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Was sind Ketone?
 
Bis zu dem Zeitpunkt, als ich begann, mich mit Katzendiabetes zu beschäftigen, hatte ich das Wort Ketone oder Ketonkörper noch nie gehört. Ich las viel im FDMB (Feline Diabetes Message Board) mit, um mein Wissen zu erweitern, und ständig erfolgte die Aufforderung an Neue: „Vergiss nicht, regelmäßig den Urin auf Ketone zu überprüfen!” Oder jemand schrieb: „Hilfe, meine Katze hat Ketone. Was muss ich tun?” Die immer wiederkehrende Antwort war: „Geh sofort zum Tierarzt. Ketone sind gefährlich, wenn sie  im Urin auftauchen.”
 
Was also sind Ketone, und sind sie wirklich so gefährlich?
 
Vereinfacht ausgedrückt: Ketone,  auch Ketonkörper genannt, entstehen, wenn der Körper Fett verbrennen muss , um es in Energie umzuwandeln. Sie bilden sich gewöhnlich bei einer Katze, die nicht genug Insulin bekommt oder nicht genug Futter oder nicht die richtige Kombination aus beidem. Ketone treten auch häufig bei Infektionen oder Entzündungen aller Art auf.
 
Wenn der Körper nicht genug Insulin bzw. nicht genug Futter bekommt,  steht keine Glukose als Energiequelle mehr zur Verfügung. Um aber die Körperfunktionen aufrecht erhalten zu können, beginnt der Körper, Fett zu verbrennen. Ein Grundlevel von Ketonen ist sowohl im Blut als auch im Urin immer vorhanden. Wildkatzen in  der Freiheit leben von diesen Reserven, da sie nicht immer Beute machen. Menschen, die eine Diät machen, verlassen sich auf diese Form der Energiegewinnung.
 
Ketone werden erst dann für eine diabetische Katze problematisch, wenn sie die Glukose als Hauptenergiequelle ablösen. Durch zu viele Ketonkörper sinkt der pH-Wert des Blutes, es wird übersäuert. Dadurch kann eine Stoffwechselentgleisung entstehen, die diabetische Ketoazidose, eine lebensbedrohliche Komplikation für diabetische Katzen.
 
Das regelmäßige Testen auf Ketone (in Einstellungsphasen am besten täglich) solltest du dir zur Regel machen. Gut geeignet sind  Ketostix von Bayer , die in den Urin der Katze gehalten werden. Nach 15 Sekunden hat man das Ergebnis. Wie man eine Urinprobe bekommt, kannst du in einem anderen Kapitel nachlesen. Zur Not kann man den Teststreifen auch in die frisch-feuchte Streu halten.
 
 
 
 
Je heller die Farbe auf dem Streifen ist, desto besser. Bleibt der Streifen beige, ist alles in Ordnung, zeigt sich etwas rosa, dann sind Spuren von Ketonen vorhanden. Das ist noch kein Grund zur Panik, aber ein Eingreifen ist auf jeden Fall nötig, damit die Ketone sich nicht weiter vermehren. Das kann innerhalb weniger Stunden geschehen, darum solltest du auch Spuren von Ketonen schon Ernst nehmen. Je mehr der Streifen sich verfärbt, desto größer ist die Gefahr.
 
Anmerkung: Wenn du keine Ketostix oder Ketodiastix in deiner Apotheke bekommen kannst, nimm ein anderes Fabrikat. Ich nahm anfangs Ketostix gerne, weil der Streifen besonders viele Abstufungen zeigt.
 
Später habe ich nur noch auf Blutketone mit geeigneten Glukometern gemessen, das ist deutlich sicherer.
 
Als erstes solltest du bei Ketonen deinen Tierarzt um Rat fragen, was du tun sollst. Nimmt er sie gar nicht Ernst, hole eine zweite Meinung ein oder lies im Forum nach. Viele von uns haben böse Erfahrungen  damit machen müssen!
 
Clyde hatte in den ersten Monaten der Behandlung zweimal Ketone, einmal recht heftig, schon auf der vorletzten Stufe der obigen Skala, einmal weniger, dafür aber recht hartnäckige. Beide Male haben wir sofort was unternommen.
 
Wie wird man Ketone wieder los?
 
Ich habe folgende Ratschläge umgesetzt:
 
· Erhöhe die Insulindosis etwas.
· Gib der Katze viel zu trinken.
· Gib der Katze mehr Futter.
· Lass vom TA eine subkutane Infusion geben!
· Bei einem Infekt gibt es ein Antibiotikum.
· Wenn die Werte unter mehr Insulin zu schnell oder zu tief fallen, füttere kohlenhydratreiches Futter, dann steht dem Insulin mehr gegenüber.
 
Genau das habe ich befolgt, die Ketone waren dadurch sehr schnell wieder weg und hatten sich vor allem nicht vermehrt.
 
Ein Tipp zum Trinken: Viele Katzen trinken gerne Wasser mit etwas Thunfischgeschmack (aus der Dose, im eigenen Saft).
 
Grundsätzlich solltest du mit Thunfisch bei Katzen aber vorsichtig sein und ihn in nur geringsten Mengen verfüttern. Manche Katzen wollen dann nämlich nur noch Futter mit Thunfischgeschmack haben. Abgesehen davon, dass Thunfisch in Dosen immer etwas Salz enthält, das für die Nieren der Katze nicht gerade gut ist, sollte man auch eine mögliche Schadstoffbelastung denken.
 
 
Besondere Aufmerksamkeit ist in folgenden Situationen notwendig:
 
  • Wenn eine Insulininjektion gar nicht gegeben wird bzw. wenn die Dosis veringert wird  (z. B. bei Verdacht auf Somogyi-Effekt)
 
  • Wenn eine Katze sehr hohe Blutzuckerwerte hat. Sie können bedeuten, dass deine Katze nicht genug Insulin bekommt. Achtung: Hohe Zuckerwerte bedeuten aber nicht zwangsläufig hohe Ketone!!
 
  • Bei einer Insulinumstellung, wenn man mit einer (vielleicht noch zu) niedrigen Dosis beginnt.
 
  • Bei Infektionen und Entzündungen  jeglicher Art, weil dann der Insulinbedarf steigt.
 
  • Bei einem unregulierten Diabetes
 
  • Bei unerklärlichem Gewichtsverlust (z.B. bei einer Exokrinen Pankreasinsuffizienz, bei einer schlecht oder gar nicht eingestellten Schilddrüsenüberfunktion, bei tumurösen Geschehen..) Die Tiere brauchen zusätzlich Enzyme.
 
Glaube nicht, dass deine Katze nie Ketone bekommen könnte, weil sie noch nie welche hatte. Auch bei niedrigen Zuckerwerten können sie entstehen.
 
Ich fasse noch einmal zusammen:
 
Ketone entstehen meistens durch zu wenig Futter, zu wenig Insulin oder durch eine Infektion/Entzündung oder andere Grunderkrankungen, siehe oben.
 
Sei besonders wachsam, wenn deine Katze nicht essen will oder erbricht oder so wirkt, als ob sie sich nicht gut fühlt. Ein sehr ernstes Warnzeichen ist der veränderte Geruch des Atems (wie Nagelleckentferner, Acetongeruch). Ketone werden nämlich über den Urin und über den Atem ausgeschieden.
 
Teste in diesem Fall sofort auf Ketone und überprüfe auch den Blutzuckerwert.
 
Auch vertiefte beschleunigte Atmung (Kussmaul'sche Atmung) tritt  bei drohender Ketoazidose auf.
 
Der Ketonspiegel kann sich sehr schnell erhöhen, von einer Spur bis  zu höheren Werten, innerhalb weniger Stunden. Bei Symptomen wie Erbrechen, Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit , fruchtiger oder nach Aceton riechender Atem ist deine Katze bereits in Gefahr, eine  diabetische Ketoazidose zu entwickeln.
 
