FAQ 6.Teil
Somogyi-Effekt
1. Meine diabetische Katze soll einen Somogyi-Effekt haben. Was ist das?
Der
Somogyi-Effekt ist eine natürliche Reaktion des Körpers, sich vor einer Unterzuckerung zu schützen. Wenn zuviel Insulin im Blut ist und die Blutzuckerwerte dadurch
zu tief oder zu schnell fallen, schüttet die Bauchspeicheldrüse den Gegenspieler des Insulins, das Glukagon, aus. Glukagon veranlasst die Leber, schnell gespeicherte Glukose (Glykogen) in den Körper auszuschütten. Dadurch steigen die Blutzuckerwerte an.
2. Gibt es noch andere Ausdrücke für den Somogyi-Effekt?
Ja, Somogyi-Overswing und Somogyi-Rebound, kurz nur Rebound oder Gegenregulation.
3. Ist der Somogyi-Effekt eine Krankheit?
Nein, eine Krankheit ist das nicht, nur eine Art Gegenregulation des Körpers, ein Schutzmechanismus, sich vor Unterzucker zu schützen. Er sollte aber nicht überstrapaziert werden, denn die Glukosereserven der Leber (Glykogen) sind nicht unbegrenzt.
4. Wodurch entsteht ein Somogyi-Effekt?
Ein Somogyi-Effekt entsteht durch zuviel Insulin. Die Werte fallen zu tief oder zu schnell oder beides.
5. Wie erkenne ich, dass es der Somogyi-Effekt ist?
Du spritzt deiner Katze Insulin, und die diabetischen Symptome wie häufiges Trinken und Urinieren werden nicht besser. Der TA misst hohe Werte, du selber auch, wenn du schon Hometesting machst.
Wenn nun der Fehler gemacht wird, wegen der hohen Blutzuckerwerte noch mehr Insulin zu geben, reagiert der Körper weiter mit dem Somogyi-Effekt. Die Blutzuckerwerte steigen noch weiter an.
Auf die Dauer führt das bei einigen Katzen zu astronomisch hohen Blutzuckerwerten, die manchmal vom TA mit sehr hohen Dosierungen des Insulins behandelt werden. Dadurch gerät deine Katze auf einen chronischen Rebound (Somogyi-Effekt). Es kann sein, dass du mit deinem Glukometer nur noch Werte über 500 mg/dl und mehr misst. Die Tiere fühlen sich in der Regel schlecht.
Wenn das Insulin reduziert wird, werden die Blutzuckerwerte besser. Lies dazu auch Nr. 16.
6. Ist der Somogyi-Effekt gefährlich?
Er ist eher lästig, weil die hohen Blutzuckerwerte bewirken, dass deine Katze nicht richtig eingestellt ist und sich deshalb nicht gut fühlt. Ständig zu hohe Zuckerwerte sind auch nicht ungefährlich, Überzuckerungsgefahr!
Gefährlich wird es jedoch, wenn der Somogyi-Effekt versagt. Die natürliche Gegenreaktion bleibt aus, und deine Katze reagiert auf das Zuviel an Insulin mit einer
Unterzuckerung (Hypo).
7. Kann man sich auf den Somogyi-Effekt verlassen?
Leider nein, eine Katze kann sehr oft mit einem Somogyi-Effekt reagiert haben und bekommt dann eines Tages stattdessen eine Unterzuckerung, weil die Glykogenvorräte der Leber erschöpft sind. Eine Hypo kann tödlich enden.
8. Was kann ich tun, um den Somogyi-Effekt zu verhindern?
a) Du musst darauf achten, dass die Startdosis Insulin nicht zu hoch gewählt wird. Es empfiehlt sich, zu Beginn der Behandlung niedrig zu starten. Lies dazu bitte:
b) Weiterhin sollte die Dosis nicht zu schnell erhöht werden. Der Körper braucht mehrere Tage, um sich an die Dosis zu gewöhnen.
c) Du solltest umgehend mit dem
Hometesting anfangen, dann kannst du anhand der Werte einen Somogyi-Effekt leichter erkennen.
9. Kann der Somogyi-Effekt mehrfach auftreten?
Ja, er kann sehr häufig auftreten. Manche Katzen neigen dazu.
10. Ich habe gelesen, dass Katzen selten einen Somogyi-Effekt haben. Stimmt das?
Nein, das stimmt nicht. Nach unseren Erfahrungen haben Katzen recht häufig einen Somogyi-Effekt, sogar bei geringen Dosierungen. Durch Hometesting merkt man das recht deutlich.
Ein TA kann den Somogyi-Effekt nicht messen, sondern auch nur vermuten. Wenn du jedoch Werte vom Hometesting mitbringst, kann er ihn besser diagnostizieren.
9. Ich soll bei meiner frisch diagnostizierten Katze mit einer hohen Anfangsdosis starten. Kann dadurch der Somogyi-Effekt ausgelöst werden?
Ja, das ist sogar sehr wahrscheinlich. Lies auch die Antwort bei Nr.8
Bei hohen Startdosierungen kannst du von Glück sprechen, wenn deine Katze auf zuviel Insulin mit einem Somogyi-Effekt reagiert. Denn die Alternative wäre eine Unterzuckerung.
