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Tight Regulation - was ist das?
 
 
 
Tight Regulation, FAQ aus dem FDMB, übersetzt von Conny/Lieschen
 
 
(englische Originalfassung, ältere Version)
 
 
ersetzt durch neuere Version, noch nicht übersetzt
 
 
Frage 1: Was ist "Tight Regulation"?
 
"Tight Regulation" (TR) bezieht sich auf jede mögliche Technik für die Behandlung von Katzendiabetes, die darauf abzielt, die Blutglukose der Katze innerhalb des nicht-diabetischen Niveaus (ungefähr 60-130 mg/dL oder 3.3 bis 7.2 mmol/mL) zu halten, und zwar dauernd. Das ist nicht einfach.
 
Dr. Hodgkins machte während ihres Studiums die Erfahrung, dass eine gesunde Katze nach dem Spritzen von Glukose temporären Diabetes entwickelt. Die Funktion der Bauchspeicheldrüse wird unterdrückt. Daraus leiten wir ab, dass hohe Glukosewerte bedingt durch anhaltenden Diabetes dauerhaft die pankreatischen Funktionen unterdrücken und so eine Endlos-Diabetesschleife entsteht. Das Primärziel von TR ist, der unterdrückten Pankreas der Katze Starthilfe zu geben und die toxisch hohen Glukosewerte zu senken, die die Pankreasfunktion unterdrücken. In anderen Worten: Ziel der TR ist die Remission.
 
Sogar in Fällen, in denen keine Remission erreicht wird, ist es langfristig gesünder für die Diabeteskatze, das Blutglucoseniveau dem einer gesunden Katze anzugleichen. Fast immer findet die Katze zu ihrem alten Wesen und ihrer Aktivität zurück. Oft sinkt auch der Insulinbedarf.
 
In manchen Fällen kann eine gute Einstellung bzw. eine Euglykämie nicht erreicht werden. In diesen Fällen nutzt man die TR-Methode des häufigen Testens, Futterüberwachung und/oder häufigen Insulingaben, um die bestmöglichen Ergebnisse für eine schwierig einzustellende Diabeteskatze zu erreichen.
 
Diese potenziell guten Ergebnisse sollten gegen die Gefahren und Risiken abgewogen werden.
 
Frage 2: Was sind die Gefahren und Risiken?
 
Zunächst wirst Du viel mehr Zeit (und vielleicht Geld) investieren, indem Du Glucose testest, die Nahrungsaufnahme streng überwachst, alles protokollierst und Kurven aufzeichnest und zusätzliche Insulingaben einplanst. Das alles ist sehr stressig und zeitaufwendig.
Riskant ist es, Insulin bei einem Blutglucoselevel zu geben, bei man eigentlich schon keines mehr geben und Insulingaben als gefährlich einstufen würde, inclusive der notwendigen Überwachung bezüglich Unterzuckerung.
 
Frage 3: Warum ist TR nicht die Standardmethode? Und sollte es nicht das Standardverfahren sein?
 
Es ist aus drei triftigen Gründen nicht das Standardverfahren, (und sollte es vermutlich auch nicht sein):
A) Verfügbarkeit eines Tierarztes oder Supervisors
 
Einige TR-Abläufe erfordern die häufige Hilfe eines Spezialisten. Das kann entweder Dein Tierarzt sein, ein anderer Helfer oder, wenn Du Dich schon lange genug mit Katzendiabetes beschäftigt hast, Du selbst. Es müssen im Umgang mit Risiken viele Entscheidungen für Deine Katze getroffen werden, oft mehrmals am Tag. Nur wenige Tierärzte sind bereit oder in der Lage, hier zu unterstützen.
 
B) Schwierige Standardisierung
 
Das Standardverfahren beginnt damit, dass man versucht, eine Insulindosis zu finden, die eine flache U-förmige Kurve der Blutglucose ergibt. Die "start low go slow"-Methode (mit niedrigen Dosierungen beginnen, langsam steigern) wird bei den meisten Katzen irgendwann zum gewünschten Ergebnis führen. Aber einige Prozesse im TR erfordern ein stetes Senken der Blutglucose unter Einbeziehung von Overlaps (Überlappungen) und zusätzlichen Insulingaben. Katzen reagieren hier völlig unterschiedlich. Einige regulieren gegen, was es schwierig macht, die Blutglucose überhaupt zu senken. Jede Katze reguliert unterschiedlich gegen. Einige Besitzer werden versuchen, die Blutglucosewerte unter die Schwelle zu bringen, ab der die Katze gegenreguliert und einige nicht. Die Resultate sind deshalb zwangsläufig unterschiedlich und weit entfernt von einer Standardisierung.
 
