Euthanasie
Freundlicherweise wurden mir zwei Vorträge zur Verfügung gestellt, der eine für TÄ, der andere für TA-Helferinnen
Es ist ein Vortrag einer TÄ zur Euthanasie, der sehr hilfreich sein kann, vorbeugend, aber auch begleitend, für alle die sich in dieser schweren Situation mit ihrem geliebten Haustier befinden.
Tipps für den Umgang mit dem Tierbesitzer bei der Euthanasie seines Tieres
Von Dr. med. vet. Carmen Stäbler
Vortrag für TÄ
Fast immer steht der Besitzer eines todkranken Tieres unter enormem Streß,
der sich oft in Verwirrung, Ängstlichkeit, Nervosität, Erstarren, Aggressionen, Ungeduld oder anderen bei Streß auftretenden Verhaltensweisen äußert. Streß entsteht in diesem Fall durch Sorge und vorgreifende Trauer um das Tier und Angst vor dem Ungewissen.
Der Besitzer bewertet die Euthanasie seines Tieres sehr häufig völlig anders als der Tierarzt. Während der Tierarzt meist die Erlösung vom Leiden als Hauptpunkt sieht, sehen sich viele Tierbesitzer in die Rolle des Richters über Leben und Tod gedrängt. Die meisten Besitzer fürchten den Verlust des Tieres als Verlust eines langjährigen, geliebten Familienmitgliedes, eines Begleiters durch jede Lebenslage und Trösters in jeder Lebenssituation. Die meisten möchten ihrem Tier keine einzige Lebensminute rauben und brauchen geduldige Aufklärung, warum genau das Leben ihres Tieres unter den betreffenden Umständen nicht mehr lebenswert ist.
Für viele junge Menschen stirbt mit dem Tier ein "Geschwisterkind". Der Tod des Tieres, mit dem sie aufgewachsen sind, ist für sie häufig die erste Begegnung mit dem Tod überhaupt. Für viele ältere Menschen stirbt mit einem Tier oft der wichtigste Ansprechpartner und auch das letzte Tier ihres Lebens, weil sie sich nach dem Tod dieses Tieres als zu alt empfinden, um für ein weiteres Verantwortung übernehmen zu können. Der Tod des Tieres ist damit auch Ausblick auf das eigene Ende.
Der Tierarzt kann viel tun, um dem Besitzer den schweren Abschied und den Übergang in ein Leben ohne das geliebte Tier zu erleichtern. Durch eine Gestaltung der Situation, die der Bedeutung des Abschiedes angemessen ist, kann sogar psychischen Problemen und komplizierten Trauerreaktionen beim Patientenbesitzer vorgebeugt werden.
Besonders wichtig ist die Aufklärung über das, was den Besitzer erwarten wird. Dadurch kann sein Angst- und damit auch Streßlevel enorm gesenkt werden. Angst entsteht sowohl durch
1. Kontrollverlust
als auch 2. durch Informationsmangel.
Zu 1: Es hilft dem Besitzer sehr, wenn er Wahlmöglichkeiten hat, was die Einschläferung seines Tieres betrifft, weil er dadurch das Gefühl bekommt, wenigstens über einen Teil der Vorgänge noch die Kontrolle zu haben. Viele Besitzer würden wählen, daß der Tierarzt zu ihnen und zum Tier nach Hause kommt. Die vertraute Umgebung und der Gedanke, dem todkranken Tier die Fahrt und die Aufregung in die Tierarztpraxis erspart zu haben, senkt den Streßlevel beim Besitzer meist enorm.
Wenn die Einschläferung in der Tierarztpraxis stattfindet, sollte mit dem Besitzer abgesprochen werden, wieviel Zeit er haben möchte, um sich von seinem Tier zu verabschieden. Deshalb wäre es ideal, einen Raum für die Euthanasie zu haben, in dem der Besitzer mit dem Tier ungestört so viel Zeit wie für ihn erforderlich verbringen kann. Was mit dem toten Tier passieren soll, sollte schon ausführlich vor der Euthanasie geklärt werden. Am besten wird der Termin so gelegt, daß der Patientenbesitzer entweder der letzte ist oder der erste. Besitzer sollten auf keinen Fall mit Besitzern "normal" kranker Tiere warten müssen, sondern sofort in einen anderen Raum gebracht werden. Warten zu müssen läßt im Besitzer ein Gefühl des Ausgeliefert-Seins und damit des Kontrollverlustes aufkommen.
Zu 2: Am leichtesten für den Tierarzt ist der Informationsmangel des Patientenbesitzers zu beheben. Meist hat der Besitzer nur gerüchteweise Ahnung von dem, was bei der Euthanasie wirklich mit seinem Tier passiert, und was die Wirkstoffe sind, die injiziert werden. Gerade diese Gerüchte versetzen ihn meist in Angst und Schrecken. Durch einfache gebaute Sätze wird sicherer, daß der Patientenbesitzer den Tierarzt versteht, was in dieser emotional belastenden Situation ohnehin schwierig ist. Unter Streß ist die Fähigkeit, sachliche Erklärungen behalten zu können, stark vermindert. Deshalb muß man sich auf die Notwendigkeit wiederholter Erklärungen einstellen. Daher wäre es ideal, das Vorgehen und die Abläufe bei der Euthanasie nicht erst am Termin, sondern schon einige Tage vorher zu erläutern, damit der Besitzer die Informationen verarbeiten konnte und sich am Termin auf das Abschiednehmen konzentrieren kann.
Die Wirkstoffe und der Ort der verabreichten Injektionen sollten genau erklärt werden. Der Besitzer sollte auf mögliche Lautäußerungen, Zuckungen oder mögliche Abwehrreaktionen des Tieres hingewiesen werden. Besonders Lautäußerungen seines Tieres treffen den unvorbereiteten Besitzer meist bis ins Mark. Wenn er allerdings vorher auf die Möglichkeit des Auftretens im Rahmen der Narkose hingewiesen wurde, hat er ein ganz anderes Bezugssystem. Ohne diese Information werten die Besitzer diese Zeichen des Tieres als Todeskampf oder Unwillen "zu gehen", was zu schweren Schuldgefühlen und zu einer komplizierten Trauerreaktion führen kann.
Der Besitzer sollte auch über die verschiedenen Möglichkeiten, die zum Tode führende Injektion zu setzen, aufgeklärt werden. Hierbei ist zu beachten, daß die allermeisten Besitzer die intrakardiale Injektion ablehnen, da das Herz ihres Tieres für sie eine große symbolische Bedeutung hat. Wenn sie wählen können, entscheiden sich fast alle gegen eine Injektion ins Herz. Dem Besitzer sollte auch erklärt werden, was er nach dem Tod seines Tieres alles an diesem beobachten kann, z.B. daß es auch nach dem Todeseintritt noch eine zeitlang warm ist, ein Punkt, der viele Tierbesitzer sehr verwirrt.
Auch auf zu erwartende Köperausscheidungen nach Todeseintritt sollte hingewiesen werden. Die meisten Besitzer fragen sich, ob sie das Richtige tun, wenn sie ihr Tier einschläfern lassen. Auch hier kann der Tierarzt im Hinblick auf die spätere Trauerreaktion dem Besitzer sehr helfen, wenn er ihn in seiner Entscheidung bestätigt.
Idealerweise faßt der Tierarzt vor der Einschläferung noch einmal die Punkte zusammenfaßt, weshalb man sich gemeinsam für die Einschläferung als das beste, was für das Tier getan werden kann, entschlossen hat. Wenn eine Einschläferung im Zuhause des Tieres nicht möglich ist, sollte man es dem Besitzer in der Praxis so angenehm wie möglich machen. Dringend sollte man Tempos bereithalten.
