Tiergeschichten - Überblick

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Menelik - Kleine Freiheit an der Leine
 
- Erlebnisse, Erfahrungen und Tipps -
 
15 1/2 Jahre ist es her, seit "Aby"-Kater Menelik die Regierung in unserem Haushalt und Büro antrat. Fast drei Monate im Jahr übernimmt er auch das Kommando auf unserem Segelboot. Nur weil Menelik ein "Leinenkater" ist, konnten wir drei (mein Mann, Menelik und ich) ein unzertrennliches Team werden.
 
    
 
Unseren agilen, temperamentvollen "Mini-Puma" nur auf die Wohnung zu beschränken, damit konnte ich mich nicht anfreunden. Sollte er  niemals Gras unter seinen Pfoten spüren, einem Schmetterling hinterher jagen oder den Duft der weiten Katzenwelt schnuppern dürfen? Aber so vieles sprach gegen Freilauf: Unsere Sorge, dass Menelik wie viele seiner Artgenossen in unserer Gegend ein Opfer des Straßenverkehrs werden könnte, die Lage von Wohnung und Büro damals auf der ersten Etage. Natürlich wäre auch unser sommerliches "Seefahrerleben" problematisch mit einem "Freigänger". Wie könnte man einen abenteuer-lustigen Kater daran hindern, auf fremde Schiffe zu springen und so ungewollt als blinder Passagier entführt zu werden? Er würde auch kaum seine Pirsch an Land nach den Gezeiten richten. Das Ein-und Auslaufen in oder aus einem Hafen hängt aber in der Nordsee entscheidend davon ab.
 
Es blieb also nur die kleine Freiheit: Ausgang an der Leine!
 
Sofort nach seiner Ankunft, noch während des Eingewöhnens in die neue Umgebung (im Alter von 16 Wochen) band ich ihm ein eigens für ihn vom Schuster gekürztes Geschirr um. Es hatte sowohl ein Halsband als auch einen Bauchgurt. Beide waren mit je einem Steg am Rücken und zwischen den Vorderbeinen verbunden. So konnte das Kätzchen nicht aus dem Geschirr rutschen oder gewürgt werden, wenn man es irgendwo herausziehen musste. Zu unserer Freude hatten wir keine großen Probleme mit dem Anziehen. Bald war es für das Tierchen ein "ganz normales Kleidungsstück".
 
 
      
 
Nun kam der zweite Schritt: Am Geschirr wurde die "Flexileine" (kleinste Größe) befestigt. Menelik konnte damit hin wo immer er wollte. Ich folgte ihm auf Schritt und Tritt und ließ niemals Zug auf die Leine kommen, so war sie für ihn keine Fessel. Im Gegenteil, er fand es ganz toll, dass ich immer in seiner Nähe war. Jeden Vormittag wiederholten wir unsere Trainingsstunde. Dabei lernten wir beide mit der Leine umzugehen - nicht ohne, dass dabei mal eine Vase zu Bruch ging - weil ich nicht schnell genug reagierte. Anders als ein Hund bewegt sich eine Katze mit und ohne Leine auf drei Ebenen: Sie kriecht unter Möbel, sprintet aus dem Stand hinter einem vom Wind verwehten Papierfetzen her und springt, wenn es ihr einfällt auf ein Bücherregal. Als Abessinier war Menelik von Anfang an ein Meister in dieser Disziplin.
 
Da ich bei unseren Manövern ja zwangsläufig immer in seiner Nähe war, sparte er sich bald den mühsamen Abstieg von der im Sturm genommenen Höhe. Er sprang mir z.B. von der Türkante auf die Schulter, wo er laut schnurrend erst einmal eine Pause einlegte. Diese Gewohnheit hat er bis heute beibehalten. Sie hat sich bei unseren Abenteuern draußen als Fluch und Segen zugleich erwiesen. Wenn er vom Garagendach oder einem Ast mit ausgefahrenen Krallen zur Landung ansetzt, verfluche ich den Modewandel von aufgeplusterten Schulterpolstern zu den heute nur noch schwachbetonten Formen. Bei unseren Landgängen im Urlaub können wir uns jedoch den Kater sobald er müde wird, wie einen Schalkragen um die Schulter legen. Dort hat er den totalen Überblick. Zufrieden schnurrt er vor sich hin und ruht sich aus.
 
 
Bei unserem häuslichen Leinentraining sprang Menelik eines Tages auf die Klinke der Wohnungstür. Sie ging auf und unser Revier wurde ein ganzes Stück größer. Brav folgte ich meinem Katerchen treppauf treppab vom Keller bis zum Dachboden. Er hatte wahrscheinlich das Gefühl, dass auch für mich das Terrain Neuland war. Hin und wieder drehte er sich um und sprach mir, wie es schien mit kleinen Mauzlauten Mut zu.
 
 
Von Menelik geführt, landeten wir nach einiger Zeit wieder in unserer Wohnung. Hoch zu frieden mit unserer Expedition machte er sich über seinen Futternapf her. Von nun an musste die Inspektion des Hauses in unser Trainingsprogramm eingeschlossen werden, sonst gab es großes Geschrei.
 
Wir hatten beide etwas gelernt:
 
- Menelik - wie man Türen öffnet und dass die Welt vor der Tür noch weiter reicht.
 
- Ich, dass eine Katze einmal eingeführte Rituale niemals aufgibt und dass sie, wenn sie aus   eigenem Antrieb und mit Bedacht ihr Heim verlässt, auch wieder dorthin zurückfindet.
 
Kaum war das Haus vertrautes Revier (so nach 3 Tagen) sah der kleine Kater durch die gläserne Haustür verlangend auf eine noch größere Welt dahinter. Der Türdrücker widerstand seinen Versuchen hinauszugelangen. Doch wozu hatte er mich? Sein forderndes Rufen machte mir klar, dass wir reif für neue Abenteuer waren.
 
Und die ließen nicht auf sich warten! Vorläufig jedoch ging alles gut. Mit zitternden Flanken und vibrierenden Schnurrhaaren ging es hinaus in den Vorfrühlingsgarten. Vorher wurde das Köpfchen ausgiebig am Türrahmen gerieben. "Das Haus gehört mir!" Sollte das wohl heißen. Mit unendlicher Vorsicht ging es entlang der noch kahlen Begrenzungshecke des Gartens. Menelik konnte durch sie hindurch Autos vorbeiflitzen und fremde Menschen laufen sehen.
 
Er war sehr auf der Hut und machte sich bei jedem neuen Geräusch ganz klein. Doch die Neugier war offensichtlich stärker als die Angst. Jeder Grashalm wurde beschnuppert, in altem Laub gewühlt und eine futtersuchende Amsel beschlichen. Doch plötzlich bog ein Auto mit defektem Auspuff um die Ecke. Knatternd, schwarze Rauchschwaden ausstoßend kam es direkt auf uns zu. Menelik floh Richtung Haustür, die Leine verfing sich in der Hecke und wand sich um mein linkes Bein. Ich hatte eine Wahnsinnsangst die Leine loszulassen und riss und zerrte an der Hecke während der Kater mit nie geahnter Kraft am anderen Ende der Leine zog und mir fast das Bein abschnürte. Endlich konnte ich uns befreien. Die Flucht zur Haustür wurde fortgesetzt, Menelik flog nur so die Treppe hinauf. Erst in der sicheren Wohnung kam unsere wilde Jagd zum Stillstand.
 
Das war's den wohl, dachte ich. Nie wieder wird sich das verschreckte Tierchen die Leine anlegen lassen und von Ausgang kann keine Rede mehr sein.
 
Doch am folgenden Tag, zur gewohnten Zeit forderte mich Menelik unmissverständlich zu unserem Rundgang auf. Schnurstracks zog er mit mir zur Haustür und hinaus in die gefährliche aber ach so interessante Welt.
 
Von nun an sammelten wir jeden Tag neue Erfahrungen. Als der Sommer ins Land und unsere "Mannschaft" an Bord zog, waren wir beide - Menelik und ich - schon ein eingespieltes "Leinenteam".
 
 
Mehr als 15 Jahre Erfahrung liegen seither hinter uns. Menelik und ich haben viel dabei gelernt. Ich weiß nicht wer von uns beiden mehr zum Erfolg unserer "Seilschaft" beigetragen hat. Vielleicht können interessierte "Fories" davon profitieren:
 
  •   Menelik hat durch Erfahrung gelernt, auf der Jagd nach irgendwelchem Getier ein  Gebüsch auf dem gleichen Weg zu verlassen, wie er hineingeraten ist. Er kriecht auch nicht mehr unter parkende Autos sondern geht um sie herum. Wenn die Leine nicht mehr nachgibt, bleibt er stehen. Wenn er auf Bäume, hohe Zäune oder Mauern klettert, achtet Menelik auf den Zug der Leine. Sobald ich die "Bremse anziehe" springt er wieder  herunter.
 
-   In der gleichen Situation habe ich gelernt, auf die Blickrichtung und das Spiel der Ohren
    des Kletterkünstlers zu achten. Sind diese "Ortungssysteme z.B. auf die andere Seite der
    Mauer gerichtet, muss ich damit rechnen, dass er auf  "der falschen Seite" eine Beute   
    sieht. Wie John Wayne die Hand am Abzug des Revolvers muss man als "Sparring-
    partner" einer  "Leinenkatze" den Finger auf der "Leinenbremse" haben.
 
  •    Für den Fall, dass es doch einmal Probleme mit einer verhedderten Leine gibt, ist nun am  Griff unserer Flexileine ein starkes Stück Schnur befestigt. Damit kann ich die Leine  irgendwo festbinden und habe beide Hände frei um den Kater zu befreien.
 
  •   Menelik hat keine Angst vor Hunden. Er unterscheidet angeleinte von frei laufenden, bekannte von unbekannten Hunden. Die beiden bellenden Nachbarn werden freundlich  aber verhalten begrüßt. Unbekannte aber angeleinte Hunde werden am liebsten von der  Höhe eines Zaunes oder meiner Schulter mit Fauchen und Knurren "angemacht". Ganz  anders ist die Reaktion auf Streuner ohne sichtbare Besitzer: Er hört deren Kommen schon von weitem. Unbeweglich, voll gespannter Aufmerksamkeit setzt sich der Kater  unter einen Busch oder hinter das Rad eines Autos und lässt den Hund vorbeitraben.     Instinktiv scheint er zu wissen, dass er erst durch die Flucht den Feind auf sich  aufmerksam macht.
 
  ·  In einer solchen Situation verlasse ich mich ganz auf meinen kleinen Partner und verhalte mich ebenso ruhig und reglos wie er. Immer wieder erstaunt es mich, dass die Hunde, die  Nase auf dem Boden, wie blind an uns vorübergehen.
 
  •   Fremde freilaufende Katzen erspäht unser Kater schon von ferne. Riesig wird der Zug an  der Leine und es gibt kein Halten. Leider bewegen ihn beim Anblick seiner Artgenossen   nur selten freundliche Gefühle. Dadurch, dass er sich in wechselnder Umgebung zu  Hause fühlt, scheint er die ganze Welt als sein Revier zu betrachten, aus dem er alle  Rivalen vertreiben will. Er nimmt sofort eine kämpferische Haltung an. Stolziert auf und ab   und stimmt seinen Kriegsgesang an.
 
Der Gegner lässt sich das nicht lange bieten und schon ist das Gerangel im Gange wenn ich den richtigen Zeitpunkt für ein Ablenkungsmanöver verpasse. Zum Glück nehmen bei Katzenkämpfen Imponiergehabe und Drohgebärden eine ganze Zeit in Anspruch.  Während dieser Phase kann ich noch mit einem Trick eingreifen:
 
Während ich beruhigend auf die beiden "Streithähne" einrede gehe ich in die Hocke. Menelik erkennt sofort die strategische Position die er auf meiner Schulter einnehmen kann  und springt hinauf. Nun kann ich mich erheben und mit meinem "Kampfkater" langsam davon gehen. Während sich der arme Fremdling dort unten ganz klein fühlt, faucht der  "vermeindliche Sieger" von der Höhe meiner Schulter noch eine letzte Warnung herab.   Nun erst darf ich ihn im Triumphzug davon tragen.
 
  •    Katzen hören  zwar nicht auf Befehle (schon gar nicht wenn sie wie Hunde im Kasernenhofton gerufen werden). Doch ruhig aber bestimmt ausgesprochene "Bitten" nehmen sie  zur Kenntnis - falls man Glück hat richten sie sich sogar danach.
 
Menelik hat sich bereit erklärt einige unserer "Bitten und Fragen" zu befolgen, egal   welcher seiner Menschen mit ihm ausgeht:
 
"Bändchen an!" Löst große Freude aus, weil es der Auftakt zum schon erwarteten   Ausgang ist.
 
"Komm, komm" und "schnell, schnell" werden draußen prompt befolgt. Diese Worte  sind sehr hilfreich, z.B. wenn wir eine Straße überqueren.
Auf "wir gehen" lässt sich unser  Mini-Puma manchmal ein, wenn die Schnupper-oder  Lauerpause allzu lange dauert. Ebenso oft dreht er nur ein Ohr in die Richtung seiner  menschlichen "Führungskraft" und denkt wohl "Du kannst mich mal ...".
 
Auf die Frage "Nach Hause?" Hört man entweder ein ärgerliches "Määäh" (Miau kann er    nämlich nicht sagen), wenn Menelik glaubt noch etwas erledigen zu müssen. Ist er jedoch   dazu bereit setzt er sich für ein paar Schritte in die richtige Richtung in Trab. So nach 5-6  mal "nach Hause" landen wir dann entweder an der Haus-oder Bürotür oder am Boot (zu  Hause ist immer da, wo er gerade herkommt!).
 
 
"Es ist kalt" läßt unseren Kater im Eiltempo - ohne Aufenthalt - zu seinem jeweiligen Heim  laufen. Diese, unter Umständen etwas seltsamen Worte müssen für Menelik irgendwie bedrohlich oder drängend klingen. Ich gebrauchte sie in seinem ersten Winter, als ich vor  Kälte bibbernd vor einer Hecke wartete, während der Kater seelenruhig einem verheissungsvollen Rascheln auf der  Spur war. Was aber denken Menschen ,die an einem heißen
Sommerabend auf ihren Booten sitzen, von einer Frau "in den besten Jahren" oder von  einem passablen älteren Herrn, die einer an der Leine flitzenden Katze hinterher murmeln   "es ist kalt!" ? Ihr könnt uns glauben, wir benutzen dieses "Kommando" nicht sehr häufig.
 
 
     
 
Von Menelik habe ich außerdem gelernt, dass
 
  • Katzen vorsichtig sind und im Allgemeinen vermeintlichen und echten Gefahren aus dem Weg gehen. Wenn man sie zwingt wider diese Vorsicht zu handeln, geraten sie in Panik. Diese, für ihn leidvolle Erfahrung machte mein Mann: Auf dem Weg zu unserem Schiff lag am gleichen Steg ein Boot mit sehr lauten Kindern. Menelik sträubte sich mit aller Macht  daran vorbeizugehen. Also nahm ihn mein Mann auf den Arm - ein gravierender Fehler wie   sich herausstellte. Aus unserem sonst so liebvollen Kätzchen wurde ein wahrer Derwisch.  Mit zerschundenem Händen und angebissener Lippe musste unser Kapitän das Vorhaben   aufgeben, sein Schiff auf diesem Weg zu erreichen.
 
  • Katzen nicht spazieren gehen, weil sie Bewegung brauchen wie die Menschen, oder ihr  "Geschäft" erledigen müssen wie die Hunde. Sie gehen auf die Jagd oder sie inspizieren ihr   Revier. Beides braucht Zeit: Als "Lauerjäger" können sie Minuten lang in ein und dieselbe   Mauerritze starren, in die gerade ein Käfer verschwunden ist - irgendwann wird er wohl   wieder herauskommen!
 
Als "Revierbesitzerin" schnuppert eine Katze mit Hingabe an einem   Zweig. "Sie liest" wer aus der Katzenpopulation heute schon vorbeigekommen ist. Sie lässt   die Nachricht mit - wie es scheint recht dämlichen Grinsen - flehmend auf der Zunge zergehen. Dann bringt sie köpfchenreibend ihre eigene Botschaft an und trollt sich drei Schritte weiter. Das alles muss man als menschlicher Begleiter in Kauf nehmen. Wird sie   allzu oft von ihrem Menschen weitergezerrt, vergeht ihr bald die Lust am Ausgang. Wie ich   aus Gesprächen über vergebliche "Leinenversuche" heraushörte, war die Ungeduld der    menschlichen Partner die Hauptursache für das Scheitern.
 
