Eigene Geschichten 29
Scheinträchtig!
Als wir uns nach 7-jähriger Hundeabstinenz entschlossen, wieder einen Hund anzuschaffen, bestand ich auf einer Hündin. Ich hätte auch gerne eine ganz andere Rasse gehabt, eine Hovawarthündin zum Beispiel oder eine Golden- Retriever- Hündin, aber für meinen Mann kam nur ein Neufundländer in Frage, am liebsten wieder ein kompakter Rüde.
Unser
Derry mit seinen 50 kg wäre ein Fliegengewicht gegen einen echten Neufundländerrüden von heute gewesen, die gut 60 kg und mehr wiegen. Ich fürchtete, so einen Hund gar nicht halten zu können, und noch mehr fürchtete ich etwaiges Heulen bei läufigen Hündinnen in der Nachbarschaft, so wie unser Hund
Derry, den wir deswegen mit zur Schule nehmen mussten.
Lara
Alfred graute vor der Läufigkeit, eine Spritze dagegen wollten wir aber nicht geben lassen, weil eine Nachbarhündin davon schwer erkrankt und sogar gestorben war. Ich selber kannte mich mit läufigen Hündinnen aus meiner Jugendzeit aus, als ich mit
Hella und
Teddy zu tun hatte, und sah darin ein kleineres Problem.
Eine Hündin ist zweimal läufig im Jahr, ein Rüde auf eine andere Art fast das ganze Jahr!
Lara wurde zum ersten Mal läufig, und es zeigte sich gleich, dass sie ein ganz besonders sauberes Mädchen war. Kein Tropfen Blut war bei uns in der Wohnung zu sehen, sie leckte sich pingelig den ganzen Tag sauber. Auch auf die Idee, auszureißen oder sogar aus dem Fenster zu springen, so wie ich das von anderen Hündinnen kannte, kam sie im Traum nicht. Während ihrer Läufigkeit war sie besonders verschmust und anschmiegsam und in der Wahl eines Rüden wäre sie wohl besonders sorgfältig gewesen. Sie wedelte zwar alle Rüden, die uns begegneten, freundlich an, aber wehe, einer wollte mal hinten riechen. Ein energisches Wuff verscheuchte den ungebetenen Freier.
Wir gaben ihr während der Läufigkeit Chlorophyll-Tabletten. Damit wurde der Läufigkeitsgeruch überdeckt, und kein einziger Rüde belagerte Tag und Nacht unser Haus.
Schnell waren die 3 Wochen vorbei, und wir dachten, der Alltag kehrt wieder ein. Doch Lara benahm sich merkwürdig. Sie wollte plötzlich das Haus nicht mehr verlassen oder sie wollte, wenn wir sie überredet hatten, schnell wieder umkehren.
Das ging mehrere Wochen so. Eines Tages kamen wir mittags nach Haus, da lag sie auf unserem Bett und hatte sich ein Nest gebuddelt. Sie fiepte und jaulte ganz sonderbar, als ob es ihr nicht gut ginge.
Als wir sie vom Bett gescheucht hatten, sahen wir, dass sie auf einer schwarzen Spielzeugratte saß. Sie hatte ein Junges bekommen und hütete es wie ihren Augapfel. Gottseidank wurde sie nicht aggressiv, das soll bei Scheinträchtgikeit auch vorkommen.
Wie ich es in schlauen Büchern gelesen hatte, nahm ich ihr jetzt alle ihre Spielsachen weg und schloss sie unten im Keller ein. Doch sie fand immer was Neues, das sie bemuttern konnte, und wenn es nur ihr Tennisball war.
Alles in allem, Läufikeit, angebliche Schwangerschaft und angebliche Mutterschaft dauerten fast 20 (!!!) Wochen. Danach hatten wir einige Wochen eine normale, verspielte Hündin, dann begann alles von vorn.
Was ich an homöopathischen Mitteln dagegen angewandt habe, weiß ich schon gar nicht mehr, so viele waren es. Keins half durchschlagend. Lara und wir lernten mit der Situation zu leben. Im Laufe der Jahre trat die Scheinträchtigkeit zwar nach jeder Läufigkeit, doch nicht immer so schlimm auf.
Sie hatte in der Regel auch viel Milch und ich musste ihr kalte Umschläge machen, weil die Milchdrüsen so heiß waren. Unvergesslich ist mir ein Bild vor Augen:
Lara liegt auf dem Flur auf der Seite, aus ihren Zitzen tropft Milch. Es bilden sich richtig kleine Bächlein. Bonnie, unsere Katze bleibt staunend davor stehen und riecht. Ist das essbar? Dann dreht sie sich um, so als wolle sie ihren Bruder rufen: Clyde, komm mal, hier ist was Seltsames!! Clyde schleicht sich misstrauisch heran und riecht an der Milch. Genießbar, nein, riecht nicht gut!
Lara wäre eine gute Hundeamme gewesen. Dazu ergab sich aber nie die Gelegenheit. Der Tierarzt empfahl uns ein Mittel zur Unterdrückung der Milchbildung. Wir gaben Lara die Tabletten nach Vorschrift, einmal und nie wieder. Sie musste schrecklich erbrechen, fraß nicht mehr und vor allem nahm sie überhaupt keine Flüssigkeit zu sich. Sie machte richtig einen kranken Eindruck.
Daraufhin empfahl man uns eine Kastration. Aber auch da gibt es unliebsame Folgeerscheinungen, die man vorher nicht kalkulieren kann: das Fell kann sich verschlechtern (und sie hat ein traumhaftes Fell), der Hund kann dicker und träger werden, und bei größeren Rassen kann sich auch eine Art Inkontinenz (Harnträufeln) bilden. All das muss nicht auftreten, aber kann. Das Risiko wollten wir nicht eingehen.
So leben wir weiter mit unserer Hundemutter und lenken sie ab, so gut es eben geht.
Bei ständig scheinträchtigen Hündinnen erhöht sich das Risiko einer Gebärmutterentzündung (Pyometra) und die Gefahr, Gesäugekrebs zu bekommen. Wir lassen Lara einmal im Jahr gründlich vom TA durchchecken. Bis jetzt war glücklicherweise alles in bester Ordnung.
Ergänzung im März 2004:
Lara wurde jetzt kastriert. Sie wurde dauerläufig und quälte sich damit herum. Die OP hat sie dank guter Konstitution hervorragend überstanden. Frei und ledig von allen Hormonen ist sie wieder bedeutend lebhafter geworden.
Wenige Tage nach der OP in "Hot Pants"
Info: