Eigene Geschichten 39
Wer war der Dieb?
Wenn wir bei unserem Wohnwagen sind, lieben wir es, Vögel zu beobachten. Es sind zum Teil ganz andere als auf der Insel, und außerdem kommen sie so dicht an den Wohnwagen heran, dass es eine Freude ist, ihnen zuzuschauen. Ich habe immer etwas Körnerfutter bereitstehen, und im Winter hänge ich Meisenknödel auf, um die Vögel anzulocken.
Alle möglichen Meisensorten lassen sich sehen: Kohlmeisen, Blaumeisen, Sumpfmeisen, Tannenmeisen. Geschickt turnen und knabbern sie an den Meisenknödeln herum.
Unterdessen haben wir ein Futterhäuschen. In den ersten Jahren hängte ich die Knödel immer direkt in die Bäume und Büsche.
Von unserem Wohnwagenfenster sahen wir beim Frühstück den Meisen und anderen Vögeln zu und erfreuten uns an dem emsigen Treiben. Amseln, Rotkehlchen, Spatzen, Grünfinken, Bergfinken, Kleiber, Dompfaffe und noch viele mehr stellten sich ein.
Bei einem Aufenthalt im frühen Winter, es war noch nicht sehr kalt, bemerkten wir, dass unsere Meisenknödel auffällig schnell aufgefressen waren. Die Netze waren zerrissen und leer. Wir hatten die Eichelhäher oder Buntspechte in Verdacht, denn wir hatten schon beobachtet, dass sie alle anderen Vögel von den Knödeln vertrieben, um sie selbst in Ruhe fressen zu können.
Doch konnten diese Vögel, auch wenn sie groß waren und einen scharfen Schnabel hatten, dermaßen die Netze der Meisenknödel zerreißen? Das kam uns doch recht unwahrscheinlich vor. Nun tippten wir auf einen Marder, doch auch der war es nicht.
Eines Morgens, wir saßen gerade beim Frühstück und auch die Vögel draußen futterten fleißig, erschien der Dieb höchstpersönlich im Kirschbaum. Unter den Vögeln entstand plötzlich Unruhe, und sie flogen weg. Im Kirschbaum saß mit blanken Augen ein hübsches
Eichhörnchen, wohl gerade aus der
Winterruhe erwacht und hungrig.
Anstatt sich an Eicheln und Nüssen satt zu fressen, wählte es den bequemeren Weg und hatte es auf unsere Meisenknödel abgesehen.
Es stellte sich sehr geschickt an, daran merkten wir, dass es diesen Diebstahl nicht zum ersten Mal beging. Der Knödel hing freischwebend, und es konnte ihn nicht einfach so packen. Das Eichhörnchen saß auf einem Ast und schien nachzudenken.
Dann hatte es die rettende Idee. Es krallte sich mit den Hinterbeinen an einem Ast des Kirschbaumes fest, hing nun mit dem Kopf nach unten im Kirschbaum und versuchte, mit den Vorderbeinen nach dem Leckerbissen zu greifen. Als es ihn „geangelt” hatte, riss es mit seinen scharfen Krallen das Netz auf, nahm den Knödel heraus und flitzte von dannen, in die weit höheren Eichen, die hinter unserem Wohnwagen stehen. Dort hat es dann wahrscheinlich alles, was ihm vom Knödel schmeckte, genüsslich verspeist.
Es hatte in dem betreffenden Winter keinen Sinn mehr, weitere Knödel aufzuhängen, unser Eichhörnchen, vielleicht auch noch mit Kumpanen, holte sie alle!
Die Meisen mussten sich mit Streufutter zufrieden geben.