Eigene Geschichten 37
Seehunde
Wenn man mit der Autofähre von Norderney zum Festland fährt oder umgekehrt, kommt man an einer großen Sandbank vorbei, die sich im Laufe der letzten Jahre dort durch die Strömung des Meeres gebildet hat. Zur Ebbezeit, wenn die Sandbank aus dem Wasser ragt, liegen dort wohl 100 und mehr Seehunde, ruhen sich aus, nehmen ein Sonnenbad oder säugen ihre Jungen.
Kaum ein Mensch kann sich der Faszination ihrer großen Kulleraugen entziehen.
Viele Seehunde gibt es an der deutschen Nordseeküste. Aber wie lange noch? Denn gerade erreichen sie wieder traurige Berühmtheit durch tägliche Schlagzeilen in der Presse.
Nach dem großen Seehundsterben von 1988 hatte sich der Bestand erfreulich erholt, allerdings nicht so sehr zur Freude der Fischer, die im Seehund einen Konkurrenten sehen, der ihnen die Fische vor der Nase wegfrisst.
Seit einigen Monaten wütet sie aber wieder, die Seehundstaupe des Jahres 2002. Diesmal nahm sie ihren Anfang in Dänemark, hat sich aber unterdessen an der ganzen deutschen und niederländischen Küste ausgebreitet. Schon jetzt sind ihr mehr Tiere zum Opfer gefallen als 1988.
Was ist die Ursache dieser Seuche? Darüber gibt es verschiedene Meinungen. Die
Nordwestzeitung schreibt dazu:
....Eines ist freilich wie damals: Wieder einmal kann man es sich aussuchen, welcher Erklärung zum Seehundsterben man Glauben schenken will und welcher nicht. Zwar weiß man über das Staupe-Virus und seinen tödlichen Angriff auf das Immunsystem der Robben sehr viel. Aber wie, wo und warum es so plötzlich wieder auftritt, ob es sich bei der Infektion gewissermaßen um eine natürliche Bestandsregulierung handelt oder ob es nicht doch, wie einige Experten vermuten, auch unmittelbar vom Menschen zu verantwortende Ursachen gibt, ist so unklar wie eh und je.
Noch widersprüchlicher sind die Erklärungen, wenn um den Einfluss gestritten wird, der möglicherweise vom Verschmutzungsgrad der Nordsee auf die infizierten Tiere ausgeht. Für die einen ist die „Kinderstube Wattenmeer“, der ja tatsächlich seit etlichen Jahren ein beträchtlicher Teil der Schadstoffeinleitungen erspart bleibt, die früher bedenkenlos in der See verklappt wurden, völlig in Ordnung. Sie führen gerade die rasche Erholung des Seehunde-Bestandes seit 1988 als einen nach ihrer Ansicht schlagenden Beweis dafür an, dass es um die Nordsee ökologisch nicht so schlecht bestellt sein kann....

Wir fahren mit unseren Grundschulkindern gerne zur
Seehundaufzuchtsstation Norddeich. Dort werden überwiegend sogenannte „Heuler” großgezogen.
Heuler nennt man verwaiste Seehundbabies, die aus verschiedenen Gründen ihre Mutter verloren haben (schlechtes Wetter, Störung auf der Sandbank, Tod des Muttertieres, Mutter hat Zwillinge). Sie haben ihren Namen von dem unsagbar kläglichen Heulen, das sie von sich geben, wenn sie ihre Mutter vermissen.
Ende Juni, Anfang Juli bekommen die Seehunde ihre Jungen. Allmählich füllt sich dann auch die Seehundaufzuchtstation aus den oben erwähnten Gründen. Zunächst werden die Kleinen vom Tierarzt untersucht, gewogen und gemessen und bekommen einen Namen.
In mühevoller Arbeit werden sie von Hand gefüttert, zunächst durch einen Schlauch, später mit toten Heringen.
Die Tiere nehmen schnell an Gewicht zu und können in der Regel im August/September wieder ausgewildert werden.
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