Eigene Geschichten 27
Ein Mückenstich mit Folgen
Von der Heilkraft des Meerwassers
Wer ist nicht schon mal von einer Mücke gestochen worden? Das juckt zwar heftig, ist in unseren Breiten aber in der Regel harmlos. Warme Sommer mit Regen dabei fördern die Entwicklung von vielen Mücken, deren Larven sich in jeder größeren Pfütze, in stehenden Gewässen wie Tümpeln und Teichen aber auch in der Regentonne im Garten zu Hunderten oder Tausenden entwickeln können.
Meine Mückengeschichte spielte sich genau vor 20 Jahren ab, im Sommer 1982. Sie begann ganz harmlos. Anfang August musste ich nach Norden zum Augenarzt und fuhr mit dem Fahrrad zum Hafen der Insel. Auf dem Weg dorthin stach mich eine Mücke in die linke Wade. Auf dem Schiff juckte der Stich, aber ich beherrschte mich, kratzte und scheuerte nicht daran herum, in der Hoffnung, dass die leichte Schwellung bald zurückgehen möge.
Doch das Gegenteil trat ein. Als ich im Wartezimmer des Augenarztes saß, war meine ganze linke Wade schon dick geschwollen. So eine heftige Reaktion auf einen Insektenstich hatte ich noch nie gehabt, dagegen waren selbst die Stiche der
Wespen harmlos gewesen.
Wieder zu Hause, schmierte ich gängige Mittel auf den Mückenstich, aber nichts half. Die Wade war dick angeschwollen, rot und heiß. Das musste ein richtig giftiges Tier gewesen sein. Wer weiß, was es bei seinem Stich in mein Bein injiziert hattte?
Als das Bein am nächsten Tag noch nicht abgeschwollen war, ging ich doch tatsächlich wegen eines Mückenstiches zum Hausarzt. Der schickte mich weiter zur Ambulanz des Krankenhauses. Dort bekam ich ein Antibiotikum gespritzt, weil offenkundig eine starke Entzündung das Bein befallen hatte. Das Mittel half nicht. Das Medikament wurde gewechselt, es half auch nicht. Unterdessen hatte sich der Stich zur Größe eines halben Tischtennisballes entwickelt. Ich war deswegen sogar krank geschrieiben , weil ich das Bein möglichst wenig bewegen sollte.
Der Stich sah jetzt aus wie ein Karbunkel, mehrere eitrige Stellen bildeten sich. Weder lokale noch innerlich angewandte Medikamente zeigten Wirkung. Der Chirurg im Krankenhaus entschloss sich schließlich, das Geschwür, anders konnte man es unterdessen nicht mehr bezeichnen, auszuschälen.
Der Eingriff wurde unter Vollnarkose durchgeführt. Danach musste ich regelmäßig zum Verbinden ins Krankenhaus und sah dabei, welch ein tiefes Loch meine Wade hatte. Es hatte die Größe eines halben Tischtennisballes, aber nun nach innen.
Jetzt kam das nächste Dilemma, die recht große Wunde heilte nicht, obwohl ich eigentlich eine recht gute „Heilhaut” habe. Der August ging zu Ende, die Wunde schloss sich trotz aller Bemühungen nicht.
Unterdessen arbeitete ich zwar wieder, musste aber mindestens zweimal die Woche zum Verbandwechsel. Eines Tages gab mir eine ältere erfahrene Krankenschwester (selbst schon lange auf der Insel) den entscheidenden Tipp:
Statt ständiger Medikamente und Spritzen, die sowieso nicht wirkten, sollte ich die offene Wunde im Meerwasser baden. Auf die Idee war ich noch gar nicht gekommen. Ich hätte auch eine erneute Infektion befürchtet. Doch ich nahm den Rat an, und von dem Tag an sah man mich jeden Tag am Flutsaum bis zu den Knien im Wasser in der Brandung herumlaufen.
Wie durch ein Wunder fing die Wunde an, sich schon nach wenigen Tagen zu schließen. Als es im Meer zu kalt wurde (unterdessen war es Mitte September und das Wasser war merklich abgekühlt), holte ich mir Meerwasser in einem größeren Behälter und begoss mein Bein, d.h. die Wunde, in der Badewanne damit.
Nach einigen Wochen war alles in Ordnung, und außer einer hässlichen , großen Narbe, die ich heute noch habe, war alles vergessen. Da ich aber nicht Schönheitskönigin werden will, kratzt mich diese Narbe wenig!
Die Heilkraft des Meerwassers ist wirklich erstaunlich. Nicht ohne Grund haben wir mehrere große Kliniken auf der Insel, die die gesunde Nordseeluft für Atemerkrankungen und die Heilkraft des Meerwassers bei Hauterkrankungen in ihre Therapie mit einbeziehen.