ACHTUNG!! Die Sterblichkeitsrate bei einer Ketoazidose ist sehr hoch und erfordert eine sofortige Behandlung durch den Tierarzt bzw. die Tierklinik!! Nur dort kann eine Behandlung erfolgen! Sie ist oft langwierig und schwierig, verzeiht keine Fehler in der Behandlung. Achte deshalb darauf, eine TK auszuwählen, die sich mit Ketoazidosebehandlung auskennt, dafür eingerichtet ist, z.B. fürs Durchführen der notwendigen Blutgasanalyse (BGA) und Elektrolytbestimmung.
 
Ketoazidosebehandlung ist Intensivmedizin, rund um die Uhr. Nur in einer solchen TK ist dein Tier gut aufgehoben!
 
Ein kleiner Ketontest, möglichst im Blut, kann bewirken, dass deine Katze vielleicht nur kurz durch den Tierarzt behandelt werden muss, ein einziger unterlassener Test kann bedeuten, dass deine Katze lebensgefährlich erkrankt, für längere Zeit in die Tierklinik muss und dass ihr Leben vielleicht am seidenen Faden hängt. Also teste, teste, teste und frage bei positiven Ketonergebnissen sofort deinen Tierarzt um Rat. Lass dich nicht auf morgen vertrösten oder von Freitag auf Montag! Dann kann es bereits zu spät sein.
 
Am schnellsten bekommt man Ketone durch Infusionen wieder weg. Subkutane Infusionen kann man nach Anleitung durch einen TA auch selber durchführen. In schweren Fällen sind jedoch venöse Infusionen nötig, das kann nur ein TA veranlassen!!
 
Infusionen helfen zwar schnell, gehen aber nicht an die Ursache der Ketone, danach muss auch gesucht werden!! Siehe oben: Wie wird man Ketone wieder los?
 
 
 
 
 
Ramonas Franzl beim Infundieren
 
 
Wenn deine diabetische Katze nicht fressen will, musst du sie dazu bringen, denn sie muss ihr Insulin bekommen. Kein Fressen und gleichzeitig  kein Insulin ist geradezu eine Einladung für Ketone. Lies dazu: Füttern mit der Spritze
 
 
Hometesting und Testen auf Ketone können das Leben deiner Zuckerkatze retten!!
 
 
Wenn Katzen häufig zu Ketonen neigen und eine Insulinerhöhung nichts bringt, sollte man unbedingt Ursachenforschung betreiben. Latente Infekte, Erkrankungen von Leber, Niere, Pankreas, Tumore von Nebenniere und Hypophyse , Überschwemmung des Blutes durch Insulinantagonisten (Glukagon, Cortisol, Adrenalin, Noradrenalin, Wachstumshormone), kranke Zähne  sollten in Betracht gezogen werden.
 
Achtung: Im Forum beobachteten wir einige Fälle, wo durch Gabe von Enzymen die Ketone verschwanden, die Tiere fraßen viel, bekamen viel Insulin, aber die Nahrung wurde nicht richtig verdaut. Sie litten an einer Exokrinen Pankreasinsuffienz (EPI). Durch Enzymgabe konnte dem abgeholfen werden. Bitte aber nie auf eigene Faust handeln, immer mit dem TA absprechen und dort Untersuchungen machen lassen!!!
 
Ergänzung: Des weiteren können Ketone auch entstehen, wenn das Tier zu hohe Insulindosierungen erhält und  ständig gegenreguliert. In diesem Fall schüttet der Körper Adrenalin und anschließend Kortisol, Glukagon und Wachstumshormon aus, Insulinantagonisten, die das Insulin ausbremsen und eine Insulinresistenz verursachen. Die Zuckerwerte steigen deutlich an oder bleiben dauerhaft hoch. Weil das Insulin ausgebremst wird, bilden sich Ketone.
 
 
 
 
 
Wichtige Anmerkung:
Es sei an dieser Stelle  darauf hingewiesen, dass der wichtigste  Ketonkörper  Beta-Hydroxybutyrat (BHB) nicht über den Urin gemessen werden kann, sondern nur über das Blut. Dafür gibt es in der Humanmedizin  Glukometer, die außer auf Glukose auch auf Blutketone messen.
 
Ich selber habe früher immer  dem Gerät Precision Xceed bzw. dem noch älteren Precision Xtra gemessen, weil ich Clyde so selten auf der Katzentoilette erwischte, als Freigänger erledigte er seine Geschäfte draußen. Ich maß jedoch in der Regel 0,0 oder 0,1 mmol/l Blutketone, ein sehr beruhigendes Gefühl.
 
Mittlerweile gibt es 3 Geräte, die auf Blutketone messen, alle recht zuverlässig.
 
1. STADA GlucoCare
 
2. Glucomen LX Plus
 
3. Freestyle Precision (Gerät wird nicht mehr hergestellt)  und Freestyle Precision Neo (nur für Ärzte und Diabetesberater erhältlich), bisherige Geräte können jedoch weiter verwendet werden.
 
 
Ketonmessgeräte gibt es im http://www.tierdiabetes-shop.de  und in jeder Apotheke. Die Teststreifen sind leider  teuer. Man muss aber nicht täglich auf Blutketone messen, nur in besonderen Situationen.
 
Tierhalter, die oft Keton-Probleme bei ihrem diabetischen Tier haben, sollten sich ein Blutketon-Messgerät zulegen. Für die Früherkennung und für die Nachkontrolle nach überstandener Ketoazidose kann ich es sehr empfehlen. Unsere Einstellungen im Forum wurden häufig unter Blutketonkontrolle durchgeführt, eine sehr sichere Angelegenheit. Die Teststreifen sind teuer, es muss aber bei normalen Blutketonen nicht täglich gemessen werden!
 
 
 
 
Blutketonmessung ist wesentlich sicherer als Urinketonmessung, quasi ein Frühwarnsystem.
 
Leider kennen längst nicht alle TÄ die Ketonmessung im Blut oder halten nichts davon. Das ist bedauerlich, denn es steht fest, dass man damit fast immer eine sich anbahnende Ketoazidose erkennen und verhindern kann. Werte bis 0,6 mmol/l sind normal und kein Anlass zur Panik, sind sie deutlich höher, gilt es aufzupassen und sofort zu reagieren.
 
Bis 4 mmol/l messen die Geräte bei Katzen genau, darüber aber oft falsch niedrig. Ein Tier mit so hohen Blutketonen um 4 mmol/l gehört aber sofort zum TA, dann sollte eine Blutgasanalyse (BGA) gemacht werden, nur damit kann zwischen Ketose und Ketoazidose unterschieden werden. BGAs werden in der Regel in einer TK, die dafür eingerichtet ist, durchgeführt.
 
Mehr Infos dazu hier:
 
 
 
Bestimmung von ß-Hydroxybutyrat mit einem portablen Messgerät bei Katzen mit Diabetes mellitus, diabetischer Ketose und diabetischer Ketoazidose
 
Klinik und Poliklinik für kleine Haustiere und Institut für Biometrie und Informationsverarbeitung, FB Veterinärmedizin, Freie Universität Berlin
 
Weiterführende Links zur DKA:
 
 
Noch mehr Infos hier auf der Seite der Firma Intervet/Caninsulin:
 
 
 
Für die Anfangsbehandlung (initiale Behandlung) eines schweren, akuten Diabetes mit Ketoazidose eignet sich Caninsulin nicht. Siehe folgende Seite, Punkt Kontraindikationen
 
 
 
 
 
 
 
 
Alle Informationen beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen und geben meine persönliche Meinung wieder. Ich bin kein Tierarzt und übernehme keinerlei Haftung. Bitte sprecht die Therapie der Katze mit eurem Tierarzt ab. Jedes Kopieren, Einspeichern in automatisierte Dateien und Weiterverwenden der Texte und Bilder ist nur mit meiner Erlaubnis zulässig. Zuwiderhandlungen werden verfolgt. Helga Schoolmann