Tiergeschichten - Überblick

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HPKatzendiabetes


Geschichten 54
 
Kater Pumuckel
 
Mein bewegtes, langes und erfülltes Leben
 
erzählt von ihm selbst, aufgeschrieben von Uschi
 
Ich wurde vor vielen, vielen Jahren in der Nähe von Rösrath in einem Pferdestall geboren. Dort wuchs ich mit einigen anderen Katzen auf. Wir wurden als Mäuse- und Rattenfänger gehalten. Dort gab es ja viel zu tun. Auch habe ich Vögel und Tauben gejagt, die ich aber selten gefangen habe.
Ab und zu gab es von den Reitern etwas zu fressen.
 
 
Mein damaliges Frauchen wurde sehr schwer krank und konnte sich um uns nicht mehr kümmern. Dann, vor ca. 12 Jahren, zogen im zweiten Nachbarbarhaus meine neuen Besitzer ein. Es war Liebe auf den ersten Blick. Wenn ich auf dem Dach des Reitstalles oder auf dem dort lagernden Stroh herumtobte, brauchte Frauchen nur zu pfeifen und ich war mit meinem großen Bruder, der auch ein rotgetigertes Fell hatte, so wie ich, sofort zur Stelle.
 
 
Am Anfang gab es nur etwas Milch und Leckereien. Nach und nach bekamen wir beide immer etwas mehr (ich war ja viel zu dünn). Wir fraßen genüsslich und blieben etwas im Garten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon (nur ich bin auf den Balkon gekommen, denn davor stand direkt ein alter Baum, den ich mit den Jahren durch mein ständiges Rauf- und Runterklettern, kaputt gemacht habe.)
 
 
 
Pumuckel
 
Dann ist leider mein großer Bruder von einem Hund so schwer im Gesicht verletzt worden, dass man ihn einschläfern musste. Von da an blieb ich ständig bei meinen neuen Besitzern. Da ich ein  „Freigänger" war und mir Wohnungen fremd waren, blieb ich ständig draußen, auch im Winter. Frauchen machte sich Sorgen, dass es mir im Winter oder auch bei kaltem, nassen Wetter zu kalt würde. Zuerst bekam ich einen mit dicken Decken und Stroh ausgekleideteten Umzugskarton, den ich sofort bezogen habe, später dann ein großes, gemütliches Katzenhaus, das ebenfalls schön warm war. Ich wohnte auf dem Balkon, sicher vor anderen Katzen, Hunden und bösen Menschen, die Katzen hassen. Nach und nach traute ich mich auch mal in die Küche, später ins Esszimmer, dann (ach soooo, meine Besitzer haben auch 3 Papageien, mit denen auch Bekannschaft gemacht habe), durfte ich auch in das Papageienzimmer, ganz, ganz vorsichtig.
 
 
Chico
 
Von nun an wurde ich immer von den DREIEN akzeptiert und durfte mich auch längere Zeit dort aufhalten. Auch wurde ich von Coco, einem Graupapagei, immer herzlich mit den Worten: „Hallo, Pumuckel" oder „Pumuckel, komm" begrüßt. Später sang Coco mir auch das Lied „Hurra, hurra, der Kobold mit dem roten Haar, hurra, hurra, der Pumuckel ist da" vor. Der andere Graupapagei, Cocoline, pfeift und macht Geräusche nach. Chico, die Molukkenkakadudame, ist sehr zahm und sehr verschmust, so wie ich. Ja, schmusen, streicheln, auf den Arm nehmen, menschlichen Kontakt war ich nie gewöhnt. Ich hatte immer vor fremden Menschen Angst, ging ihnen aus dem Weg.
 
In der Nähe wohnte ein Katzenhasser, der, ich war wieder auf Tour, auf mich dreimal dem Luftgewehr geschossen hat. Die Kugeln trafen mich auf dem Rücken, Schweifansatz und am Vorderfuß. Die 3 Kugeln saßen direkt unter dem Fell. Man konnte keine Wunden erkennen. Ich lief nach Hause und legte mich zitternd in meinen Korb. Frauchen vermutete, ich hätte wieder ein Erlebnis mit einem Hund gehabt. Nach viel Zuwendung und Streicheleinheiten schlief ich fest ein. Am nächsten Tag hatte ich das Erlebnis fast vergessen.
 
