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Katzendiabetes- Somogyi-Effekt
 
 
Der Somogyi-Effekt ist kurz gesagt, eine natürliche Reaktion des Körpers, sich gegen eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) zu schützen.  Benannt ist er nach seinem Entdecker, einem ungarischen Doktor  Michael Somogyi.
 
Zwei Haupthormone, gebildet in der Bauchspeicheldrüse, halten den Zuckerstoffwechsel bei einem Nichtdiabetiker  aufrecht. Das erste Hormon ist Insulin.  Es senkt den Blutzucker. Die Körperzellen verbrauchen oder speichern Glukose. Das zweite Hormon ist der Gegenspieler des Insulins, das Glukagon. Es bewirkt, dass die Körperzellen Glukose freigeben. Dadurch steigen die Blutzuckerwerte an.
 
Der natürliche Schutzmechanismus des Körpers bei zu niedrigen Blutzuckerwerten funktioniert so, dass der Körper Glukagon und verschiedene andere Hormone (Adrenalin, Cortisol)  ins Blut ausschüttet. Man nennt diesen Vorgang auch Gegenregulation.
 
 
 
Glukagon veranlasst die Leber, schnell große Mengen gespeicherter Glukose (Glykogen) in den Blutkreislauf auszuschütten. Dadurch erhöhen sich die Blutzuckerwerte des Tieres beträchtlich (Hyperglykämie). Die anderen Hormone, die in diesen Schutzmechanismus verwickelt sind, bewirken, dass der hohe Blutzuckerspiegel über einen längeren Zeitraum erhöht bleibt. Auf diese Weise können die Blutzuckerwerte mehrere Tage lang erhöht sein und den Anschein einer Insulinresistenz bewirken. Ständig hohe Werte durch Überzuckerung können für das Tier auch gefährlich werden (hyperosmolares Koma) Im Unterschied zu einer Ketoazidose tauchen dabei im Urin keine Ketone auf. Das hyperosmolare Koma ist bei Katzen selten, häufiger tritt eine Ketoazidose auf.
 
 
Wann wird der Somogyi-Effekt ausgelöst?
 
Bei jeder Katze ist das verschieden. Er kann  bei wirklich gefährlich niedrigen Blutzuckerwerten (Hypoglykämie)auftreten. Aber die Blutzuckerwerte müssen  gar nicht sehr niedrig sein, um den Somogyi-Effekt auszulösen. Die Gegenreaktion des Körpers kann schon ausgelöst werden, wenn die Blutzuckerwerte zu schnell fallen, z. B. von über 400 mg/dl auf 100 mg/dl in wenigen Stunden. Der Wert 100 mg/dl ist für eine Katze nicht gefährlich, aber das schnelle Sinken signalisiert eine drohende Unterzuckerung, und die Ausschüttung von Glykogen (Somogyi-Effekt) wird ausgelöst. Die Werte schnellen hoch, weil das Tier zuviel Insulin bekommen hat.
 
Bei Tieren, die unerklärlich hohe Werte haben, die nicht sinken wollen, empfiehlt sich zunächst mal ein sehr engmaschiges Tagesprofil, stündliche Messungen. Schon in den ersten beiden Stunden nach Insulingabe haben wir im Forum bei einigen Katzen einen dramatischen Fall der Werte bemerkt, der + 4 Wert, der eigentlich niedrigste Punkt der Tageskurve, war dann schon wieder hoch, weil die Gegenregulation schon eingesetzt hatte. Auf den ersten Blick sieht das so aus, als ob die Insulindosis überhaupt nichts bewirkt hätte. Dieser schnelle Fall muss nicht unbedingt auch tief sein, bei meinem Clyde reichte ein Fall von z.B. 300 auf Werte unter 200 in 2 Stunden aus, um ihn gegenregulieren zu lassen. Ich musste deswegen ein Insulin wählen, das deutlich langsamer wirkte.
 
 
Behandlung
 
Obwohl der Körper hohe Blutzuckerwerte anzeigt, wird bei einem Somogyi-Effekt die Dosis nicht erhöht, sondern verringert. Wenn die Katze eine sehr hohe Dosierung bekommt, ist auch eine drastische Reduzierung angesagt, z.B. auf die Hälfte.
 
Clyde war  zu Beginn der Behandlung nach einigen Wochen auf einem chronischen Somogyi-Effekt und hatte nur noch Werte über 500 und mehr. Mir wurde geraten, den Regulierungsprozess ganz von vorne zu beginnen. Ich startete mit einem anderen  Insulin ganz von vorn, mit 1 IE zweimal täglich , blieb etwa eine Woche auf dieser Dosis und erhöhte dann ganz vorsichtig in kleinen Schritten, Vierteleinheiten. Damit kam ich zusehends zu guten Ergebnissen. Dies vorsichtige Erhöhen ist nur mit geeigneten Spritzen möglich. Man kann ein U 40 mit 100-er-Spritzen verabreichen, dazu muss aber umgerechnet werden, mehr dazu auf der Seite Insulin und Spritzen.
 
 
Das sogenannte Hometesting ist hier wiederum eine große Hilfe, um die Gegenregulation überhaupt erkennen zu können.
 
 
 
Kommt der Somogyi-Effekt oft vor?
 
Er ist bei schnell wirkenden Insulinen auf keinen Fall selten. Leider erhalten  Katzen oft eine viel zu hohe Startdosis Insulin. Sie werden beim Tierarzt oder in einer Tierklinik eingestellt, wo die Blutzuckerwerte durch den Stress oft sehr hoch sind. Zu Hause in der gewohnten Umgebung sinken die Blutzuckerwerte schneller und tiefer, und die verordnete Insulindosis kann in eine Hypo führen. Hometesting kann hier lebensrettend sein, wie es überhaupt für eine sichere, schnelle Einstellung unerlässlich ist.
 
Im Forum haben wir festgestellt, dass anscheinend viele TÄ bei Katzen die Dosierung für Hunde übernehmen, anders lassen sich horrende Startdosierungen von 6-8 IE zweimal täglich und oft noch viel mehr :-((( nicht erklären. Mehr dazu auf den Seiten über Caninsulin. Diese Seite sollte jeder, der ein diabetisches Tier hat, lesen, viele Fehler würden dadurch vermieden.
 
http://www.caninsulin.de/insulindosis-katzen.asp  Zur Dosisberechnung bei Katzen
 
Der zweite Fehler, der gemacht wird, ist, dass die Dosis zu schnell erhöht wird. Der Körper braucht Zeit, sich an die Dosierung zu gewöhnen, das kann 7 - 10 Tage dauern oder sogar noch länger.
 
Es empfiehlt sich also, wie gesagt, mit einer niedrigen Dosierung anzufangen. Wir selbst starteten bei Clyde im zweiten Anlauf  mit 1 IE, zweimal täglich. Die Erhöhungen können nur Bruchteile einer Einheit sein, z.B. 0,25 IE. 
 
 
Achtung: Wenn aber zu wenig Insulin gegeben wird, kann sich eine andere Komplikation einstellen, Ketone, sie sind eine  Vorstufe zu der gefürchteten und lebensbedrohlichen Ketoazidose.
 
Manchmal empfiehlt sich bei ständigem Somogyi-Effekt auch ein Wechsel des Insulins. Dazu sollte man am besten in unserem Forum nachlesen. Viele meiner Forumsteilnehmer sind auf langsamer wirkende Insuline wie Lantus oder Levemir umgestiegen, weil die Achterbahnfahrt der Zuckerwerte für die Tiere belastend ist und von einer guten Einstellung keine Rede sein kann. Denn unter den hohen Somogyi-Werten tritt auch das vermehrte Trinken und Urinieren wieder auf. Auch die Gefahr der Folgeschäden (Neuropathie, Nierenschädigung) erhöht sich durch ständige Dauerregulation.
 
Zudem gerät das Tier in eine Insulinresistenz, die hausgemacht ist . Mehr dazu hier:
 
 
Mehr über Somogyi: