Über Insulin und Spritzen
Es gibt so viele Insulinsorten, dass es für Laien bald unüberschaubar ist.
Hier eine Übersicht über gängige Insuline und ihre Wirkdauer:
Leider kann man das Wirkprofil dieser Insuline nicht auf Katzen übertragen. Sie verstoffwechseln Insulin schneller als ein Mensch und darum wirken die Insuline bei ihnen wesentlich kürzer als beim Menschen.
Katzen verstoffwechseln Insulin im allgemeinen sehr schnell.
Darum kommen auch die wenigsten mit einer einmaligen Gabe am Tag aus, sondern brauchen in der Regel zwei Injektionen. Bevorzugt werden bei Katzen Insuline, die verzögert wirken, z.B.
Caninsulin. Das ist in Deutschland das einzige zugelassene Insulin für Tiere und wird in der Regel als Erstinsulin verordnet.
Achtung:
Schnell wirkende Insuline wie Altinsulin (Normalinsulin) werden nur in Notfällen (Ketoazidose) gegeben oder bei besonderen Problemen in der Einstellung. Doch nur sehr erfahrene Tierhalter sollten sich einen Einsatz von Altinsulin zutrauen, denn die Unterzuckerungsgefahr damit ist sehr hoch.
Rinderinsulin ist dem Katzeninsulin am ähnlichsten, steht in Deutschland jedoch nicht mehr zur Verfügung .
Zu vielen Insulinen kannst du Informationen und Erfahrungsberichte bei uns im
Forum nachlesen, zu Caninsulin wie auch zu Humaninsulinen, neuerdings vor allem zu
Lantus, und
Levemir, zwei Langzeitinsulinen, mit denen immer mehr Forumsteilnehmer sehr gute Erfolge verzeichnen. Lantus und Levemir müssen in der Regel bei Katzen auch zweimal am Tag gespritzt werden.
Manch einer wünscht sich zu Beginn der Behandlung eine „Pille gegen Diabetes”. Es gibt
orale Behandlungsmittel, Tabletten bei Diabetes.
Sie wirken aber leider bei vielen Katzen nicht ausreichend genug und auch nur in leichten Fällen. Der Wirkstoff kann zu Leberproblemen oder kumulieren und zu einer Hypoglykämie (Unterzuckerung) führen.
Ich persönlich ziehe die Insulinspritze vor. Es ist leichter, eine Spritze zu geben als einer Katze eine Tablette zu verabreichen.
Insulin muss
richtig behandelt werden. Das unangebrochene Fläschchen muss im Kühlschrank lagern. Es darf aber auf keinen Fall gefrieren, dann verliert es seine Wirkung. Angebrochene Fläschchen dürfen einige Wochen auch bei Raumtemperatur bis 25 Grad aufbewahrt werden,
lichtgeschützt!! Die Meinungen dazu gehen jedoch auseinander.
Gekühlt ist auf jeden Fall sicherer. Meins lag immer in einem Täschchen im Kühlschrank.
Wichtig!
Vor dem Aufziehen der Spritze muss Caninsulin zwischen den Händen etwa 20mal hin- und hergerollt und geschwenkt werden, damit es sich gründlich durchmischt.
Lantus und Levemir sind klare Insuline, sie werden nicht gerollt.
Es kommt auch vor, dass das Insulin nach einigen Wochen deutlich in der Wirkung nachlässt. Dann empfiehlt sich der Anbruch eines neuen Fläschchens.
Achtung: Ein neu angebrochenes Fläschchen Insulin kann eine stärkere Wirkung haben. Dann muss die Dosis vorübergehend reduziert werden.
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Es gibt verschiedene Insulinstärken, U-40-er Insuline und U-100-er-Insuline. Der Unterschied ist folgender:
1 ml eines U-40-Insulins enthält 40 IE Insulin.
1 ml eines U-100-Insulins enthält 100 IE Insulin.
Ein U-100-Insulin kann bei Katzen nur mit U-100-Spritzen gespritzt werden.
Es gibt TÄ, die verordnen Insulin nicht in Internationalen Einheiten (IE), sondern in ml. Das kann zu großen Verwirrungen und falschen Dosierungen führen, wenn man die falsche Spritze hat.
Insulin wird in IE verordnet, nicht in ml! Wie es umgerechnet wird, kannst du hier lesen!
Richtiges Spritzen lernt sich schnell. Die vom Tierarzt verordnete Menge muss genau eingehalten und aufgezogen werden. Wer Caninsulin spritzt, hat ein U 40-Insulin, d.h. in 1 ml Insulin sind 40 Internationale Einheiten (IE) Insulin.
