Tiergeschichten - Überblick

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HPKatzendiabetes


Eigene Geschichten 10
 
          Karnickelgeschichten
 
Auf Norderney gibt es jede Menge Wildkaninchen, so viele, dass sie von vielen als absolute Plage angesehen werden. Sie fressen in den Gärten alles ratzekahl, sie fressen auf dem Friedhof die hübsch bepflanzten Gräber leer, und sie bauen jede Menge Tunnel und Höhlen in die Dünen und Deiche, so dass ganz Norderney unterminiert ist. Wenn du an einem späten Nachmittag im Sommer auf den Dünenwanderwegen bist, meinst du, es gibt Hunderttausende von Wildkaninchen.
 
Unser erster Hund Derry liebte es, sie zu jagen, aber wenn er in so ein Rudel hineinstürmte, jagten die Karnickel in alle Richtungen weg,  Derry blieb immer ganz perplex stehen und wusste nicht, welches er denn nun eigentlich verfolgen sollte.
 
 
Unsere Neufundländerhündin Lara macht sich nichts mehr aus Kaninchen. Sie hat schnell begriffen, dass sie die sowieso nicht fangen kann.
 
Katzen schätzen diese Kaninchen auch sehr, vor allem die kleinen, die im März/ April die ersten warmen Sonnenstrahlen genießen. Sie sind wohl eine willkommene Abwechslung im Speiseplan. Immer nur Mäuse, das ist ja langweilig.
 
Die Tochter unserer tierfreundlichen  Nachbarin, die über uns wohnt und immer unsere Tiere versorgt, hatte als Kind auch eine Katze, nein, einen Kater. Er hieß MÜCKE. Mücke sah genauso aus wie unser Clyde, war auch kastriert und eine Seele von Kater. Aber er war viel mehr draußen als Clyde und.... er liebte es, Kaninchen zu erbeuten. Die schleppte er dann nach Hause, versteckte sie so im Garten unter dem Rost vorm Kellerfenster, dass Frauchen es nicht sah, und verputzte sie bis auf das Fell. Immer wenn es draußen viele Jungkaninchen gab, hatte Mücke einen richtigen Hängebauch vom vielen Fressen.
 
Zunächst musste er aber lernen, Kaninchen zu fangen und dann auch mit einem Biss zu töten. Das können junge Katzen nicht sofort. So landeten denn eines Tages bei uns im Abstand von wenigen Stunden zwei seiner fehlgeschlagenen Versuche: zwei ganz junge Kaninchen, wenige Wochen alt, gerade die ersten Tage draußen gewesen. Zurückbringen konnten wir sie nicht, denn bei uns in der Nähe in den Dünen gibt es unzählige Kaninchenlöcher, außerdem war eines der Tiere an der Pfote verletzt.
 
 
Töten kam nicht in Frage, so wenig ich auch Kaninchen schätzte, schließlich hatten sie mir Hunderte von Krokussen im Garten weggefressen, als sich gerade die ersten jungen Triebe zeigten. Aber diese beiden waren sooooo niedlich, die musste man einfach  gernhaben.
 
Also kamen die beiden in einen unserer Meerschweinchenkäfige. Sie waren noch in dem Stadium, wo sie einerseits noch Muttermilch trinken, andererseits anfangen, die ersten Grashälmchen zu fressen. Mit einer kleinen Nuckelflasche gab es verdünnte Milch. Das lernten die beiden unheimlich schnell. Immer wenn jemand die Küche betrat, machten sie Männchen und warteten auf Futter, und dann ging die Nuckelei los. Später gab es dann Kaninchenfutter wie Löwenzahn, zartes Gras und Klee, und sie durften sich auf dem Hof im Meerschweinchengehege tummeln. Sie waren soooo niedlich, trotzdem vermieden wir allzu enge Hautkontakte, denn wir wollten sie ja wieder auswildern, und dann durften sie nicht zu zutraulich werden.
 
Um die Himmelfahrtszeit war es dann so weit. Beide Kaninchen waren beträchtlich gewachsen, und wir hatten den Eindruck, sie könnten auch ohne unsere Fürsorge leben. Zwischen unserm Haus  und dem Strand ist ein kleines Kiefernwäldchen, umgeben von Dünen und Dünenkuhlen mit hohem Gras. Dort ließen wir die beiden frei. Sie liefen nicht spornstreichs weg, nein, sie setzten sich in aller Ruhe hin und mümmelten ihr Gras. Und wir hofften inständig , dass sie nicht vom nächsten freilaufenden Hund gepackt wurden. Für Katzen waren sie als Beute unterdessen zu groß geworden.
 
 
Unser Clyde hat uns auch schon Kaninchen angeschleppt. Zum Teil waren sie halb so groß wie er selber, aber er hatte sie mit einem gezielten Biss getötet, und wir mussten sie nur „entsorgen”. Nur einmal brachte er ein lebendiges herbei. Das war ziemlich spät abends, ich weiß gar nicht, wo er dieses Tier um die Tageszeit noch aufgegabelt hatte, denn normalerweise sind die jungen Tiere nicht gerade um Mitternacht  draußen. Unser Sohn Stefan lag unten im Arbeitszimmer auf der Couch, guckte noch Fernsehen  und hatte das Fenster sperrangelweit auf. Ich warnte ihn , weil die Katzen uns immer lebende Objekte , vor allem Mäuse in die Wohnung über das offene Fenster brachten. Er schlug alle Warnungen in den Wind. Ihm war heiß, das Fenster blieb offen. Bis zu einem gellenden  Schrei: Mama!!!!! Papa!!!!! Clyde war über die Katzenleiter ins Zimmer gesprungen mit einem riesigen Kaninchen, hatte es losgelassen, und dann war dieses verschreckte Tier so unter die Couch gekrochen, dass wir abends gegen 24 Uhr das halbe Zimmer umräumen mussten, um es wieder einzufangen. Es war total unbeschädigt und durfte in die Dünen zurück.
 
Was unsere Katze Bonnie uns  angeschleppt hat, erzähle ich auf der Seite Geschichten 2.