Eigene Geschichten 24
Meine Angelgeschichten
Meine Mutter hatte früher, als ich so etwa 15 war, einen Chef, der leidenschaftlich gerne angelte und dabei wohl Gesellschaft suchte. Er angelte
Aale auf ostfriesische Art und wollte es mir beibringen.
Man nennt das hier „Aalbuurn" oder so ähnlich. Die Aale werden nicht mit Haken gefangen, sondern mit dicken Knäueln von Regenwürmern. Die armen Würmer werden mit einer Stopfnadel auf Band aufgezogen. Das Wurmknäuel wird ins Meer bzw. in einen Kanal geworfen und dann wartet man, bis man meint, ein Aal habe angebissen. In dem Moment zieht man mit einem Ruck die Angel aus dem Wasser, und wenn man Glück hat, fliegt der Aal mit raus. Dann rennt man hinterher und muss versuchen, den glitschigen Aal zu fassen zu kriegen. Das ist alles gar nicht so leicht, dafür braucht man viel Training.
Ich habe nach dieser Methode nur ganz wenig Aale gefangen. Sie waren alle zu klein und kamen ins Wasser zurück. Ein einziges Mal hatte ich Anglerglück und in Norddeich einen ganz großen Aal, der anbiss. Ich warf ihn mit einem Ruck auf den Deich und raste hinterher. Aber haltet mal so einen großen, glatten Aal! Selbst mit rauhen Handtüchern schaffte ich es nicht, mein Aal schlängelte sich durch das Gras den Deich runter und entschwand auf Nimmerwiedersehen in der Nordsee. Glück gehabt!
Herr V. hatte sich auch noch so ein Patent ausgedacht, wie man die gefangenen Aale frischhalten könnte. Man stand ja viele, viele Stunden dort aam Deich und angelte. Er konstruierte ein schwimmendes Aufbewahrungsgefäß (ich weiß keinen besseren Ausdruck dafür) aus einem alten Autoreifen und einem dichten Netz, wo die Aale nicht durchpassten. Dachte er!!!
Einmal hatten wir wieder den halben Sonntag am Deich verbracht. Er hatte den Tag ganz viele Aale gefangen und in diesem Autoreifen platziert, doch als wir nach Hause wollten, waren ALLE Aale ausgerissen. Mann, hat der sich geärgert!!
Doch einmal hatten wir, d. h. ER doch mehrere Aale gefangen und mit nach Hause gebracht. Ich esse Aale gern, gebraten oder geräuchert. Doch jetzt sagte dieser Mensch zu mir: „Wer Aale essen will, muss sie auch töten können!" Man schneidet dabei dem lebenden Aal den Kopf ab, aber nicht ganz und zieht dann die Haut ab bis zum Schwanz. Das machte er mir einmal vor, dann sollte ich ran.
Danke, das wars denn wohl!!! Nie hätte ich das fertiggebracht! Er war sauer und dachte wahrscheinlich, typisch Mädchen, und ich bekam nicht einen Aal für meine Pfanne. War mir aber total egal! Ich hatte nämlich keinen Bock mehr auf Aal!!! Ich habe auch nie wieder Anstalten gemacht, auf Aalfang zu gehen.
Hier auf der Insel fängt man Aale anders, mit der Grundangel. Das hat mein Sohn oft gemacht und uns viele leckere Aale geräuchert.
Unser Stefan hat die Sportfischerprüfung gemacht und angelte oft im Baggersee auf dem
Campingplatz. Dort gab es damals viele Forellen. Einmal war ich mit, weil mich das Angelfieber plötzlich packte. Mein Sohn lieh mir großzügig eine seiner Angeln, ich warf sie ins Wasser und kaum war sie drin, ruckte es auch schon. So wie der dümmste Bauer die dicksten Kartoffeln haben soll, hatte ich als unwissende Anfängerin eine ziemlich große Forelle am Haken.
Regenbogenforelle
Nun kam wieder die große Probe, genau wie beim Aal. Ich sollte die Forelle töten und machte in der Aufregung alles falsch. Stefan schimpfte ganz tüchtig mit mir und nahm mir die Arbeit ab.
Ich bin sicher, das war das letzte Mal in meinem Leben, dass ich eine Angel ausgeworfen habe.