Eines Tages kam ein graugetigerter, kräftiger, unkastrierter Kater. Er sah fürchterlich aus. Der ganze Hals war blutig. Es sah so aus, als hätte man ihn strangulieren wollen. Da er überhaupt nicht zahm war, konnten meine Pfleger ihm nur über das Futter die entsprechenden Medikamente geben. Er war bald wieder gesund, und er kam fortan jeden Tag. Er bekam den Namen „Dickerchen". Er wurde von mir akzeptiert. Wir hatten genug Platz, um uns aus dem Weg zu gehen. Leider wurde er nach einigen Jahren schwer krank und musste vor 4 Jahren, am 1. Mai, eingeschläfert werden.
 
Ja, auch ich wurde älter. Meine Rundgänge beschränkten sich nur noch auf den Garten. Dann zogen wir vor ca. 1, 5 Jahren um. Ein neues Zuhause? Neue Umgebung? Was wird mich da erwarten? Die ersten 6 Wochen, ihr kennt das ja, musste ich in der Wohnung bleiben. Katzenklo, was ist das? Kannte ich ja nicht, nahm es aber an. Dann endlich raus. Alles war fremd. Trotz meines Alters wollte ich es wissen. Oh, ich war ja nicht alleine. Da waren ja auch Katzen, natürlich viel, viel jünger als ich. Sie beobachteten mich nur, ließen mich eigentlich in Ruhe. Nur ab und zu kam mir mal einer zu nahe. Ich habe mich auch  dementsprechend gewehrt. Nachdem ich in den ersten Wochen alles erkundet hatte, war ich zufrieden und blieb wieder mehr in der Wohnung.
 
Am 30.10.2002 wurde ich ernsthaft krank, habe gebrochen, stark gezittert und mich in den Keller verkrochen. Ich wurde sofort zur TÄ gefahren, die von mir eine Röntgenaufnahme machte und mir Blut abnahm. Auf der Röntgenaufnahme sah man nun ganz deutlich die 3 Luftgewehrkugeln, und meine beiden Lieben erinnerten sich an den Tag, wo es mir so schlecht ging. Weiterhin stellte man im Magen zwei kleine Zysten fest. Ich bekam eine Aufbauspritze, und ab da ging es mir wieder gut. Dann kam der Sommer, viel zu heiß für einen alten Herrn wie mich. Ich wollte tagsüber nicht mehr raus, nur am späten Abend  vielleicht mal für eine Stunde.
 
Auch in meinem neuen Zuhause hatte ich wieder ein Erlebnis mit einem bösen Hund, der mich fast erwischt hat, doch mein Frauchen war Gott sei Dank in der Nähe. Glück gehabt. Nach diesem Ereignis ging ich nur mit meinen Lieben nach draußen. Dann zog auch noch direkt neben uns eine Frau mit einem „Kater Fitz” ein. 3 Jahre alt, groß und stark. Ihm musste ich erst einmal beibringen, dass die Terrasse und der Garten mir gehören.
 
Da ich nicht mehr jung war, mein Alter schätzte man zwischen 18-20 Jahre, ging ich den meisten Kämpfen aus dem Weg und zog mich in mein Heim zurück. Anfang des Jahres fing ich an, viel Wasser zu trinken und viel zu essen. Ich maulte herum, weil ich wieder Hunger und Durst hatte. TÄ meinte Bandwurm. Ich bekam eine Wurmkur. Hat nichts geholfen. Ich trank und fraß weiter. Ich nahm langsam ab. Schlief fast nur noch.
 
Am 1.3. 04 war ich so schlapp und müde. Man brachte mich sofort zur TÄ. Diagnose: Nierenversagen?! Röntgenaufnahmen ergaben eine vergrößerte Niere. Meine Lieben bestanden auf einem großen Blutbild. Man gab mir noch eine Aufbauspritze. Mit nicht viel Hoffnung fuhren wir wieder nach Hause. Meine beiden Lieben waren fix und fertig. Die ganze Nacht haben sie nicht geschlafen und nur geweint. Am nächsten Morgen rief die TÄ an und sagte, das Blutbild sähe gar nicht so schlecht aus, die Nierenwerte wären erhöht, aber nicht bedrohlich. Ergebnis: Ich hatte DIABETES.
 
Von nun an bekam ich Insulin, zweimal am Tag. Da die Werte nicht runtergingen, wurde ich zu einer Spezialistin für innere Medizin geschickt. Dort bekam ich eine Ultraschalluntersuchung: Bauchspeicheldrüse, Magen, Bauchraum/Darm und ein Herzecho. Ergebnis: kleiner Herzklappenfehler, etwas vergrößerte Bauchspeicheldrüse, 2 kleine Zysten im Magen und eine vergrößerte Niere. Wieder wurde mir Blut und Urin abgenommen. Meine Lieben hatten nicht damit gerechnet, mich wieder lebend mit nach Hause zu nehmen. Behandlung: neue, kleinere Insulinmenge, HOMETESTING. Ich habe das auch alles ganz brav mitgemacht.
 
