Tiergeschichten - Überblick

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HPKatzendiabetes


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           Schreck in der Abendstunde
 
Als unsere Tochter Christine so etwa 8 Jahre alt war, wünschte sie sich einen Goldhamster. Wir waren eigentlich nicht so begeistert, weil Goldhamster nachtaktive Tiere sind, am Tage eher passiv. Aber sie bekam nach langem Betteln ihren Mucki. Er war sehr zutraulich, weil sie sich viel mit ihm beschäftigte. Er hatte einen großen Käfig mit Haus, und ein Hamsterrad zum Laufen, außerdem durfte er ganz viel in ihrem Kinderzimmer rumlaufen. Dann hängte sie immer ein Schild an die Tür: Vorsicht, freilaufender Hamster!
 
Eines Abends, Christine wollte bzw. musste ins Bett, also ich schätze mal so zwischen halb acht oder 8 Uhr, hörten wir ein entsetzliches Geschrei aus ihrem Zimmer: „MUCKI IST WEG!!!!!!!!!” Und dann nur noch Tränen.
 
Wir trösteten sie, denn die Tür zum Kinderzimmer war geschlossen gewesen,  weit konnte er also nicht sein. Nach menschlichem Ermessen musste er sich im Kinderzimmer befinden. Wir suchten das Zimmer ab, einschließlich der Schränke und Regale etc.: kein Mucki! Spurlos verschwunden. Noch mehr Tränen!!!
 
Wir suchten die übrige Wohnung ab, und die ist groß! Finde da mal einen kleinen Goldhamster! Mein Mann Alfred meinte:„ Der kommt von alleine wieder, wenn er Hunger hat.” Aber das tröstete unsere Tochter überhaupt nicht. Die Suche ging weiter, und die Zeit schritt voran.
 
Als wir alles mehrmals abgesucht und nichts gefunden hatten und unsere herzzerreißend weinende Tochter kaum noch beruhigen konnten, kamen wir auf die Idee, mal GANZ STILL zu sein. Denn es war später Abend, Muckis aktive Zeit. Wir hofften, ihn irgendwo zu hören. Wieder nichts!! Dann aber sagte Christine plötzlich: „Ich höre was unterm Fußboden!”
 
Eigentlich unmöglich, aber wir legten uns alle in der Küche auf den Fußboden und lauschten angestrengt. Wir wohnen Parterre, unter uns ist alles unterkellert, aber zwischen Keller und Wohnung ist ein Hohlraum. Tatsächlich, dort hörte man raschelnde Geräusche. Aber dieser Bereich ist ganz und gar unzugänglich. Wie sollte das Tier dort hingekommen sein??
 
 
Wir untersuchten noch einmal das Kinderzimmer. In der Ecke am Fenster kommt  ein Heizungsrohr aus dem Keller, und an der Stelle war eine sehr kleine Öffnung, durch die ein kleiner Hamster wohl runterrutschen konnte. Was nun? Wie sollten wir ihn dort wieder rauskriegen?? Christine weinte aufs Neue los. Die Vorstellung, dass der kleine Kerl da unten unter der ganzen Wohnung, wahrscheinlich sogar noch unter der Nachbarwohnung herumirren würde, war ja auch entsetzlich.
 
Alfred hatte schließlich die rettende Idee. Er ist passionierter Heimwerker, und es gibt wohl kaum ein Arbeitsgerät, das er nicht hat. Er eilte in den Keller und kam mit einer Stichsäge zurück. Nach und nach sägte er (und das spät abends!!) in der Ecke beim Heizungsrohr Teile der Holzbohlen heraus, bis wir ein größeres Stück freigelegt hatten, das uns Einblick gewährte. Durch das Loch konnten wir Futter UNTER den Fußboden legen.
 
Und nun hieß es, stilll zu sein und zu warten. Alfred lag auf dem Bauch vor dem Loch, Christine und ich wagten kaum zu atmen, Stefan, Christines jüngerer Bruder schlief wohl schon. Er ist 4 Jahre jünger als Christine, und ich kann mir nicht vorstellen, dass er so lange den Schnabel gehalten hätte. Ich kann mich wenigstens nicht mehr daran erinnern, ob er dabei war.
 
Auf einmal packte Alfred zu, und hatte unseren geliebten Mucki in der Hand. Unterdessen ging es auf Mitternacht zu!!! Christine verschwand selig im Bett. Der Fußboden wurde erst am nächsten Tag wieder repariert, so dass man die Zeichen der nächtlichen Sägerei nicht mehr sah.  Und dann wurde die Stelle so abgedichtet, dass eine Wiederholung des Ausflugs unmöglich war.
 
Ein Gutes hatte die Sache noch. In der Schule musste Christine im 4. Schuljahr einen Aufsatz schreiben zum Thema: Ein Erlebnis mit einem Tier. Sie konnte sowieso gut Geschichten schreiben, aber diesmal schrieb sie über ihren  Ausreißer Mucki und bekam eine Eins!