Tiergeschichten - Überblick

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Die Taubenrettung
 
 
erzählt von Chico, Uschis Molukken-Kakadu
 
 
 
 
Es war ein warmer, sonniger Tag, als wir alle zusammen draußen auf dem Balkon saßen und die wohlige Wärme genossen.
 
Pumuckel saß auf dem Schoß von Frauchen und ließ sich genüsslich das Fell kraulen. Coco und Cocoline saßen in ihrem Käfig turtelten und machten Blödsinn. Ich, Chico, durfte bei meinem Pfleger Günter auf der Stuhllehne sitzen und wurde von ihm ebenfalls herrlich verwöhnt. Ja, da waren wir alle noch zusammen.
 
 
Plötzlich schreckte ich auf und sah am Himmel einen großen, schwarzen Punkt kreisen. Ich ließ den Punkt nicht aus den Augen. Er kam immer näher und jetzt erkannte ich, dass es sich um einen großen Greifvogel handelte. Ich verhielt mich ganz ruhig. Auch meine Pfleger hatten in der Zwischenzeit den Greifvogel entdeckt. Sie beruhigten mich und sagten: "Chico, es tut dir doch keiner was, wir sind doch bei dir". Auch die gut gemeinten Worte hielten mich nicht davon ab, den Greifer weiter zu beobachten. Es dauerte eine Weile und er kam immer näher. Selbst unser Kater Pumuckel sah ihn und ließ von ihm nicht mehr ab.
 
Dann ging es auf einmal ganz schnell. Der Greifer stürzte sich im Flug auf unseren Garten zu und schlug eine Taube. Na, das konnte ich nicht mit ansehen und ließ mehrere "Urwaldschreie", die ohrenbetäubend sind, los. Vor lauter Schreck ließ der Greifer die Taube fallen und Frauchen die Kaffeetasse. Gott sei Dank fiel die Taube auf eine unserer hohen Tannen, wurde von den Ästen abgefedert und landete dadurch etwas sanfter auf dem Boden.
 
 
Kater Pumuckel, der das ganze Geschehen mit beobachtet hatte, sprang von Frauchens Schoß herunter und wollte in den Garten. Meine Pfleger wussten noch nicht so recht was passiert war, ahnten aber nichts Gutes. Ich war immer noch sehr aufgeregt. Man setzte mich zurück in meine Voliere. In der Zwischenzeit lief Frauchen in den Garten. Pumuckel war schon zur Stelle und wollte die arme Taube fangen, doch Frauchen war schneller und  schnappte Pumuckel und sperrte ihn vorübergehend in ein Zimmer ein.
 
 
Auch Herrchen war, nach mehrmaligen Hilferufen, zur Stelle. Da lag sie nun, die arme, verletzte Taube. Was tun? Frauchen traute sich nicht die Taube aufzunehmen, weil sie Angst hatte, sie könnte ihr dabei weh tun. Das arme Tier stand unter Schock und regte sich nicht, nur an den Augen konnte man erkennen, dass sie noch lebte.
 
 
 
In der Nähe unseres Hauses  gab es einen Taubenzüchter. Vielleicht konnte er uns weiterhelfen! Frauchen lief zu ihm hin. Er selbst war  nicht zu Hause, seine Frau war bereit, sich die Taube anzusehen und gegebenenfalls mit nach Hause zu nehmen. Sie nahm die Taube vorsichtig auf und sagte: "Es handelt sich hier um eine Zuchttaube, ob sie uns gehört, kann nur mein Mann anhand der Ringnummer feststellen. Ich nehme sie trotzdem mit, damit sie entsprechend versorgt und gesund gepflegt wird".
 
 
Erleichtert von dem Geschehen kamen unsere Pfleger wieder zurück. Pumuckel wurde wieder aus dem Zimmer gelassen. Er hatte natürlich nichts anderes zu tun, als in den Garten zu laufen um dort zu schnuppern, wo das stark blutende Tier gelegen hatte. Nach einer Weile kam er aber wieder und wir machten es uns wieder gemütlich.
 
 
Ich, Chico, wurde gelobt: "Das hast du aber fein gemacht, weiter so, pass schön auf". Ich genoss die extra Zuwendung.
 
 
Gegen Abend schellte das Telefon. Der Taubenzüchter hatte angerufen und sich für die "Rettung" seiner besten "Zuchttaube" ganz, ganz herzlich bedankt. Frauchen sagte: "Das haben Sie unserem "Molukkenkakadu Chico " zu verdanken und erzählte ihm die ganze Geschichte. Der Züchter bemerkte noch, dass die Verletzungen nicht so stark wären und die Wunden bald heilen würden.
 
 
Jetzt waren meine Pfleger noch stolzer auf mich und lobten mich aufs Neue.
Nach zwei Tagen ging es der Taube wieder viel besser. Wochen später hatte sie den 1.Platz bei einer Taubenausstellung bekommen. Ist das nicht toll?
 
 
Auch heute noch lasse ich keinen Punkt am Himmel aus den Augen, es könnte ja wieder ein Greifer sein. Sollte er mir zu nahe kommen, dann weiß ich ja wie ich mich wehren kann.
 
 
Chico