Tiergeschichten - Überblick

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HPKatzendiabetes


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Unerfüllte Wünsche
 
„Mit Peerd ant See up Nördernee”
 
 
In meinem Alter stellt man schon mal Betrachtungen über sein Leben an. Was würdest du anders machen, wenn du dein Leben noch einmal von vorne beginnen könntest?
 
Nicht viel!
Ich würde den gleichen Mann wieder heiraten.
Ich würde wieder Grundschullehrerin werden wollen.
Ich würde gerne wieder auf Norderney wohnen.
 
Das ist schon eine ganze Menge, nicht wahr? Gar keine Veränderungen? Doch! Ich würde reiten lernen.
 
 
Ich bin in der Nachkriegszeit groß geworden und habe eine wunderschöne Kindheit gehabt. Ich hatte viele Freunde und Freundinnen, wir haben viel draußen gespielt, ich hatte viel mit Tieren Kontakt. Merkwürdigerweise waren nur wenige Pferde dabei.
 
Da war einmal das kleine Pferd des Milchmanns, der täglich mit seinem Wagen die Straße entlangkam und mit seiner Glocke bimmelte. Geduldig zog es den Wagen tagaus, tagein, ließ sich von uns Kindern streicheln und bekam altes Brot.
 
Zwei schwere Kaltblutpferde zogen einen Brauereiwagen durch die Straßen. Zwei schwarze Pferde brachten den Leichenwagen zum Friedhof. Alle diese  Pferde hatten eine nützliche Aufgabe, Reiten war Luxus, den sich nur wenige leisten konnten.
 
Ich war befreundet mit dem Sohn eines Bauern, der unmittelbar in unserer Nachbarschaft einen Hof hatte. Auch dieser Bauer besaß zwei Pferde, zwei brave Ackergäule, die den Pflug zogen und den Heuwagen zur Scheune zogen. Auch hier war von Reiten war nie die Rede, es schien einer privilegierten Schicht vorbehalten zu sein. Von meinen Freunden und Freundinnen ritt keiner.
 
Ich beneide manchmal die Kinder aus meiner jetzigen Klasse. Welche Möglichkeiten haben sie heutzutage, reiten zu lernen, vor allem hier bei uns auf der Insel! Wunderschöne Anlagen sind in den letzten Jahren gebaut worden und werden eifrig genutzt. Ungefähr die Hälfte meiner 22 Kinder lernt reiten, mehr Mädchen als Jungen. Einige besitzen sogar ein eigenes Pferd.
 
Beinahe hätte auch ich reiten gelernt, leider nur beinahe! 1964 trat ich auf der Insel meinen Schuldienst an. Eine meiner jüngeren Kolleginnen war passionierte Reiterin. Sie wollte mich in den Kreis der Norderneyer Reiter einführen, ein lustiges Völkchen, das sich damals nach dem Ausritt im „Pferdestall” in der Strandstraße bei einem Glas Bier traf. So weit bin ich auch gekommen, dabei ist es leider geblieben.
 
 
Zur nächsten Reitstunde wollte ich mit. Ich hatte durchgerechnet, dass ich das finanziell wohl schaffen würde. Das Lehreranfangsgehalt war nicht gerade üppig, die Mieten schon damals hoch auf der Insel, viele Anschaffungen standen ins Haus. Aber ich meinte, es schaffen zu können und freute mich auf die erste Reitstunde.
 
Doch dann kam alles anders. Ein schrecklicher Reitunfall ereignete sich am Strand, wie er wohl nur ganz selten vorkommt. Mir ist wenigstens kein vergleichbarer Fall bekannt.
 
In einer kleinen Gruppe Reiter, die am Flutsaum entlangritt, scheute das Pferd einer jungen Frau. Sie stürzte vom Pferd, genau auf eine Buhne (für Nichtinsulaner: das sind Strandbefestigungen aus Blaubasalt, die ins Wasser ragen). Die Frau hatte schwerste innere Verletzungen an der Niere, an der Milz und am Dünndarm und wurde mit einem Hubschrauber in eine Spezialklinik geflogen. Ich weiß nicht einmal, ob sie diesen Unfall überlebt hat.
 
Für mich hatte er gravierende Folgen: Mein Mut war plötzlich wie weggeblasen. Ich traute mir einfach das Reiten nicht zu und versäumte den neuen Reitlehrgang. Kurz darauf verließ auch noch die Kollegin, die so gerne ritt, die Insel, und ich hatte keinen, der mich aus meiner Lethargie herausriss.
 
Dabei ist gerade Reiten auf einer Insel wie Norderney wunderschön. Wir wohnen im Nationalpark Wattenmer, somit sind Wander- und Reitwege festgelegt.
 
Wir haben herrliche Wege zum Laufen und Radfahren auf der Insel, aber noch schöner finde ich die Reitwege. Sie führen kreuz und quer durch die Dünen, durch rote Pfähle gekennzeichnet, sind natürlich nicht gepflastert und somit urtümlicher. Wenn ich eine Gruppe Reiter am Strand reiten sehe, gemächlich oder in vollem Galopp, wird die alte Sehnsucht wieder wach.
 
 
 
Aber ich werde meine alten Knochen schonen und mich mit dem wunderschönen Anblick zufrieden geben. Viele Reit- und Springturniere werden auf der Insel durchgeführt, dazu die Jagd hinter der Cappenberger Meute im Herbst. Es ist jedes Jahr ein neues Erlebnis!
 
 
 
Mein Wunschpferd wäre ein Haflinger. Ich kenne diese Pferde vom Festland. In der Nähe des Wohnwagens ist eine Weide mit mehreren dieser wunderschönen Tiere.
 
 
 
 
 
       
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