FAQ 9. Teil
Beim Tierarzt
1. Meine Katze wurde gerade mit Diabetes diagnostiziert. Mein TA will den Diabetes nur über das Futter regulieren. Ist das möglich?
Wenn die Werte noch nicht allzu hoch sind, ist es durchaus möglich, dass deine Katze einen vorübergehenden Diabetes hat, der sich über geeignetes
Futter (Diätfutter, normales Futter mit nicht zu viel Kohlenhydraten) regeln lässt. Die Zuckerwerte und auch der Fructosaminwert werden sich dann schnell bessern. Nur ist der Diabetes damit nicht weg, er bleibt zeitlebens latent vorhanden und muss immer wieder kontrolliert werden.
Du kannst deinen TA mit
Hometesting dabei sehr gut unterstützen. Bei Werten, die ständig über 200 mg/dl liegen, würde ich mit einer Insulinbehandlung beginnen, mit ganz vorsichtiger Startdosierung.
Ich würde dir auch empfehlen, unbedingt regelmäßig auf Ketone zu messen. Sie sind ein ernstes Warnsignal, wenn zu wenig Insulin vorhanden ist.
Dein TA sollte auch nach der
Ursache der leicht erhöhten Zuckerwerte suchen. Insulin allein hilft nicht immer. Kranke Zähne z.B. oder Infekte heilen nicht durch Insulin, dann müssen andere Behandlungen erfolgen.
2. Mein TA sagt, der Diabetes käme daher, dass mein Tier zu dick sei. Kann das sein?
Ja, das kann eine Ursache sein. Wie auch Menschen neigen zu dicke Tiere dazu, an Diabetes zu erkranken. Gepaart ist es in der Regel mit Bewegungsmangel. Eine Gewichtsreduzierung sollte unbedingt erfolgen. Dabei musst du aber beachten, dass Katzen nicht auf FdH gesetzt werden dürfen. Das könnte die Entstehung einer Fettleber begünstigen. Das Futter sollte auf höchstens 70 % der Futtermenge reduziert werden. So geht die Gewichtsreduktion langsam genug vor sich. Mehr als 1-2 % des Körpergewichtes sollte eine Katze pro Woche nicht verlieren.
3. Mein TA hat noch nie etwas von Hometesting gehört. Ist er deswegen ein schlechter TA?
Aber nein, viele TÄ kennen es noch nicht, weil es das in Deutschland noch nicht lange gibt. Aber ein
guter TA zeichnet sich dadurch aus, dass er neuen Sachen gegenüber aufgeschlossen ist und mitlernen will.
4. Mein TA hat mir nachdrücklich das Hometesting verboten. Er sagt, es tue der Katze weh und rege sie nur unnötig auf!
Er kann es dir nicht verbieten, denn es ist dein Tier, um dessen Wohlergehen du bemüht bist. Hometesting tut nicht weh und regt auch die Katze nicht auf. Sie gewöhnt sich schnell daran.
Du erhältst dadurch zuverlässige Werte, die deinem TA bei der Einstellung nur nützlich sein können. Wenn er das nicht einsieht, solltest du dir einen anderen TA suchen.
5. Ich soll die Diabetesbehandlung mit unheimlich viel Insulin beginnen. Ich habe unterdessen so viel von Unterzuckerung gelesen und gehört, dass mir das unheimlich ist. Muss ich diese hohe Dosierung geben?
Das solltest du unbedingt noch einmal mit deinem TA besprechen. Er entscheidet zwar über die Anfangsdosis, aber wenn diese zu hoch ist, kann das Leben deiner Katze in Gefahr geraten, vor allem, wenn du noch kein Hometesting machst.
Du als Tierhalter darfst, ja solltest gut informiert sein, und der Arzt sollte deine Bedenken Ernst nehmen. Wenn du das Gefühl hast, schlecht oder unzureichend beraten zu werden,
hole die Meinung eines anderen TA ein. Du kannst dazu auch bei uns im
Forum fragen.
6. Wie erkenne ich überhaupt, ob ich beim TA in guten Händen bin und ob mein TA etwas von Katzendiabetes versteht?
Die Beantwortung dieser Frage gebe ich an Martina und
Poose weiter. Wie sich einen für Katzendiabetes kompetenten TA vorstellt, schreibt sie
hier.