C) Sehr schwierig für Anfänger
 
Tight regulation funktioniert am besten, wenn man den normalen Weg der Einstellung  bereits beschritten hat. Es ist wesentlich einfacher, sich an TR zu versuchen, wenn Katze und Besitzer bereits Erfahrungen mit der normalen Einstellungsmethode gesammelt haben. TR ab dem Tag der Diagnose ist extrem schwierig, risikoreich und erfordert viel zu viel zusätzliche Beratung, um sofort damit erfolgreich zu sein. Ohne wenigstens das Wissen, mit wieviel Insulin Deine Katze auf normale Blutglucosewerte fällt ist es unmöglich, sich klarzumachen wie mit TR anzusetzen ist. Deswegen ist TR keine gute Wahl, um gleich nach der Diagnose damit zu beginnen.
Es gibt Fälle, in denen schon vor Jahren Diabeteskatzen erfolgreich mit Formen des TR eingestellt wurden - ohne jemals etwas anderes probiert zu haben. Einige Besitzer fügen an, dass es nicht zwangsläufig schwierig oder stressig sein muss.
 
Frage 4: Sollte ich TR versuchen?
 
Nun - viele von uns glauben, dass es nicht ratsam ist, wenn Du nicht wenigstens Weile das Standardverfahren versucht hast. TR kann anstrengend sein (für Dich und manchmal auch für Deine Katze), und setzt als Minimum voraus, dass Du die individuelle Reaktion Deiner Katze auf Insulin und Futter kennst. Es funktioniert am besten unter häufiger persönlicher Beratung durch einen Tierarzt oder anderen Berater, der mit dem Verfahren vertraut ist. Leider gibt es von beidem zu wenig.
Doktor Hodgkins und andere in dieser Gruppe könnten anderer Meinung sein (s. Frage 5).
 
Auch Dein eigener Zeitplan kann dem Ausprobieren von TR im Wege stehen. Wenn Du zu Hause arbeitest oder die meiste Zeit zu Hause bist, bist Du gut geeignet, denn es ist bei TR manchmal notwendig, wirklich sehr oft die Blutglucose zu testen und Insulin nachzuspritzen.
 
Die allgemeinen Bedingungen, unter denen mit TR begonnen werden kann, sind wie folgt:
 
1) Die Ernährung der Katze muss auf eine kohlenhydratarme Diät umgestellt worden sein.
 
2) Es muss feststehen, welches Insulin für die Katze gut geeignet ist und der Besitzer muss herausgefunden haben, mit welcher Dosis die Katze üblicherweise bei Werten von 100 bis 200 bleibt.
 
3) Hometesting muss regelmäßig durchgeführt werden und alle möglichen Variationen von Blutglucosewerten sollten Dir bereits bekannt sein und auch, wie sie entstanden sein könnten.
 
4) Die Bereitschaft, weiter zu gehen und die Katze in Remission zu bringen, muss vorhanden sein. Es muss klar sein, dass der nächste Schritt schwierig, zeitraubend und risikoreicher als die normale Einstellung ist. Die Remission als Resultat ist außerdem nicht garantiert.
 
* Als nicht ganz idealer aber manchmal notwendiger Kompromiss kann mit TR begonnen werden , wenn Punkt 2) zwar nicht erfüllt, aber wenn die Katze ständig gegenreguliert (sehr hohe Blutglucosewerte als Reaktion auf sehr niedrige), und es nicht möglich ist, die Blutglucose irgendwie zu regulieren oder eine Dosis zu finden, bei der dies nicht auftritt. An der Stelle mit TR zu beginnen ist noch stressiger und verlangt Nerven aus Stahl, konstante Supervision und enorme Ausdauer.
 
Frage 5: Wer ist Dr. Hodgkins?
 
Dr. Elizabeth Hodgkins ist eine Tierärztin  in Yorba Linda, Kalifornien, Expertin für Katzendiabetes mit einem sehr spezifischen Verfahren zur Behandlung von Diabeteskatzen. Ihr Verfahren ist eine aggressive Form des TR und wird häufig in diesem Board diskutiert, aber nicht jeder wendet das Verfahren so an.
 
Nicht alle TR-Forum-Mitglieder sind Fans von Dr. H..
Ihre Methoden sind häufig erfolgreich aber umstritten, weil sie eine riskante Methode befürwortet, und behauptet, dass es mit ihrem Verfahren unmöglich (oder wenigstens unwahrscheinlich) ist, dass eine Katze in eine Unterzuckerung fällt. Wir kennen bis jetzt keine Studien, die dies untermauern und nicht alle glauben dieser Behauptung.
 
