Tiergeschichten - Überblick

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HPKatzendiabetes


Eigene Geschichten 21
 
Ein Hund in der Schule
 
Derry war der allerliebste Hund, den es nur geben kann, aber einen Fehler hatte er doch. Wenn eine Hündin läufig war, roch er das auf unheimliche Entfernungen, spielte dann total verrückt, aß nichts mehr, lebte wochenlang fast nur von Wasser (darum war er auch schön schlank und nie übergewichtig, gut für seine Hüftgelenke!), und er heulte! Er saß auf den Hinterkeulen und heulte wie ein Wolf, stundenlang, wenn man ihn ließ.
 
 
 
Natürlich ließen wir ihn nicht heulen, denn die Nachbarn über uns vermieten an Kurgäste, und da ist Ruhe angesagt. Das Problem war nur, wenn wir zur Schule mussten, dann hätte er stundenlang geheult. Also fragten wir den TA, ob es dafür was gäbe. Ja, Tabletten zur Beruhigung. Einmal  hat  er die bekommen, nur eine Tablette.
 
Nach einigen Minuten  bekam ich  Angst, ich hätte meinen eigenen Hund vergiftet. Es war wohl ein schweres Beruhigungs- oder Schlafmittel, genau weiß ich das nicht mehr. Wenigstens brach der Hund richtig zusammen, und wir dachten, nun würde er den ganzen Vormittag schlafen. Schweren Herzens gingen wir zur Schule. Was mussten wir mittags hören? Derry hatte zwar geschlafen, aber im Schlaf den ganzen Morgen geheult.
 
Daraufhin machten wir was Einmaliges. Immer wenn so eine kritische Zeit kam, nahmen wir ihn mit zur Schule. Im Winter schlief er im Auto, im Sommer durfte er mit in die Klasse. Unser Rektor hatte nichts dagegen, und wir hatten damals auch noch nicht so viele allergische Schüler auf der Insel. Seit vielen Jahren haben wir ja ein Internat für asthmatische und hautkranke Kinder, die besuchen die regulären Schulen der Insel. Seitdem dürfen wir in den Klassen keine Meerschweinchen usw. mehr halten.
 
Derry aber durfte noch mit. Er lag den ganzen Morgen selig bei mir oder Alfred in der Klasse und ließ sich von 25 Kindern streicheln. Die Kinder waren immer ganz leise. Lärm kann Derry nicht ab, hieß es. Das stimmte zwar nicht, aber uns war es nur  Recht.
 
Jedesmal  musste er seine Kunststücke vorführen. Unsere eigenen  Kinder hatten ihm alles Mögliche beigebracht. Kommando SCHLAFEN, dann legte er sich auf die Seite, allerdings mit offenen Augen. Er bekam was vor die Nase gelegt, das durfte er jedoch nicht essen. Erst musste die Uhr schlagen. Die Uhr schlägt eins, die Uhr schlägt zwei usw. Die Uhr schlägt sieben. Frühstück. Aufwachen! Essen!! Und schon „wachte er auf” und hapste  nach seinem Leckerli.
 
Angeblich konnte er auch zählen. Wenn man ihn fragte, wie alt bist du, bellte er sein Alter, immer richtig, aber nur für Milky Way. Wenn man ihn rechnen ließ, z. B. 5 mal 20, geteilt durch 4 minus 20, dann bellte er 5 mal, aber nur  für was Leckeres! Er rechnete die unmöglichsten Aufgaben, alle richtig, die Zahl durfte nur nicht allzu hoch sein. Der Trick war, man hielt ihm Milky Way gaaaaaanz still vor die Nase, wenn er die richtige Anzahl gebellt hatte, bewegte man den Leckerbissen beinahe unmerklich. Sofort hörte er auf und schnappte sich die Belohnung. Das klappte immer, vorausgesetzt, wir rechneten richtig mit. Auf den Trick sind die Kinder nie gekommen. Wir mussten ihn immer erklären, damit sie nicht glaubten, dass Hunde wirklich rechnen können. Doch noch vor einigen Tagen wurde ich gefragt:„ Sie hatten doch einmal schon so einen Hund wie Lara, nicht wahr, der konnte doch rechnen?”
 
Zweimal in seinem Leben ist Derry uns ausgebüxt, als er eine läufige Hündin roch. Das erste Mal fanden wir ihn gleich um die Ecke wieder, und bevor wir schimpfen konnten, gab er uns dauernd Fuß, immer abwechselnd rechts und links. Entschuldigung, hieß das wohl, aber ich musste mal kurz weg. Dringend!!!
 
Das andere Mal war aufregender. Der Hund, kaum ein Jahr alt, wild und ungestüm, groß und schwarz, war wie vom Erdboden verschluckt. Alle 4 aus der Familie waren mit Fahrrädern unterwegs, um ihn zu suchen, vergeblich. Tränen bei den Kindern, Sorge bei uns Eltern. Wo ist der Hund?? Hoffentlich schießen die Jäger ihn nicht tot.
 
Alfred fuhr nochmal los, da sah er in einem Wäldchen in unserer Nähe, wo ein einsames Haus steht, aus dem Flur des offenstehenden Hauses einen schwarzen Hundeschwanz herausragen. Derrys Schwanz!! Überglücklich holte er ihn aus dem Haus raus. Es stellte sich heraus, dass die Familie sich nicht aus der Küche  getraut hatte wegen des schwarzen Riesenviehs, das ja total friedlich war, aber sie hatten nonstop bei uns angerufen. Nur  waren wir ja  alle unterwegs gewesen, keiner hatte ans Telefon gedacht. Handys gab es damals noch nicht.
 
Die Liebe packte  Derry bis ins hohe Alter, bis zu seinem letzten Atemzug. Je kleiner die Hündin, desto aufregender roch sie wohl. Eine ganz kleine Pudeldame in der Nachbarschaft hatte es ihm besonders angetan. Für die heulte er besonders heftig und wäre am liebsten aus dem Küchenfenster gesprungen. Die Kinder in der Schule fanden das immer toll.„ Wann wird wieder eine Hündin läufig? Wann bringen Sie Derry wieder mit?”
 
Selbst wenn Sportfest war, nahmen wir ihn  mit. Nach dem Sportfest wurden immer Spielangebote gemacht, so eine Art „Bunter Rasen”. Die Kinder durften dann mit Derry eine Runde um den Sportplatz laufen. Der machte das alles geduldig mit. Er war ein toller Hund!!
 
 
  Derry