Eigene Geschichten 3
Eine traurige Geschichte
(Unser erster Hund Cliff)
Mit 15 Jahren sollte ich eigentlich meinen ersten eigenen Hund haben, doch aus organisatorischen Gründen ging das leider nicht. 18 Jahre musste ich noch warten, bis sich mein Herzenswunsch erfüllte.
Wir machten von der Schule aus einen Betriebsausflug, lernten in einer Gastwirtschaft im Garten einen
Neufundländer kennen, es war sofort unser Traumhund.
Unsere Kollegen lachten, als wir ihnen erzählten, dass wir so einen großen Hund haben wollten, aber ein halbes Jahr später wurde der Traum Wirklichkeit.
Wer konnte ahnen, dass es ein Albtraum werden sollte?!
Zunächst suchten wir uns über den
VDH einen Züchter in der Nähe von Celle. Unsere Kinder waren für unsere Begriffe groß genug, mit einem Hund umzugehen, es war ja auch immer jemand dabei.
Wir freuten uns alle wahnsinnig auf unseren Cliff vom Tannhorst. So sollte er heißen, den Namen mit C durften wir uns selbst aussuchen.
Dann holten wir ihn eines Tages in Celle ab. Cliff war das Ereignis in der Nachbarschaft und unserem Bekanntenkreis. Alle kamen und wollten ihn bestaunen. Er war so lieb und verspielt wie ein Neufundländerwelpe nur sein kann.
Cliff am Strand, 3 Monate alt
Einige Wochen ging das gut, dann hatte Cliff plötzlich Würmer, klein, weiß und zahlreich. Er machte nochmals eine Wurmkur, die Würmer blieben, es wurden sogar mehr. Ich hatte Sorge, dass die Kinder sich ansteckten, also wuschen wir nur noch Hände. Denn so viele Würmer kann man sich gar nicht vorstellen. Der ganze Stuhlgang wimmelte nur so davon. Der Tierarzt schickte eine Kotprobe ans Landeshygiene-Institut. Die teilten uns mit, der Hund hätte überhaupt keine Würmer. Dieses Ergebnis konnten wir kaum fassen!!!
Nun wurde eine weitere Probe an die Tierärztliche Hochschule Hannover (THH) geschickt. Der Befund war niederschmetternd. Cliff hatte den für Menschen unheimlich gefährlichen Hundebandwurm
Echinococcus granulosus, höchstwahrscheinlich verursacht durch die Verfütterung verseuchten rohen Fleisches. Eine Behandlung war kaum möglich. Man kannte damals (1974) kein Wurmmittel, das dagegen wirkte. Der Hund hätte ein Jahr in Quarantäne gemusst. Die Behandlung sollte mit Bandwurmmitteln in achtfacher Dosierung erfolgen. Der Hund durfte nicht mehr in der Wohnung gehalten werden. Nur eine Person durfte ihn anfassen. Der Erfolg war ungewiss, bleibende Schäden wie Blindheit und Taubheit wurden nicht ausgeschlossen.
Wir waren außer uns vor Sorge um die Gesundheit der Kinder und und natürlich auch um unsere. Was sollten wir tun?
Mein Mann rief in der THH an, aber ein Irrtum war ausgeschlosen. Also ließen wir noch am gleichen Tag unseren gerade mal 5 Monate alten Cliff einschläfern. Das musste auf dem Festland gemacht werden, auf der Insel gab es damals keinen Tierarzt.
Danach kam die Sorge um unsere beiden Kinder. In Deutschland konnten die notwendigen Untersuchungen, ob wir uns infiziert hatten, nicht erfolgen. Das wurde alles in der Schweiz im Parasitologischen Institut in Zürich untersucht. Dreimal innerhalb einiger Wochen wurde uns Blut abgenommen und eingeschickt. Die Befunde waren alle negativ, aber die Sorge blieb. Damals kannte man auch noch keine Lasertherapie. Heutzutage werden die Finnen in der Leber etc. mit Laser behandelt. Damals galt das als schwer zu operieren. Heute gibt es auch Wurmmittel, die gegen diesen tückischen Wurm wirken. Vergleichbar gefährlich ist der
Fuchsbandwurm, vor dem in den letzten Jahren immer wieder gewarnt wird.
Nie wieder wollten wir einen Hund haben! So dachten wir viele Monate lang, aber seltsamerweise verblasste die Sorge. Ein Hundebandwurm war soooo selten, dass wir dachten, er würde uns wohl nicht zweimal treffen. Also nahmen wir wieder Kontakt zu unserem Züchter auf und bekamen 1976
Derry vom Tannhorst, Cliffs Halbbruder.
Derry durfte uns über 12 Jahre begleiten und ist ein Teil unseres Lebens geworden.
Derry, Cliffs Halbbruder