Eine andere umstrittene Aussage von Dr. Hodgkins ist, dass man TR sofort nach der Diagnose beginnen sollte. Dies mag für ihre eigenen Patienten, die unter ihrer ständigen Überwachung stehen, gut funktionieren, aber viele von uns, sogar die, die ihre Methoden befürworten, glauben nicht, dass es für den Rest von uns ratsam ist (vgl. Frage 3).
 
Viele Mitglieder der TR-Gruppe stehen direkt unter der Supervision von Dr. Hodgkins und einige berichten von spektakulären Ergebnissen. Dr. Hodgkins liest und postet von Zeit zu Zeit und ihre Ratschläge sind uns immer willkommen.
 
Frage 6: Okay, ich bin dabei. Ich möchte versuchen, meine Katze in Remission zu bringen. Wie fange ich an?
 
Wenn Du die Bedingungen in Frage 4 erfüllt hast, beginne bitte, indem Du Dich versicherst, dass Du so viel wie möglich über die Reaktion Deiner Katze auf Insulin weißt. Du musst wissen, mit welcher Dosis sie zu guten Blutglucosewerten kommt und wie lange die Werte gut bleiben. Wenn Du durch experimentieren exakt sagen kannst, wieviel Insulin den Blutglucosewert um einen bestimmten Anteil (z. B. 100 mg/mL) senkt, bist Du auf dem halben Weg. Wenn Du weißt, wann genau das Insulin anfängt zu wirken und wie lange es wirkt, hilft dies ebenfalls enorm weiter.
 
Viele Leute verwenden diese Daten, um eine Art "Gleitskala" zu entwickeln und richten die Insulindosis nach dem aktuell gemessenen Blutzuckerwert. Es gibt keine Standardtabelle, Du musst herausfinden, was am besten für DEINE KATZE funktioniert. Es gibt keine Fertiglösung und keine Zauberdosierung. Du musst für Deine Katze selbst zum Experten werden und herausfinden, was gut für sie ist.
 
Die nächsten Schritte:
 
Stelle fest, in welchen Zeitabständen Du Insulin geben musst, um den Blutglucosewert Deiner Katze die meiste Zeit des Tages auf normalen (physiologischen) Werten zu halten.
 
Überlege, ob die Leber Deiner Katze eventuell eine Gegenregulation auslösen wird und was Du dann tun wirst.
 
Stelle Deine Ergebnisse hier ein, damit wir uns gegenseitig unterstützen können.
 
Wenn Du die aggressive Methode von Dr. Hodgkins unter ihrer Supervision versuchen möchtest, versuche folgendes:
Wechsle zu einem PZI Rinder- oder Rind/Schweine-Insulin und stelle die Katze darauf ein.
 
Sammle genug Daten, um die Wirkung des Insulins auf die Blutglucose Deiner Katze zu dokumentieren.
 
Schreibe an Dr. Hodgkins über felinediabetes@aol.com, schicke ihr Deine Daten und frage sie, ob sie bereit ist, Dir Dosierungsvorschläge für Deine Katze zu geben.
 
Frage 7: Ich habe einige Ratschläge von Dr. Hodgkins erhalten und möchte sie gerne umsetzen, aber mir ist so einiges unklar. Kann mir jemand ihre Aussagen nochmals erläutern?
 
Hier sind sie. Nicht jeder in diesem Forum  glaubt an sie:
Dr. Hodgkins' Aussagen:
 
Aussage 1) Eine Katze, die angemessen kohlehydratarm ernährt wird, wird nicht unterzuckern oder ins Koma fallen. Sie wird auch mit niedrigem Blutglucosespiegel nur geringe Symptome zeigen oder aber gegenregulieren (Achtung, dies ist eine gefährliche Aussage, es gibt Gegenbeispiele und wir empfehlen Vorsicht in allen Fällen.)
 
Aussage 2) Eine Gegenregulation sollte mit MEHR PZI (Rind oder Rind/Schwein) Insulin behandelt werden, um das Blutglucoseniveau auf Normalwerte zurück zu zwingen.
 