Du kannst auch über das
Forum an Adressen von kompetenten TÄ kommen.
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Mit Erlaubnis des Tierhalters möchte ich hier eine Geschichte reinsetzen, in der ein Kater, der höchstwahrscheinlich durch einen großen, vorübergehenden häuslichen Stress durch eine zweite Katze nur vorübergehend hohe Zuckerwerte hatte, als Diabetiker diagnostiziert und dann anschließend über einen langen Zeitraum falsch mit Insulin behandelt wurde.
Hallo Helga,
erstmal möchte ich Dir danken, denn Deine/Eure Seite hat wahrscheinlich unserem Kater ...... das Leben gerettet!
Die Geschichte dazu ist ziemlich kompliziert, ärgerlich und teilweise dramatisch.
Da sie zudem noch recht lang ist, schreibe ich sie als Mail und nicht direkt ins Forum. Du kannst natürlich gerne die Geschichte oder Teile davon ins Forum oder auf Deine Website übernehmen.
...... hatte bisher wirklich kein leichtes Leben. Wir haben ihn von "Tiere suchen ein Zuhause" (WDR).Er war ein "Wegnahme-Tier" von einer tablettensüchtigen Frau, die ihn total vernachlässigt hatte, was u.a. dazu führte, daß er unsauber war (Pinkler).
In der Pflegestelle war er mit 6 anderen Katzen und 4 Hunden zusammen und war trotz seiner imposanten Statur der letzte in der Hackordnung.
Kurz gesagt: Er hat sich prima bei uns eingelebt und die Pinkelei hat er auch gelassen, da er nun anscheinend genug ungeteilte Aufmerksamkeit bekam.
Dann haben wir einen Fehler gemacht:
Wir wollten ihm "Fräulein ...." als Gesellschaft holen, da wir den Eindruck hatten, daß er sich teilweise sehr langweilte. Diese Katzendame (auch aus einer Pflegestelle) sollte auch die Gutmütigkeit in Person sein, was eine grobe Fehleinschätzung war.
Sie hat ..... gehörig zusammengestaucht und ließ ihn nachts nicht mehr aufs Klo gehen. ..... war so eingeschüchtert, daß er nur noch unterm Bett saß.
Nach 3 Wochen mußten wir Fräulein .... schweren Herzens wieder abgeben.
...... erholte sich (sehr) langsam von dem Stress, aber er zeigte auffälliges Verhalten. (Trinken, Pinkeln - auch wieder "Rumpinkeln") Er hatte vorher so gut wie gar nicht getrunken und sich mit dem Feuchtfutter begnügt.
Auch wirkte er stark lethargisch und lustlos, was uns veranlasste zur Tierärztin zu gehen, die dann Diabetes diagnostizierte (Sept. 2001).
Das war dann auch aus heutiger Sicht der einzige Verdienst dieser Tierärztin.
Er wurde bei 8,5 kg Körpergewicht und 400 Zucker mit 2x 3 Einheiten gespritzt. Als nach ca. 3 Monaten der Zucker noch über 200 lag sollten wir die Dosis auf 2x 4 Einheiten erhöhen.
Die letzte Messung bei der Tierärztin lag bei 54 Zucker und sehr schlechten Nierenwerten.
Kommentar der Tierärztin: Wir haben jetzt die Diabetes gut im Griff und machen mit den 2x 4 Einheiten weiter.
Der Hauptgrund für den letzten Tierarzt-Besuch waren aber ........
Muskelzuckungen und neue Lethargie (seit Sept. 2002).
Kommentar Tierärztin: Ich geb Ihnen mal was gegen Flöhe!!!
Bei dieser Symptomatik und einem Zuckerwert von 54 hätte sie doch als Tierärztin die Unterzuckerung erkennen müssen!!!
Von Homemonitoring hatte ich zu diesem Zeitpunkt leider noch nichts gehört.
Als ...... Anfang Dezember das erste Mal anfing wie ein Betrunkener zu torkeln und sehr jämmerlich wirkte, kam ich auf die Idee, daß er Unterzucker haben könnte (und das auch nur, weil ich kurz vorher den Film "Panic Room" gesehen habe, in dem ein Mädchen fast an einer Unterzuckerung stirbt.)
