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Katzendiabetes-Über Insulinresistenz
 
Kommt dir folgende Situation bekannt vor? Seit Wochen, wenn nicht Monaten, gibst du deiner diabetischen Katze Insulin, und die Blutzuckerwerte deiner Katze verbessern sich nicht, nein, sie verschlechtern sich sogar. So erging es uns im Herbst 2001 bei Clyde. Er bekam zweimal täglich 6 IE Caninsulin, nahm auch wieder zu und trank und urinierte nicht mehr ganz so viel, aber seine Blutzuckerwerte verbesserten sich nicht. Nach vierwöchiger Behandlung war sein Fructosaminwert nicht besser, sondern schlechter geworden. Damals hörte ich es zum ersten Mal: „Vielleicht ist das Tier insulinresistent.”
 
Ich las mich im Internet schlau und erfuhr dort, dass echte Insulinresistenz glücklicherweise bei Katzen selten ist, auch wenn es oft den Anschein erweckt, dass das häufig vorkommt. Mehrere meiner Bekannten bekamen vom Tierarzt die gleiche Diagnose, aber es stellte sich bald heraus, dass etwas anderes die Ursache war.
 
Katzen können aus folgenden Gründen insulinresistent erscheinen:
 
  • Das Insulin ist zu alt und wirkt nicht mehr.
  • Das Insulin ist verdünnt.
  • Das Insulin wird falsch verabreicht.
  • Die Insulinmenge stimmt nicht.
  • Ein Somogyi-Effekt ist eingetreten (sehr häufig, lies unbedingt nach!)
  • Das Insulin wird nur einmal verabreicht. Die meisten Katzen brauchen zwei Insulingaben täglich oder noch mehr.
  • Das verwendete Insulin wird vom Körper schlecht aufgenommen (soll bei Ultralente-Insulinen des öfteren vorkommen)
  • Es haben sich Antikörper gegen das verwendete Insulin gebildet.
  • Die Katze hat eine Infektion.
  • Akromegalie
  • Cushing-Syndrom
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Niereninsuffizienz
  • Herzinsuffizienz
  • Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Exokrine Pankreas Insuffizienz (EPI)
  • Diabetogene Medikamente, z.B. Cortison oder Progestagene (zum Unterdrücken der Rolligkeit)
 
Um eine echte Insulinresistenz auszuschließen, sollte man natürlich in Zusammenarbeit mit einem kompetenten Tierarzt ein bisschen weiter „experimentieren”.
 
Als erstes würde ich jedoch den Somogyi-Effekt ausschließen. Es wird zuviel Insulin gegeben, die Gegenreaktion tritt ein.Viel zu viel Glukose kommt ins Blut. Gibt man nun weniger Insulin und die Werte werden nach einigen Tagen besser (nicht sofort!), dann hat man die Ursache gefunden. Bitte miss bei Reduzierungen des Insulins unbedingt täglich auf Ketone, möglichst im Blut!
 
Clyde war anfangs unter Caninsulin schnell auf dem Somogyi-Trip. Wir reduzierten die Dosis, die Werte wurden besser, allerdings immer noch nicht zufriedenstellend.
 
Wird das richtige  Futter zur richtigen Zeit in der richtigen Menge gegeben?
 
Auch hier änderten wir bei Clyde etwas. Er bekam  kein Trockenfutter mehr. Dadurch purzelten die Werte weiter.
 
Liegt es am Insulin? Katzen sprechen ganz verschieden auf die einzelnen Insulinsorten an.
 
Wir wechselten  das Insulin. Caninsulin wirkte bei Clyde zu schnell,  schon bei geringen Mengen bekam er davon  einen Somogyi-Effekt. Wir wechselten  zu einem reinen Rinderinsulin, Depot Insulin CR von Hoechst. Rinderinsulin ist in seiner Struktur dem Katzeninsulin am ähnlichsten. Jahrelang gab ich Hypurin Lente oder Hypurin PZI. Leider gibt es  kein Rinderinsulin mehr in Deutschland.   Momentan (Stand Juni 2010) gibt es große Probleme mit der Beschaffung, darum wird es bei uns im Forum kaum noch angewendet. Stattdessen treten Lantus und Levemir in den Vordergrund.
 
Durch die Änderung dieser drei Faktoren (Insulinsorte, Insulinmenge, Futter) war für uns das Thema „Insulinresistenz” erledigt. Plötzlich hatte Clyde die ersehnten Werte zwischen 300 und 100 mg/dl. Beim PZI bzw. in den letzten Jahren unter Levemir konnte ich ihn  noch deutlich  niedriger einstellen: PREs um 150 und darunter, Nadirwerte um 80.
 
Es war eine Geschichte von Versuch und Irrtum, aber es hat sich gelohnt. Clydes Lebensqualität war schnell wieder da und auch nach vielen  Jahren Diabetes fühlte er sich bestens.
 
     
 
Clyde im Sommer 2008 (fast 7 Jahre Diabetes)
Noch mehr Bilder sind auf der Startseite und auf der Seite über Lebensqualität.
 
Wiederum möchte ich an dieser Stelle auf die Bedeutung des Hometestings hinweisen. Ohne Hometesting hätten wir nicht so viele Werte zur Verfügung gehabt, die uns weitergeholfen haben. Es beschleunigt den Regulierungsprozess enorm, spart Geld und rettet vielleicht das Leben deiner Katze.
 
Bevor man die Flinte ins Korn wirft und eine Katze als uneinstellbar einstuft oder sogar einschläfern lässt, sollte also unbedingt Ursachenforschung betrieben werden.
 
Oft muss zunächst die Glukosetoxizität durchbrochen werden, d. h. das Tier wird erst richtig auf das Insulin reagieren, wenn die Hyperglykämie durchbrochen wurde.
 
 
 
Hier noch ein  Link, wenn eine Katze sich nur schwer einstellen lässt:
(auf Englisch)
 
 
 
 
 
 
 
 
Alle Informationen beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen und geben meine persönliche Meinung wieder. Ich bin kein Tierarzt und übernehme keinerlei Haftung. Bitte sprecht die Therapie der Katze mit eurem Tierarzt ab. Jedes Kopieren, Einspeichern in automatisierte Dateien und Weiterverwenden der Texte und Bilder ist nur mit meiner Erlaubnis zulässig. Zuwiderhandlungen werden verfolgt. Helga Schoolmann