10. Ich mache kein Hometesting, woran merke ich, dass meine Katze einen Somogyi-Effekt hat?
Das ist ohne Hometesting schwer zu bemerken. Hohe Blutzuckerwerte können nämlich auch andere Ursachen haben, z. B. zu wenig Insulin oder eine Infektion.
11. Kann man denn durch Hometesting einen Somogyi-Effekt verhindern?
Verhindern kann man ihn nicht, aber anhand der gemessenen Werte besser erkennen. Ab besten eignet sich dafür eine Tageskurve (Tagesprofil). Dabei wird im Abstand von 2 Stunden oder auch mehr der Blutzucker gemessen.
12. Kann der Somogyi-Effekt auch dadurch ausgelöst werden, weil die Insulindosis zu schnell erhöht wurde?
Ja, das ist möglich, lies dazu die Antwort bei Nr. 8
13. Der Tierarzt sagt, meine Katze hätte keinen Somogyi-Effekt, sondern sei insulinresistent. Hat er Recht?
Echte Insulinresistenz ist bei Katzen sehr selten. Oft bekommen diese Katzen eigentlich nur zuviel Insulin und sind auf einem chronischen Rebound (Somogyi-Effekt). Es gibt jedoch echte Insulinresistenzen, lies dazu bitte die
HP!
14. Wie schnell dürfen die Blutzuckerwerte denn fallen?
Das ist von Katze zu Katze ganz verschieden, jedes Tier reagiert da anders. Grundsätzlich ist ein langsames Fallen der Blutzuckerwerte für jedes Tier angenehmer, und es reagiert auch nicht so leicht mit dem Somogyi-Effekt. Mein Clyde reguliert gegen, wenn die Werte mehr als 50 Punkte pro Stunde fallen. Ich habe deshalb auch ein langsam wirkendes Insulin (
Hypurin PZI).
15. Wie sehen denn Somogyi-Blutzuckerkurven aus?
Die Werte sind ziemlich hoch, manchmal siehst du einen steilen Abfall, dem ein ebenso steiler Anstieg folgt.
Oft ist dieser jähe Abfall aber so kurz, dass du ihn gar nicht beim Messen bemerkst. Wohl aber der Körper, ihm wird eine Unterzuckerung signalisiert, und er reagiert mit Somogyi-Werten.
In diesem Fall erhältst du eine flache Kurve mit hohen Werten.
16. Wie wird ein Somogyi-Effekt behandelt?
Ganz einfach, das Insulin wird reduziert. Bei vorher gewaltigen Insulinmengen muss zum Teil drastisch reduziert werden, sonst auf ungefähr die Hälfte. Das solltest du aber mit deinem TA besprechen, denn zu wenig Insulin kann auch Folgen haben: Ketone und hohe Blutzuckerwerte.
17. Wie lange dauert es, bis der Somogyi-Effekt wieder weg ist?
Das kann einige Tage in Anspruch nehmen, bis zu 72 Stunden, in Einzelfällen sogar noch länger. Der Körper muss die Insulin-Antagonisten (Hormone, die das Insulin ausbremsen) erst einmal abbauen.
18. Darf ich einfach das Insulin reduzieren?
Das solltest du mit deinem TA absprechen, denn du solltest schon sicher sein, zuviel Insulin zu geben.
Wie gesagt, die hohen Werte können auch durch eine Infektion oder durch zu wenig Insulin begründet sein, dann würde noch weniger Insulin nur schaden. Ketongefahr!
19. Mir wurde ein absoluter Neustart empfohlen mit 1 IE Insulin zweimal täglich. Ist das wirklich gut?
Wenn du vorher sehr hohe Dosierungen Insulin gespritzt hast, ist es oft die einzige Möglichkeit, die Lage unter Kontrolle zu bringen.
Du solltest aber unbedingt in diesem Fall Hometesting machen, um die Blutzuckerwerte kontrollieren zu können.
Wenn sie nach der Reduzierung des Insulins deutlich runtergehen, kannst du sicher sein, dass deine Katze einen Somogyi-Effekt hatte.
Bei einem absoluten Neustart ist es
sehr wichtig, täglich den Urin auf
Ketone zu untersuchen.
1 IE kann auch deutlich zu wenig sein und beim ersten Anzeichen von Ketonen muss dann das Insulin erhöht werden.
20. Muss ich auch das Insulin wechseln?
Auch das ist in Einzelfällen empfehlenswert. Frage bitte dazu im
Forum, wir haben mit vielen Insulinen Erfahrung.
Gute Erfahrungen liegen mit den Langzeitinsulinen vor: PZI, Lantus und Levemir, dafür haben wir auch etliche Unterforen. Oft gehen die Ketone unter einem Langzeitinsulin eher wieder weg.
21. Was bedeutet das Wort Somogyi?
Somogyi ist der Nachname des Mannes, der diese Gegenregulation des Körpers auf zuviel Insulin entdeckt hat. Doktor Michael Somogyi hat das allerdings bei Menschen nachgewiesen, nicht bei Katzen.
Alle Informationen beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen und geben meine persönliche Meinung wieder. Ich bin kein Tierarzt und übernehme keinerlei Haftung. Bitte sprecht die Therapie der Katze mit eurem Tierarzt ab. Jedes Kopieren, Einspeichern in automatisierte Dateien und Weiterverwenden der Texte und Bilder ist nur mit meiner Erlaubnis zulässig. Zuwiderhandlungen werden verfolgt. Helga Schoolmann