen Zäunen, Bäumen, Verkehrsschildern, Geschäften usw. Aber niemand hatte das Tier gesehen.
Auch hier auf der Insel sind oft schon Katzen spurlos verschwunden und nie wieder aufgetaucht. Auch hier sind Katzen schon erschlagen oder misshandelt worden, jeder Katzenbesitzer kennt hier  grässliche Geschichten. Die Katze unserer Nachbarin, die Bonnie und Clyde gerne versorgt, hat durch solch ein Erlebnis ein Auge verloren. Darum wollte ich unsere beiden zunächst ja auch nie rauslassen. Ich habe nicht die Nerven dafür, wenn ein Tier spurlos verschwindet.
 
Am späten Samstagabend, genau 30 Stunden nach ihrem Verschwinden, tauchte Bonnie plötzlich auf, wieder total verstört, ausgehungert und vor allem hatte sie wohl 30 Stunden nicht Pipi gemacht. Sie pinkelte so lange, man kann es sich kaum vorstellen.  Dann fraß sie, und danach  pennte wie ein Murmeltier.
 
Diese drei Erlebnisse haben aber bewirkt, dass sie vorsichtiger geworden ist, obwohl sie im Umgang mit Menschen und großen Hunden immer noch viel zu arglos ist. Clyde ist da weitaus misstrauischer. Der benimmt sich eigentlich naturgemäßer, geht in Deckung und guckt sich das aus der sicheren Entfernung an.
 
Zweimal spielte er allerdings den heldenhaften Bruder. Ein angeleinter Hund vor dem Haus wagte es, Bonnie anzuknurren und anzubellen. Zackbum, hatte er Clyde im Nacken sitzen. Der ritt auf dem Hund, der Hund geriet in Panik, die Besitzerin auch. Meine Nachbarin stürzte raus und erlöste den Hund.
 
Das andere Mal wurde Bonnie auf unserem Hof vom Nachbarkater Nicki attackiert. Der liebt Beißereien und lauert unseren beiden richtig auf. Bonnie war ihm nicht gewachsen und schrie wie am Spieß. Das hörte Clyde in der Wohnung, Alfred öffnete ihm das Fenster, und unser eigentlich so schüchterner Clyde, der die Friedlichkeit in Person ist, verwandelte sich in eine Furie, in eine reißende Bestie. Er stürzte sich auf  Nicki, beide Kater waren nur noch ein schreiendes , kämpfendes Knäuel, Clyde blieb Sieger, und wir waren ganz stolz auf unseren Kampfkater.
Seitdem Clyde Diabetes hat, hat er die Oberhand aber wieder verloren. Er kämpft nicht mehr, er hat auch wohl nicht mehr die Kraft dafür. Nicki ist wieder der Boss in der Nachbarschaft, leider!
 
Nach einjähriger Diabetesbehandliung geht es Clyde unterdessen wieder sehr gut. Er geht auch gerne wieder raus, vor allem in der Dunkelheit. Ob er draußen Kämpfe zu bestehen hat, weiß ich nicht.
 
Von Bonnie muss ich noch etwas erzählen, was unser Nachbar eines Morgens beobachtet hat. Hier kreisen ja immer viele Möwen und werden ab und zu mit Essensresten gefüttert. Eine hungrige Silbermöwe saß beim Nachbarn auf dem Rasen und fraß, als Bonnie sich an sie ranpirschte, damals noch unbedarft im Umgang mit großen Vögeln. Mit einem Satz sprang Bonnie auf die Möwe drauf und saß bei ihr auf dem Rücken. Die Möwe hob ab, und Bonnie flog ein Stück mit hoch, dann fiel sie runter.
 
Kann man sich eine verrücktere Katze vorstellen?
 
 
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