Tiergeschichten - Überblick

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HPKatzendiabetes


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Eine unheimliche Begegnung
 
Wir wohnen auf einer friedlichen Nordseeinsel, auf der große Kriminalfälle im Allgemeinen nicht vorkommen. Die meisten Delikte sind wahrscheinlich Eigentumsdelikte, Fahrraddiebstähle, Diebstähle am Strand oder in den Lokalen, natürlich auch Verkehrsdelikte, viel mehr haben wir auf dem Gebiet glücklicherweise nicht anzubieten.
 
Umso mehr erhitzte vor Jahrzehnten ein Mord die Gemüter. Eine in einem hiesigen Kinderheim arbeitende Frau war grässlich zugerichtet nach umfangreicher Suche bei der „Weißen Düne” im Inselosten tot aufgefunden worden. Der Täter hatte sich nachts ins Heim geschlichen.
 
Dieser schreckliche Vorfall  hatte sich wenige hundert Meter Luftlinie von unserer Wohnung aus gesehen ereignet.
 
Wir hatten zu der Zeit noch unseren zweiten Neufundländerrüden Derry, und eines Abends , kurz nach dem Mord, der Mörder  war noch nicht gefasst, machte ich abends die letzte Runde mit dem Hund. Dazu brauchte ich nur quer über die Straße in die Dünen zu gehen. Heute ist da leider alles bebaut.
 
Gut gelaunt wie immer, machte Derry seine abendliche Runde, schnüffelte hier und dort und markierte sein Revier, als er plötzlich stutzte, in eine bestimmte Richtung ins Dunkle blickte, eine Imponierhaltung einnahm und nicht von der Stelle zu bewegen war. Was war da in den dunklen Dünen los? Siedendheiß fiel mir der Mord an der jungen Frau ein. Es war nur wenige Tage her, nicht weit weg von uns, der Täter vielleicht noch auf der Insel.
 
Ich riss und zerrte an der Leine, zwecklos. Der große, schwere Hund war keinen Zentimeter zu bewegen, starrte nur immerzu ins Dunkle, und mir kroch das Grauen den Rücken hoch. Ich traute mich jedoch auch nicht, den Hund loszulassen, ich wollte nur noch nach Hause.
 
Es wurde noch schlimmer. Plötzlich konnte ich im nebligen Dunkel etwas Großes, Schwarzes erkennen, das genau auf mich zukam. War es der Mörder? Mit langsamen Schritten kam das „Ungeheuer” direkt auf mich zu. Neben mir ein zur Salzsäule erstarrter Hund, das Rückenfell gesträubt, aber lautlos!
 
Nun fiel das Licht einer einsamen Straßenlaterne auf die dunkle Gestalt. Es war ein riesiger Damhirsch , der dort in aller Seelenruhe seine nächtliche Runde drehte, weder vor mir noch vor dem Hund Angst zeigte, wohl wissend, dass er mit seinem großen Geweih es lässig mit uns aufnehmen konnte.
 
  
 
Befreit aufatmend konnte ich nach Hause gehen. Der Hund interessierte sich nun auch nicht weiter für den Hirsch, er wedelte ihn nur kurz an und hätte ihm auch übers Maul geleckt, wenn ich ihn gelassen hätte. Derry war so eine Seele von Hund, und Damhirsche waren ihm nicht fremd. Es gab sie damals in großen Mengen auf der Insel (siehe unten).
 
Der Täter  wurde übrigens kurze Zeit später gefasst. Es war eine Beziehungstat gewesen, es trieb sich also kein Massenmörder bei uns herum.
 
 
Information über Damwild auf der Insel:
 
Wie kommen Hirsche, in diesem Fall Damwild, auf eine Insel?
 
Es sind Fälle berichtet worden, dass einzelne Tiere, auch z. B. Rehe oder Füchse, bei Ebbe das Watt überquert  und sich quasi verlaufen haben.
 
Dieses Damwild war jedoch  von den einheimischen  Jägern angesiedelt worden und sollte sich eigentlich im unbewohnten Inselosten aufhalten, um dort bejagt werden zu können.
 
Die Tiere waren jedoch immer zutraulicher bzw. dreister   geworden und trauten sich in  bewohnte Gegenden der Insel . Sie fielen in die Gärten ein und fraßen alles, was ihnen schmeckte, sie plünderten den Friedhof und wurden so lästig, dass sie schließlich abgeschossen werden mussten.
 
 
Auch in unserem Garten wurden wir nicht verschont. Eines Tages sah ich aus dem Fenster. Ein riesiger Damhirsch stand dort und fraß meine wunderschöne Petersilie. Als ich an die Scheibe klopfte, blickte er nur kurz hoch und fraß dann seelenruhig weiter. Erst als ich rausging, drehte er sich gemächlich um und sprang aus dem Stand mit einem Satz über unseren nicht gerade niedrigen Gartenzauns.
 
Ein anderes Mal wunderte ich mich über tiefe Kuhlen in meinem Komposthaufen. Gleichzeitig war aus unserer kleinen Tanne, die wir auf dem Hof mühsam zum Wachsen gebracht hatten (auf der Insel ist so etwas gar nicht so leicht), die Krone herausgebissen worden. Wir ärgerten uns sehr, denn diese Tanne liebten wir sehr. In der Adventszeit beleuchtete sie unseren Hof mit elektrischen Kerzen. Auch das war das Werk der Hirsche gewesen.
 
Vor dem Haus bepflanze ich jedes Jahr ein großes, längliches Beet mit Unmengen von Stiefmütterchen. Mein Mann hatte sie extra auf dem Festland gekauft, dort gab es mehr Auswahl, und sie waren billiger.
 
Kaum gepflanzt, waren sie auch schon vernichtet, weggefressen oder rausgerissen, als wenn die Vandalen gehaust hätten. Eine Nachbarin hatte sogar die Hirsche bei ihrem Tun beobachtet, aber auf ihr Klopfen und Rufen hatten die Tiere gar nicht reagiert.
 
 
Unterdessen gibt es neues  Damwild auf der Insel, allerdings sehr scheu. Es stammt wohl aus nicht so zahmen Beständen. Das obige „dreiste” Damwild stammte aus Zuchtbetrieben und war dadurch an Menschen gewöhnt.