Vor und während der Euthanasie und auch danach sollte das Tier unbedingt mit Namen angeredet werden, denn auch nach dem Tod ist es für den Besitzer noch das geliebte Familienmitglied mit eigener Identität und Geschichte. Wenn der Besitzer Emotionen zeigt, ist es am hilfreichsten, diese als Zeichen von Schmerz und Trauer zu bewerten und anzuerkennen z. B. : "Sie sind so traurig, weil ihr langjähriger Lebensbegleiter stirbt." Nicht hilfreich ist es z. B., zu versuchen, die Trauergefühle klein zu reden: "Aber Struppi hat doch ein schönes Alter erreicht!"
Auftretende Emotionen des Besitzers als der Situation angemessen anzuerkennen, hilft dem Besitzer sehr. Sein Streßlevel sinkt meist augenblicklich, wenn er merkt, daß er sich nicht zusammenreißen muß, sondern das zum Ausdruck bringen kann, was er gerade fühlt. Den Zeitpunkt des Todeseintritts dem Besitzer mitzuteilen, ist ein ganz wichtiger Punkt im Ablauf der Euthanasie. Zu sagen: " Ihr/sein Herz schlägt nicht mehr. Sie/er ist jetzt tot," ist eine erste Hilfe für den Besitzer bei der schweren ersten Traueraufgabe, der Anerkennung der Realität des Todes.
Wenn die Euthanasie in der Praxis stattgefunden hat, ist es hilfreich für den Besitzer, wenn er nicht mit schmerzbewegtem oder verweintem Gesicht durch ein volles Wartezimmer die Praxis verlassen muß, sondern einen anderen Ausgang nehmen kann. Die meisten Besitzer sind nach dem Tod ihres Tieres in einer Art Schockzustand und haben das Gefühl, was sie erleben, sei nicht real oder völlig neben sich zu stehen. Deshalb sollte darauf geachtet werden, daß der Tierbesitzer jemanden hat, der ihn nach Hause fährt.
Vortrag für TA-Helferinnen
Euthanasie in der Kleintierpraxis - vorbereitende Maßnahmen in der Praxis und Betreuung des Tierbesitzers
Von Dr. med. vet. Carmen Stäbler
Alle vorbereitenden Maßnahmen in der Tierarztpraxis sollten darauf ausgerichtet sein, die Einschläferung des Tieres so streßfrei wie möglich zu gestalten. Denn immer steht der Besitzer eines todkranken Tieres unter enormem Streß, d.h. sein gesamtes Verhalten ist emotionsgeleitet. Streß entsteht in diesem Fall durch Sorge um das Tier, vorgreifende Trauer und Angst vor dem Ungewissen.
Der Besitzer bewertet die Euthanasie seines Tieres sehr häufig völlig anders als der Tierarzt und die Mitarbeiter der Tierarztpraxis. Während in der Tierarztpraxis meist die Erlösung vom Leiden im Vordergrund steht, sehen sich viele Tierbesitzer in die Rolle des Richters über Leben und Tod gedrängt. Die meisten Besitzer empfinden den Verlust des Tieres als Verlust eines langjährigen, geliebten Familienmitgliedes, eines Begleiters durch jede Lebenslage und Trösters in jeder Lebenssituation. Die meisten möchten ihrem Tier keine einzige Lebensminute rauben. Sie brauchen Aufklärung, warum genau das Leben ihres Tieres unter den betreffenden Umständen nicht mehr lebenswert ist.
Für viele junge Menschen stirbt mit dem Tier ein "Geschwisterkind". Der Tod des Tieres, mit dem sie aufgewachsen sind, ist für sie häufig die erste Begegnung mit dem Tod überhaupt. Für viele ältere Menschen stirbt mit einem Tier oft das letzte Tier ihres Lebens, weil sie sich nach dem Tod dieses Tieres als zu alt empfinden, um für ein weiteres Verantwortung übernehmen zu können. Der Tod des Tieres ist damit auch Ausblick auf das eigene Ende.
Es ist wichtig, die Verhaltensweisen, die der Besitzer zeigt, richtig als Zeichen der normalen Trauer zu deuten. Wenn die Gefühle und das Verhalten des Besitzers nicht richtig gedeutet werden, fühlt sich dieser mißverstanden. Mißverständnisse führen zu einem Kommunikationsabbruch, d.h. der Besitzer sagt nicht mehr das, was er wirklich denkt oder es kommt statt dessen zur direkten, aggressiven Konfrontation. Bei Kommunikationsabbruch wird in der Folge fast immer die gesamte Tierarztpraxis negativ beurteilt. Das tierärztliche Personal wird dann vom Tierbesitzer als gefühllos eingestuft. Die Praxis wird in der Folge gemieden. Dabei kommt es nicht darauf an, wie sich die Situation objektiv zugetragen hat, sondern leider nur darauf, wie der Besitzer die Situation unter Streß subjektiv wahrgenommen hat. Eine negative Beurteilung der Praxis kann man vermeiden, wenn man immer bedenkt, daß die meisten Tierbesitzer vor und während der Euthanasie ihres Tieres in einer Ausnahmesituation ihres Lebens sind. Ihre Reaktionen und Verhaltensweisen deutet man meist richtig, wenn man sie unter dem Aspekt der vorgreifenden Trauer sieht. Das ist eine Trauerreaktion, die auftritt, obwohl das betrauerte Objekt noch lebt.
In der Tierarztpraxis kann viel getan werden, um dem Besitzer den schweren Abschied und den Übergang in ein Leben ohne das geliebte Tier zu erleichtern. Durch eine Gestaltung der Situation, die der Bedeutung des Abschiedes angemessen ist, kann sogar psychischen Problemen und komplizierten Trauerreaktionen beim Patientenbesitzer vorgebeugt werden. Es sollte alles dafür getan werden, daß die eigentliche Bedeutung des Wortes Euthanasie, nämlich "leichter, schöner Tod" erfüllt wird und zwar sowohl für das Tier als auch aus Sicht des begleitenden Besitzers. Besonders wichtig ist die Aufklärung über das, was den Besitzer erwarten wird. Dadurch kann sein Angst- und damit auch Streßlevel enorm gesenkt werden. Angst entsteht sowohl
1. durch Kontrollverlust
als auch 2. durch Informationsmangel.
Zu 1: Es hilft dem Besitzer sehr, wenn er Wahlmöglichkeiten hat, was die
Einschläferung seines Tieres betrifft. Dadurch bekommt er das Gefühl,
wenigstens über einen Teil der Vorgänge noch die Kontrolle zu haben. Viele
Besitzer würden wählen, daß der Tierarzt zu ihnen und zum Tier nach Hause
kommt. Die vertraute Umgebung und der Gedanke, dem todkranken Tier die Fahrt und die Aufregung in die Tierarztpraxis erspart zu haben, senkt den
Streßlevel beim Besitzer meist enorm.
Wenn die Einschläferung in der Tierarztpraxis stattfindet, sollte zunächst praxisintern aufgelistet werden, was dem Patientenbesitzer zur Wahl gestellt werden kann. Dazu kann gehören: Der Zeitpunkt der Euthanasie; wieviel Zeit er haben möchte, um sich von seinem Tier zu verabschieden; ob er eine Decke für das Tier mitbringen möchte, was mit dem toten Tier passieren soll; in welches Behältnis das tote Tier gelegt werden soll; ob der Besitzer es obduzieren lassen möchte, um mehr über dessen Krankheit zu erfahren; ob er außer einer Person, die ihn nach Hause fahren soll noch weitere Familienmitglieder mitbringen möchte usw.. Die meisten Besitzer sind sehr dankbar, wenn sie rechtzeitig auf eine eventuelle Bestattung oder Kremierung angesprochen werden und die Tierarztpraxis ihnen die Übernahme der Bestattungs- oder Kremierungsformalitäten anbieten kann.
Manche Besitzer wählen, nicht anwesend sein zu wollen bei der Einschläferung
ihres Tieres. Meist ist diese Entscheidung aus Angst vor der Situation getroffen worden. Oft macht sich der Besitzer später jahrelang Vorwürfe, sein Tier in seinen letzten Minuten verlassen zu haben. Viele Besitzer, denen die Vorgänge einfühlsam erklärt werden, entscheiden sich doch noch zum Bleiben.
Ideal wäre es, einen Raum für die Euthanasie zu haben, in dem der Besitzer mit dem Tier ungestört (Türschild "nicht stören" anbringen ) so viel Zeit wie erforderlich verbringen kann. Auch hier kann dem Besitzer zur Wahl gestellt werden, ob er sich lieber mit dem Tier auf einen Decke am Boden setzen möchte, ob er auf einem Stuhl sitzen möchte, während das Tier am Boden oder auf einem Tisch liegt, usw.
Am besten wird der Termin so gelegt, daß der Patientenbesitzer entweder der letzte ist oder der erste. Besitzer todkranker Tiere sollten auf keinen Fall mit Besitzern "normal" kranker Tiere warten müssen, sondern sofort in einen anderen Raum gebracht werden. Warten zu müssen läßt im Besitzer ein Gefühl
des Ausgeliefert-Seins und damit des Kontrollverlustes aufkommen
Zu 2: Am leichtesten für Tierarzt und Mitarbeiter der Tierarztpraxis ist der Informationsmangel des Patientenbesitzers zu beheben. Meist hat der Besitzer
nur gerüchteweise Ahnung von dem, was bei der Euthanasie wirklich mit seinem Tier passiert, und was die Wirkstoffe sind, die injiziert werden. Oft hat er vorher im Internet nach Informationen gesucht und ist auf Horrorberichte
über Einschläferungen gestoßen. Daher ist umfassende Information dringend
erforderlich.
Durch Demonstration kann dem Besitzer anschaulich erklärt werden, welche Handgriffe an seinem Tier vorgenommen werden. Gut hierzu eignet sich ein Stofftier, weil Erklärungen am Stofftier für den Besitzer nicht so angstbesetzt sind wie am eigenen Tier. Daher kann er sich viel besser konzentrieren. Die erste Erklärung hierzu sollte vom Tierarzt gegeben werden.
Weil Tierbesitzer aber meist unter erheblichem Streß stehen, der das Verständnis auch einfacher Sachverhalte erschwert, ist es sehr hilfreich, wenn die Tierarzthelferin nach dem Verlassen des Sprechzimmers noch einmal beim Besitzer nachhakt, ob es noch offene Fragen gibt. Meist wird das Thema nicht mit einer einzigen Erklärung verstanden. Oft fällt dem Besitzer auch erst zu Hause, wenn er sich wieder einigermaßen entspannt hat, ein, was er eigentlich noch fragen wollte. Entsprechende Anrufe sollten unbedingt geduldig beantwortet werden. Durch einfache gebaute Sätze wird sicherer, daß der Patientenbesitzer den Sachverhalt auch in dieser emotional belastenden Situation versteht. Deshalb wäre es ideal, das Vorgehen und die Abläufe bei der Euthanasie nicht erst am Termin sondern schon einige Tage vorher zu erläutern, damit der Besitzer die Informationen verarbeiten konnte und sich am Termin auf das Abschiednehmen konzentrieren kann.
Die Wirkstoffe und der Ort der verabreichten Injektionen sollten genau erklärt werden. Der Besitzer sollte auf mögliche Lautäußerungen, Zuckungen oder mögliche Abwehrreaktionen des Tieres hingewiesen werden. Besonders Lautäußerungen seines Tieres treffen den unvorbereiteten Besitzer meist bis ins Mark. Wenn er allerdings vorher auf die Möglichkeit des Auftretens im Rahmen der Narkose hingewiesen wurde, hat er ein ganz anderes Bezugssystem. Ohne diese Information werten die Besitzer diese Zeichen des Tieres als Todeskampf oder Unwillen " zu gehen", was zu schweren Schuldgefühlen, Selbstvorwürfen und zu einer komplizierten Trauerreaktion führen kann.
Der Besitzer sollte auch über die verschiedenen Möglichkeiten, die zum Tode führende Injektion zu setzen, aufgeklärt werden. Hierbei ist zu beachten, daß die allermeisten Besitzer die intrakardiale Injektion ablehnen, da das Herz ihres Tieres für sie eine große symbolische Bedeutung hat. Wenn sie wählen können, entscheiden sich fast alle gegen eine Injektion ins Herz. Dem Besitzer sollte auch erklärt werden, was er nach dem Tod seines Tieres an diesem beobachten kann, z.B. daß es auch nach dem Todeseintritt noch eine zeitlang warm ist, ein Punkt, der viele Tierbesitzer sehr verwirrt. Auch auf zu erwartende Körperausscheidungen nach Todeseintritt sollte hingewiesen werden.
Besonders bei der Entscheidung zur Einschläferung brauchen die Patientenbesitzer sehr viel Hilfe und Beratung. Die meisten machen sich ohne entsprechende Unterstützung aus der Tierarztpraxis später lange Zeit Vorwürfe, das Tier entweder zu früh oder zu spät eingeschläfert zu haben. Viele Besitzer fragen sich bis zum Schluß, ob sie das Richtige tun, wenn sie ihr Tier einschläfern lassen. Auch hier können die Mitarbeiter der Tierarztpraxis im Hinblick auf die spätere Trauerreaktion dem Besitzer sehr helfen, wenn sie ihn in seiner Entscheidung bestätigen.
Idealerweise faßt der Tierarzt vor der Einschläferung noch einmal die Punkte zusammenfaßt, weshalb man sich gemeinsam für die Einschläferung als das beste, was für das Tier getan werden kann, entschlossen hat. Wenn eine Einschläferung im Zuhause des Tieres nicht möglich ist, sollte man es dem Besitzer in der Praxis so angenehm wie möglich machen und ihm auf jeden Fall einen Stuhl bereitstellen. Besitzer, die als Reaktion auf den Streß erstarren, muß man auch sagen, sie sollen sich darauf setzen. Auch Tempotaschentücher sind bereitzuhalten und einfühlsam anzubieten. Vor und während der Euthanasie und auch danach sollte das Tier unbedingt mit Namen angeredet werden, denn auch nach dem Tod ist es für den Besitzer noch das geliebte Familienmitglied mit eigener Identität und Geschichte.
Wenn der Besitzer Emotionen zeigt, ist es am hilfreichsten, diese als Zeichen von Schmerz und Trauer zu bewerten und anzuerkennen, z. B.: "Sie sind so traurig, weil ihr langjähriger Lebensbegleiter stirbt." Nicht hilfreich ist es z. B., zu versuchen, die Trauergefühle klein zu reden: "Aber er/sie hat doch ein schönes Alter erreicht!" Auftretende Emotionen des Besitzers als der Situation angemessen anzuerkennen, hilft dem Besitzer sehr. Sein Streßlevel sinkt meist augenblicklich, wenn er merkt, daß er sich nicht zusammenreißen muß, sondern das zum Ausdruck bringen kann, was er gerade fühlt. Es gibt aber auch Menschen, die nicht gerne vor anderen ihre Gefühle zeigen. Oft sind geschlechtsspezifische Unterschiede festzustellen. Männer trauern anders. Auch diese Unterschiede sollten akzeptiert werden. Immer ist zu bedenken, daß auch scheinbar gefaßte Besitzer unter enormen Streß stehen können.
Wie tröstet man Besitzer? Am besten durch Anerkennung ihrer Trauergefühle und ihres Schmerzes. Gut gemeinte Trostversuche wie z.B.: "Sie werden noch viel andere Tiere haben," werden vom Besitzer sehr oft als Unterstellung der Austauschbarkeit des verstorbenen Tieres angesehen. Besser ist es etwa zu sagen: " Struppi hat ihnen so viel bedeutet, da werden sie sicher eine ganze Zeit brauchen, bis sie über den Verlust hinwegkommen." Dadurch erkennt der Besitzer, daß die Bedeutung, die das Tier für ihn hatte, anerkannt wird und fühlt sich verstanden. Man muß sich nicht berufen fühlen, die aktuellen Probleme (Trauer, Schmerz, Verzweiflung usw.) des Besitzers für ihn zu lösen, indem man Lösungsvorschläge dazu macht. Man muß ihm nur helfen, sich zunächst einmal die neue, schmerzhafte Situation als real anzuerkennen und das gelingt am besten, wenn die aktuellen Gefühle angesprochen und akzeptiert werden.
Das Hilfreichste für den Besitzer - und langfristig auch das Einfachste für einen selbst - ist, wenn es gelingt, das, was der Besitzer gemeint hat, in eigenen Worten zusammenzufassen. Wenn der Besitzer z.B. sagt:" Ich weiß nicht, wie ich ohne Struppi weiterleben soll," wäre eine mögliche Antwort: "So viel bedeutet Struppi ihnen, daß ein Leben ohne ihn kaum vorstellbar ist." Nicht hilfreich wäre z.B: "Sie schaffen das schon!" Wenn man sich nicht sicher ist, das Verhalten richtig gedeutet zu haben, kann man einfach nachfragen: "Was sie gerade gesagt haben, meinen sie damit ...?" So hat der Besitzer das Gefühl von ernsthaftem Interesse an seiner Person und fühlt sich gut aufgehoben.
Bei allem, was man zu dem Besitzer sagt, sollte man immer bedenken, daß die meisten durch den Tod ihres Tieres in eine Umbruchsituation ihres Lebens kommen und sich erst einmal mit der Tatsache abfinden müssen, daß eine wichtige "Bezugsperson" ab jetzt fehlt. Alles, was ihnen hilft, diese Situation als real anzuerkennen, ist nützlich. Denn die erste Traueraufgabe für den Besitzer ist, den Verlust des Tieres als Realität zu akzeptieren. Wenn man in der Tierarztpraxis den Besitzer dabei einfühlsam unterstützen konnte, hat man schon viel erreicht. Zur Bearbeitung dieser Traueraufgabe kann es auch helfen, dem Besitzer anzubieten, ein Andenken an das Tier mit nach Hause zu nehmen, z.B. eine Haarlocke abzuschneiden, einen Pfotenabdruck aus Tinte zu machen, das Halsband mitzunehmen oder ein letztes Foto zu schießen.
Falls die Euthanasie in der Praxis stattgefunden hat, ist es hilfreich für den Besitzer, wenn er nicht mit schmerzbewegtem oder verweintem Gesicht durch ein volles Wartezimmer die Praxis verlassen muß, sondern einen anderen Ausgang nehmen kann.
Die meisten Besitzer sind nach dem Tod ihres Tieres in einer Art Schockzustand und haben das Gefühl, was sie erleben, sei nicht real. Deshalb sollte schon im Vorfeld abgeklärt werden, daß der Tierbesitzer jemanden hat,
der ihn nach Hause fährt.
Vielen Tierbesitzern hilft der Hinweis auf Tiertrauerforen im Internet und auf virtuelle Tierfriedhöfe, in denen man meist kostenlos ein Grab für sein Tier anlegen lassen kann. Dort finden sie andere um ein Tier Trauernde und können sich gegenseitig unterstützen, was die beste Hilfe zur Trauerverarbeitung ist.
Copyright: Dr. Carmen Staebler
Wer sich mehr mit dem Thema Euthanasie auseinandersetzen möchte und vor allem gut informiert sein möchte, was genau abläuft, dem empfehle ich die Seiten