Zu unseren Erfahrungen mit Geschirr und Leine folgendes:
 
Bisher haben wir kein wirklich ideales Katzengeschirr für unsere Zwecke gefunden. Die meisten taugen nur für den kurzzeitigen Gebrauch (vielleicht für Ausstellungen). Strapazierfähige sind oft seht hart und scheuern. Wir sind deshalb wieder auf das geschmeidige Ledergeschirr mit Filzunterseite zurückgekommen, das wir zu Anfang hatten. Schwachpunkte dieses Geschirrs sind die Nieten, die die Teile zusammenhalten. Durch den ständigen Zug vergrößert sich das Loch in dem die Niete sitzt und irgendwann fällt sie heraus.
 
Einmal hatten wir das Pech, dass uns dieses Malheur unterwegs passierte. Wir hatten die Leine und eine Hälfte des Geschirrs, der Kater aber rannte frohgemut mit dem Rest los. Also nichts wie hinter ihm her! Doch der Abstand zwischen uns blieb immer gleich. Plötzlich glaubte ich zu wissen, dass Menelik dachte, wir wären immer noch durch die Leine verbun-den. Leise rief ich ihm zu: "Nach Hause!" Wie erhofft, blieb er stehen und drehte sich um. Mein Mann konnte den Ausreißer auf den Arm nehmen und die Gefahr war gebannt. Seither werden die Nietenverbindungen vom Schuster durch zusätzliche Stiche verstärkt.
 
Hin und wieder müssen wir unseren "Seemann auf Samtpfoten" auch an Geschirr und Leine aus dem Wasser ziehen, wenn das Jagdfieber ihn übermannt und er hinter den Enten ins Wasser springt. Dann bewährt sich der zusätzliche Brustgurt. Er verhindert einen zu starken Zug auf die Halspartie.
 
Auch die Öse zum Befestigen der Leine ist nicht die stärkste. Früher oder später biegt sie sich auf. Eine Katze zieht eben nicht gleichmäßig an der Leine. Sie spurtet aus dem Stand los und setzt für kurze Zeit ihre ganze (beachtliche) Kraft in den Sprung. Deshalb wir die Öse bei uns durch einen "Niro-Schäkel" (U-förmiges, verschraubbares Verbindungsstück aus dem Bootsbedarf) ersetzt.
 
Wegen dieser Kurzzeitbelastung gab auch der Bremsmechanismus der kleinen "Flexileine" bald "seinen Geist auf". "Flexi Größe 2" für mittlere Hunde hat sich aber bestens für unseren eher kleinen aber temperamentvollen Kater bewährt.
 
"Lohnt sich der Aufwand und Mühe"? werdet Ihr vielleicht fragen. Reine Wohnungskatzen führen in den meisten Fällen auch ein glückliches Leben.
 
Ich finde: Ja - zu sehen, wie das Tierchen mit erhobenem Schwanz jeden Tag (ungefährdet) in ein neues Abenteuer zieht oder zu versuchen, die Welt aus seiner Perspektive zu erleben, macht großen Spaß. Im Frühling kenne ich alle Vogelnester und ihre Bewohner in unserem Revier und im Herbst weiß ich wo sich die Igel zum Winterschlaf zurechtlegen und die Eichhörnchen ihre Vorräte verstecken. Mit Menelik habe ich entdeckt, wieviel Natur es noch in einer Großstadt gibt.
 
Wenn Kater und Kapitän auf Hafenbummel gehen, freuen sich nicht nur die beiden, sondern oft genug lernen sie nette "Katzen-Menschen" kennen, denen wir sonst nie begegnet wären.
 
Durch unsere gemeinsamen Abenteuer hat Menelik speziell zu mir ein ganz besonderes Vertrauensverhältnis. An der Leine geht er überall mit mir hin, sogar zum Tierarzt. Der öffnet extra für ihn den "Pferdeeingang", nachdem er einmal im Wartezimmer für Aufruhr unter den Hunden gesorgt hatte. Stolz marschiert unser Kater mit seinen 30cm Schulterhöhe durch das riesige Tor.
 
Das Schönste aber: Wie eingangs erwähnt - wir drei können gemeinsam Urlaub machen und jeder von uns hat seine Freude daran!
 
Eines sollte allerdings jedem "leinenwilligen" Katzenmenschen einleuchten: Wenn sein Stubentiger auf den Geschmack gekommen ist, wird er (oder sie) den Spaziergang unerbittlich täglich einklagen und zwar zur selben Stunde. Auch das Wetter ist vollkommen unerheblich. Katze geht unterm Gebüsch, Mensch im Regen.
 
 
     
 
 
Copyright Helga Schliephacke, 2006