Dann ging es mir wieder ganz dreckig. Ich baute immer mehr ab. Ich konnte kaum noch die Treppe hoch. Legte mich zum Fressen und Trinken hin. Ich hatte einfach keine Kraft mehr. Auch bekam ich ein größeres Katzenklo (1000 x 700 mm), damit ich besser mein Geschäft erledigen konnte. Alles haben meine beiden Lieben für mich getan, damit es mir einigermaßen gut ging. Ich wurde gehegt und gepflegt. Es ging mit mir so langsam bergab. Man fuhr mit mir wieder zur TÄ. Wieder wurde mir Blut und Urin abgenommen. Nun stellte man einen schweren Infekt fest. Behandlung: 10 Tage Antibiotika. Es ging mir nach der 3. AB-Spritze wieder etwas besser. Hatte auch nicht mehr abgenommen. Es war ein AUFLEBEN. Dann ging es mir wieder schlecht und meine Lieben waren verzweifelt. War alle Mühe umsonst?! Sie waren die letzten 3 Monate nicht mehr aus dem Haus gegangen, hatten alle Verabredungen abgesagt. Sie waren sehr, sehr traurig. Sie nahmen mich auf den Arm und trugen mich durch das Haus und wenn es schön war, in den Garten. Aber ich wollte mich nicht mehr draußen aufhalten. Ich wollte wieder in die Diele und Küche, wo mein Korb stand. Ich wollte einfach nur noch schlafen. Wenn Frauchen mich wieder pflegte und ich sie mit meinen großen Augen ansah, sah ich, wie traurig sie war. Auch meinem Herrchen, der mich ja die ganze Zeit liebevoll mit Insulin und Medikamenten versorgt hatte, sah man die Traurigkeit an.
 
Schon vor einigen Wochen stöberte mein Frauchen im Internet und suchte nach Informationen über KATZEN-DIABETES und Folgekrankheiten.  Sie fand die HP von HELGA und informierte sie über meinen Zustand. Meine Lieben bekamen Antwort. Seitdem blieben sie mit Helga in Verbindung.
 
Dann kam der Tag. Frauchen  war mit einer Bekannten fortgefahren. Als sie wiederkam, wollte sie mit mit Herrchen Blut abnehmen. Doch ich wollte nicht mehr, es war mir sehr komisch. Ich konnte nicht mehr schnurren, ich bekam keine Luft mehr (ich hatte das in der letzten Zeit öfters, aber nicht so stark). Mein Fell und mein Schweif sträubten sich. Ich erbrach Wasser und ließ Urin, lief in die nächste Ecke und brach zusammen. Man rief sofort den TA an, sie konnten mit mir sofort kommen. Ja, das war meine letzte Fahrt. Ich habe sie auch nicht mehr so ganz mitbekommen, da ich einen Schock hatte. Meine  Lunge war voll Wasser. Das Herz hat die viele Flüssigkeit nicht mehr geschafft. Damit ich nicht mehr leiden musste, gab mir der TA zuerste eine Vollnarkose, und dann kam die Euthanasie. Ich bin friedlich und ohne Schmerzen eingeschlafen.
 
Für meine Lieben war es sehr, sehr schmerzhaft. Man kann es nicht beschreiben.
 
Sie nahmen mich mit nach Hause, drückten und streichelten mich noch einmal und legten mich mit meiner geliebten Decke und meinem Spielzeug in einen großen Karton.
 
Meine beiden geliebten Menschen haben mich am gleichen Tag an meinem früheren Lieblingsplatz, in einer ruhigen und schattigen Ecke in unmittelbarer Nähe meines Geburtsortes- dem Pferdestall- beerdigt.
 
Ich habe nach einem langen, sehr glücklichen Leben meinen Frieden gefunden.
 
Und wenn ich heute aus dem Katzenhimmel herunterschaue auf meine Lieben und mein früheres Heim, dann wünsche ich mir schon, es könnte jemand die Zeit wieder zurückdrehen, und wir wären wieder alle zusammen.
 
 
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Auf der nächsten Seite kannst du etwas von Chico, der Molukkenkakadu-Dame lesen.