Dr. Hodgkins' Richtlinien:
 
Nur kohlehydratarmes oder rohes Futter verfüttern, um die Leber gesund zu erhalten und so Gegenregulation zu ermöglichen.
PZI Rinderinsulin ist zu bevorzugen, aufgrund der Wirkdauer und der Ähnlichkeit zu felinem Insulin. Andere Insuline funktionieren vielleicht auch, hier fehlen jedoch Erfahrungswerte.
Verwende so viel Insulin wie nötig, um die Blutglucosewerte auf nicht-diabetisches Niveau (60 - 130) zu bringen (wird auch euglykämischer Bereich genannt). Finde den Nadir und spritze ab einem bestimmten Punkt Insulin nach, wenn die Blutglucose wieder ansteigt.
 
Abhängig von Deiner eigenen Verfügbarkeit, spritze Insulin zweimal am Tag wie üblich, aber mit gelegentlichen Zwischengaben (s. oben), um die Blutglucose 24 Stunden im euglykämischen Bereich zu halten. Drei- oder viermalige Gaben von Insulin sind hierbei nicht unüblich.
 
Steigt die Blutglucose aus irgendeinem Grund an, einschließlich Somogyi-Effekt (Gegenregulation), gib mehr Insulin um dagegen anzugehen. Verwende eine "Gleitskala" um zu bestimmen, wieviel Insulin bei welchem Blutglucosewert gegeben werden muss. Die Skala ist abhängig von der jeweils individuellen Reaktion jeder Katze und muss eventuell später angepasst werden.
 
Frage 8: Oje, das hört sich an, als könnte ich Tag und Nacht nachspritzen, vor allem weil meine Katze oft gegenreguliert.
 
Ja, gemäß den Ratschlägen von Dr. Hodgkins kann das der Fall sein. Andere bevorzugen jedoch, die Gegenregulation einfach vorübergehen zu lassen und danach mit der Einstellung weiterzumachen. In jedem Fall ist die Methode von Dr. Hodgkins harte Arbeit, aber man muss es ja nicht machen.
 
 
Frage 9: Das klingt alles wahnsinnig anstrengend. Gibt es Alternativen?
 
TR ist in jeder Form schwierig und sicher nicht jedermanns Sache. Die Gruppe hier besteht nicht darauf, dass die TR-Methode die Lösung für alle Probleme ist. Wenn Du nicht täglich zu Hause bist (und die meisten Leute sind es nicht), dann kannst Du die Methode wahrscheinlich nicht durchführen. Nicht jede Katze muss außerdem zwingend auf physiologische Werte eingestellt werden, nicht jede Katze will es und - es geht auch nicht bei jeder Katze.
 
Du kannst Dich auch stufenweise zu einer TR-ähnlichen Einstellung hinarbeiten. Eine Variante zwischen Standardeinstellung und TR kann zum Beispiel auch die Verringerung von Kohlehydraten im Futter sein, die leichte Verringerung der Abstände zwischen den Insulingaben, die Erhöhung der Dosis oder die Wahl eines anderen Insulins mit längerer Wirkdauer.
 
 
 
 
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Ich werde oft gefragt, was ich von TR halte, von einer Einstellung auf physiologische Werte unter Fremdinsulin.
 
Meine ganz klare Antwort dazu ist: Ich finde es zu riskant, ich habe es nie durchgeführt und werde es auch nie tun.
 
Clyde bekommt seit langem Hypurin PZI, auch nicht gerade wenig, aber er hat damit keine Werte unter 100 mg/dl, sondern bewegt sich ganz konstant zwischen etwa höchstens  150 mg/dl und 80 mg/dl. Ich habe  lange mit dem PZI herumprobiert, bis ich diese Werte hatte. Ein Risiko bin ich nie eingegangen.
 
Mit diesen Werten  gebe ich mich zufrieden, denn Clyde ist damit in einer sicheren Zone, hatte noch nie Unterzuckerungsanzeichen,  kann sein Leben als Freigänger genießen, und auch ich kann mich ruhig zurücklehnen, ohne ständig seine vielleicht zu niedrigen Werte im Hinterkopf zu haben. Er hat nun über 6 Jahre Diabetes, hat keinerlei Folgeerkrankungen, sein Blutbild ist beispielhaft, Leber- und Nierenwerte sind in der Norm, was  will ich mehr?
 
Hier kannst du seine BZ-Werte sehen, die Dosierung wurde bewusst weggelassen, um ein Nachahmen zu vermeiden.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Alle Informationen beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen und geben meine persönliche Meinung wieder. Ich bin kein Tierarzt und übernehme keinerlei Haftung . Bitte sprecht die Therapie der Katze mit eurem Tierarzt ab. Jedes Kopieren, Einspeichern in automatisierte Dateien und Weiterverwenden der Texte und Bilder ist nur mit meiner Erlaubnis zulässig. Zuwiderhandlungen werden verfolgt. Helga Schoolmann