Für dieses Insulin gibt es eigens U-40-Insulinspritzen, z.B. BD Micro-Fine, U 40. Reine Tuberkulinspritzen sind unprofihaft!
Wichtige Anmerkung:
Wenn jemand sehr geringe Einheiten Insulin spritzen muss, kann er jedoch bei einem U 40-Insulin die U-100 -Spritzen verwenden. Die verwendete Insulinmenge des U-40-Insulins wird dann mit 2,5 multipliziert.
Wenn du z.B. nur 0,4 IE Caninsulin spritzen möchtest, dann enspricht das auf der U -100-Spritze genau 1 vollen Einheit.
Wenn du z.B. 1 IE Caninsulin spritzt, sind das auf der U 100-Spritze 2,5 IE.
Wenn du 2 IE Caninsulin spritzt und dazu eine 100-er-Spritze verwendest, musst du 5 IE auf der 100-er-Spritze abmessen.
Achtung:
Du musst jedoch unbedingt die richtigen U-100-Spritzen haben.
Seit einigen Jahren gibt es 100-er-Spritzen mit halber Graduierung, die wir für ein U 100 wie Lantus und Hypurin , aber auch für ein U 40 sehr empfehlen können. Bei Caninsulin sind damit Dosierungsschritte von 0,2 IE möglich.
1/2 IE auf diesen 100-er-Spritzen entspricht 0,2 IE Caninsulin (oder andere 40-er Insuline).
1 volle IE auf diesen 100-er- Spritzen entspricht 0,4 IE Caninsulin (oder andere 40-er-Insuline)
Auf diese Weise sind Fein-Dosierungen wie z.B. 1,2 IE oder 2,8 IE möglich.
Hier kannst du auf einem Bild sehen, wie die Umrechnung erfolgt:
Es handelt sich um folgende Spritzen:
U100 Insulinspritzen, BD Micro Fine DEMI, 0,3 ml, 0, 30 mm x 8 mm, PZN 4144150
Wichtig!!!
Wenn dich aber jemand fragt, wie viele IE du spritzt, z.B. ein neuer TA, musst du jedoch immer die realen Einheiten des U-40-er-Insulins angeben. Du ziehst z. B. 5 IE auf der Hunderterspritze auf , aber sie entsprechen nur 2 IE Caninsulin.
Bei der geringsten Unsicherheit nimm lieber die U-40-Spritze oder frage jemanden, der sich mit der Umrechnung auskennt.
Spritzen werden grundsätzlich nur einmal verwendet, warum, das siehst du auf diesen Bildern!! Außerdem kann das Insulin verunreinigen, wenn die Spritze erst im Tier und dann wieder im Insulin ist.
Gespritzt wird subkutan, das heißt unter die Haut. Das Fell wird etwas angehoben wie zu einem „Zelt”, dann wird gespritzt, nie senkrecht, sondern eher waagerecht, in einem relativ flachen Winkel durch die „Zelttür”. Man darf nicht einen Muskel treffen, das tut dem Tier weh.
Außerdem muss man aufpassen, dass man nicht quer durch das „Zelt” hindurchspritzt. Das merkt man am nassen Fell. In diesem Fall gilt eine eiserne Regel: Nie nachspritzen!! Da man ja nicht weiß, wieviel Insulin in den Körper gelangt ist, könnte durch das Nachspritzen eine Unterzuckerung entstehen. Man wartet deshalb bis zur nächsten Spritze und gibt dann die normale Dosis.
Spritzstellen:
Ich spritzte seitlich am Bauch, an den Flanken, dort soll die Absorption des Insulins am besten sein, oder an der seitlichen Brustwand (über dem Schulterblatt etwas nach hinten versetzt und mindestens 3 cm von der Wirbelsäule entfernt). Direkt in den Nacken darf nicht gespritzt werden.
Spritzstelle Flanke
Danke an Doris für das zur Verfügung gestellte Bild
Wie bereits auf einer der Vorseiten erwähnt, eignet sich ein Insulin-Pen nur für größere Mengen Insulin. Der Pen muss zu lange im Körper bleiben, weil er nachtropft. Bei den geringen Mengen Insulin, die Katzen bekommen, verliert man mit einem Pen die Kontrolle darüber, wieviel man tatsächlich gespritzt hat. Für Caninsulin gibt es keinen Pen!
Es gibt jedoch für Leute mit einer Phobie vor Spritzen eine andere Möglichkeit, den Inject ease.
Das ist ein Einstechautomat für Insulinspritzen, dazu gibt es Adapterkappen für 1 ml, 0, 5 ml und 0,3 ml Insulinspritzen, geeignet für zur Verwendung mit U- 40 oder U-100- Spritzen. Man zieht das Insulin auf, arretiert die Spritze im Gerät, bildet das Zelt, hält das Gerät auf die Haut des Tieres und drückt auf den Auslöser. Der Preis beträgt 40 Euro und mehr.
Er ist in Apotheken oder Online-Versandhäusern erhältlich.
Manche Katzen reagieren empfindlich auf das kalte Insulin aus dem Kühlschrank. Wenn das der Fall ist, sollte man das Insulin in der Spritze mit den Händen etwas erwärmen, auf keinen Fall mit einer anderen Wärmequelle. Davon würde es Schaden nehmen.
Insulin sollte nach Anbruch gekühlt und dunkel aufbewahrt werden.
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In der Regel spritzt man die vorgesehenen Einheiten. Wenn das Tier jedoch PRE-Werte (vor dem Spritzen gemessene Werte) unter 200 mg/dl hat, sollte eine Insulingabe nur unter äußerster Vorsicht erfolgen, da die Gefahr einer Hypo zu groß wird. Im FDMB empfiehlt man in solchen Fällen, das Insulin ganz wegzulassen oder nur eine „token dosis” zu geben, das heißt nur eine winzige Menge Insulin zum Futter, einen Touch. Es ist besser, etwas höhere Werte in Kauf zu nehmen, als die Werte zu weit sinken zu lassen, vor allem dann, wenn man noch nicht Hometesting macht oder tagsüber nicht zu Hause ist.
Bei niedrigen PRE-Werten im zwischen 200 mg/dl und 300 mg/dl ist oft auch schon eine Reduzierung angesagt. Weniger Insulin ist hier oft mehr. Allgemeingültige Regeln für die Insulindosierung gibt es aber leider nicht, denn jedes Tier reagiert anders. Frage in einem solchen Fall bei uns im Forum, wie die andere Forumsteilnehmer mit solchen Situationen umgegangen sind.
Für Caninsulin und ähnlich wirkende Insuline haben wir bei niedrigen PREs unter 300 mg/dl mit folgenden Dosierungen gute Erfahrungen gemacht :
290- 270 mg/dl..... 0,8 IE
260- 250 mg/dl...... 0,6 IE
240- 230 mg/dl...... 0,4 IE
220- 210 mg/dl...... 0,2 IE
200- 150 mg/dl ..... Minitröpfchen, weniger als 0,2, wir nennen es den "Touch" Insulin
unter 150 kein Insulin oder einen Minitouch, siehe hier.
Achtung: Diese Dosierungen müssen jedoch ans eigene Tier angepasst werden, es kann zu wenig sein, aber manchmal immer noch zuviel. Der Nadir nach 4-5 Stunden ist ausschlaggebend für die Dosis.
Gibt man bei niedrigen PREs zuviel Insulin, riskiert man entweder eine Unterzuckerung oder aber eine Gegenregulation, d.h. die Werte steigen steil an, über 300 mg/dl oder mehr.
Wenn die niedrigen PREs unter 300 mg/dl sich häufen, bahnt sich oft eine Remissionsphase, ein Honeymoon an. Der Diabetes zieht sich zurück, die Bauchspeicheldrüse nimmt so nach und nach ihre Arbeit wieder auf. In dieser Phase wird die Insulingabe heikel, man muss oft von PRE zu PRE entscheiden, wieviel Insulin man noch geben kann, ohne sich den beginnenden Honeymoon wieder kaputtzuspritzen.
Für die Lantus-User und auch für andere sehr langwirkende Insuline gelten etwas andere Regeln. Da kann bzw. muss auch noch bei niedrigeren Werten Insulin gegeben werden. Wenn du dazu mehr wissen möchtest, lies bitte im Forum nach. Auch wenn dort nicht mehr moderiert wird, die Beiträge vieler Jahre stehen weiter zum Lesen zur Verfügung.
Welche Glukometer empfehlenswert sind, kannst du auf der Seite
Hometesting nachlesen. Es kommen jedoch ständig neue und geeignete Glukometer auf den Markt. Auch an dieser Stelle möchte ich den neuen Tierdiabetes-Shop erwähnen:
Katja mit Minki aus Spanien hat ein
Video hergestellt, wo du das richtige Spritzen sehen kannst. Du findest es auf ihrer
Homepage.
Alle Informationen beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen und geben meine persönliche Meinung wieder. Ich bin kein Tierarzt und übernehme keinerlei Haftung. Bitte sprecht die Therapie der Katze mit eurem Tierarzt ab. Jedes Kopieren, Einspeichern in automatisierte Dateien und Weiterverwenden der Texte und Bilder ist nur mit meiner Erlaubnis zulässig. Zuwiderhandlungen werden verfolgt. Helga Schoolmann