Ich gab ihm gezuckerten Fruchtjoghurt, den er wie wild aufputzte und sich dann innerhalb von Minuten sichtbar erholte.
Weihnachten waren wir mit ..... zu Besuch in Emden. Dort wär er uns beinahe gestorben, er war so schwach, daß er auf Hälfte der Treppe "hing" und um Hilfe rief. Er konnte keine eigenständigen Schritte mehr tun, und seine Beine knickten unter ihm weg.
Joghurt half auch hier und auch die Insulin- Dosis habe ich halbiert und dann am nächsten Abend ausgesetzt. (Was auch noch zuviel war.)
Zurück aus Emden habe ich dann im Internet recherchiert und bin auf Ihre Seite gestoßen, die mir dann endlich und hoffentlich nicht zu spät die Augen geöffnet hat. Ich habe sofort ein Glucometer auf ebay gekauft und ..... Insulin weiter auf 2x 1 und am Dienstag- Vormittag auf 1/2 Einheit reduziert.Dann kam das Glucometer per Post und ich hab sofort getestet: 45 !!!
Sie können Sich meinen Schock und meine Ungläubigkeit vorstellen. Ich habe mich zum Vergleich selbst getestet: 81 - das Glucometer war also in Ordnung.
..... bekommt jetzt seit 2 Tagen gar kein Insulin mehr gespritzt und seine Werte sehen wie folgt aus:
Di.: 45, 94, 104, 88
Mi.: 30, 187, 38, 82
Do.: 109
Ich bekomme den totalen Horror, wenn ich bedenke wir würden ihn weiter mit 4 Einheiten spritzen. Dann hätten wir ihn ja sicherlich schon umgebracht.
Die z.T. dramatisch niedrigen Werte machen mir große Sorgen, und wir haben immer sofort Joghurt und gestern bei 30 Rübenkraut-Sirup gegeben, was die Werte wieder "normalisiert" hat.
Er bekommt jetzt auch nachts frisches Futter, was er uns heute morgen mit dem 109er Wert gedankt hat.
Die Zuckungen haben aufgehört, und er wirkt auch insgesamt weniger apathisch. Ich glaube aber, seine Sehkraft hat in den Monaten ständiger Unterzuckerung gelitten.
Ich weiß, daß ich dringendst zum Tierarzt müßte, weiß allerdings nicht, wem ich hier in .... noch vertrauen kann.
Die besagte Tierärztin hat jedenfalls gut und quittungslos an uns verdient und hat:
· mich nicht über Hometesting informiert
· zu hoch dosiert
· Muskelzucken und Apathie auf einen Floh zurückgeführt
· den Nierenschaden als nicht behandelbar und auf Dauer tödlich diagnostiziert.
Ich bin sehr wütend, da .... schon seit Monaten hätte anders behandelt werden müssen und mehrfach haarscharf dem Tod entronnen ist.
Auch mache ich mir selbst schwere Vorwürfe, daß ich nicht früher und genauer im Internet recherchiert habe. So hätte viel Leid vermieden werden können.
Leider sind uns in letzter Zeit ähnliche Geschichten im Forum berichtet worden. Es empfiehlt sich also doch sehr, Martinas oben erwähnten Beitrag zur Tierarztwahl sorgfältig zu lesen und eventuell eine zweite Meinung einholen zu lassen.
Anmerkung:
Die oben veröffentlichte Geschichte hat leider ein trauriges Ende genommen. Die Nieren waren durch die falsche Behandlung so irreparabel geschädigt, dass das Tier eingeschläfert werden musste.
Alle Informationen dieser HP beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen und geben meine persönliche Meinung wieder. Ich bin kein Tierarzt und übernehme keinerlei Haftung. Bitte sprecht die Therapie der Katze mit eurem Tierarzt ab. Jedes Kopieren, Einspeichern in automatisierte Dateien und Weiterverwenden der Texte und Bilder ist nur mit meiner Erlaubnis zulässig. Zuwiderhandlungen werden verfolgt. Helga Schoolmann